Bargeldverbot: Die Gefahr rückt näher

Eine scheinbar abstruse Idee nimmt zunehmend Gestalt an – Was den Bürgern drohen könnte

12.05.15
Auslesbarer Mensch: Bei jedem bargeldosen Vorgang hinterlassen wir Spuren Bild: ddp images

Ein mögliches Bargeldverbot dringt immer weiter in die Debatte. Die einen preisen das Verbot an, Skeptiker warnen vor seinen schlimmen Folgen für die Bürger, und Ökonomen sagen, was wirklich damit beabsichtigt wird.
Bargeld könnte verboten werden? Man will uns, vielleicht schon in einigen Jahren, zwingen, alles nur noch mit Karte, Chip, Mobiltelefon oder anderen Vehikeln des bargeldlosen Verkehrs zu bezahlen, ganz ohne Münzen und Scheine? Selbst Kleinstbeträge?
Auf den ersten Blick erscheint das wie eine Schnapsidee. Oder wie die Alarmmeldung chronisch aufgeregter Katastrophenpropheten. In die zweite Kategorie mag so mancher die Ankündigung des Wirtschaftsjournalisten Michael Mross stecken, der in seinem Internet-Portal „MMnews“ unlängst von einem internen Papier der EU-Kommission berichtete. Danach solle das Bargeld ab 2018 verschwinden, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker habe das Papier bereits abgesegnet.
Unsinn? Wer die Debatte der vergangenen Monate beobachtet hat, die in einflussreichen Kreisen zu dem Thema geführt wurde, wird da anders denken. Der ehemalige US-Finanzminister und gewichtige Harvard-Ökonom Larry Summers hat ebenso wie sein US-Ökonomen-Kollege Kenneth Rogoff vergangenes Jahr ganz offen ein Verbot von Bargeld gefordert. Beider Argument: Nur so ließen sich Negativzinsen auf Spareinlagen dauerhaft durchsetzen.
Das Problem: Regierungen und Finanzwirtschaft haben einen Schuldenberg aufgetürmt, den sie faktisch nicht mehr abtragen können. Wollen sie ihren Zusammenbruch verhindern, müssten sie demzufolge in viel drastischerer, theoretisch unbegrenzter Weise auf das Geld der Bürger zugreifen.
Jetzt schon experimentieren einzelne Kreditinstitute und Staaten mit Negativzinsen. Wer eine fünfjährige deutsche Staatsanleihe kauft, also der Bundesregierung für fünf Jahre Geld leiht, muss absurderweise dazu bezahlen, anstatt dass ihm der Kreditnehmer Bundesrepublik für sein Geld Zinsen zahlte, wie es eigentlich sein sollte. Auch die ersten Banken erheben auf große Einlagen bereits Negativzinsen.
Wer aber kauft negativ verzinste Staatsanleihen? Das sind beispielsweise Versicherungen. Sie hat die Politik per Gesetz gezwungen, das Geld der Versicherten zu einem Großteil in Staatspapiere anzulegen, weil es dort „sicher“ sei.
Die Überlegungen von Summers und Rogoff gehen weiter. Sie wollen alle, auch kleine private Ersparnisse mit Negativzinsen für Regierungen und Finanzindustrie „nutzbar“ machen.
Das derzeit noch bestehende Hindernis ist, dass die zur Schröpfung freigegebenen Bürger ihr Geld einfach von der Bank holen und zuhause in bar aufbewahren könnten. Genau da setzt das Bargeldverbot an: Gibt es keine Scheine und Münzen mehr, liegt alles Geld immer bei irgendeiner Bank und kann jederzeit eingezogen werden. Die Bürger hätten keine Chance mehr, sich ihrer schrittweisen Enteignung zu entziehen.
Als Wissenschaftler können Rogoff und Summers solche Absichten ganz offen vortragen, Politiker und Banken haben es da schwerer: Sie wollen gewählt werden oder buhlen um Kunden. Daher versuchen beide, ihren Bürgern und Bankkunden den Abschied vom Baren möglichst schmackhaft zu verkaufen – so, als sei es zu deren eigenem Vorteil.
Da heißt es etwa, der bargeldlose Zahlungsverkehr sei für die Verbraucher viel bequemer, und man könne nicht mehr bestohlen werden. Letzteres wird schon Lügen gestraft dadurch, dass es Computer-Ganoven immer wieder gelingt, Geld auf elektronischem Wege zu stehlen.
Zudem wird versucht, den Bargeldverkehr in schiefes Licht zu rücken: Im Grunde benötigten nur Gestalten wie Drogendealer oder Steuerhinterzieher das Bargeld. Wer nichts zu verbergen habe, könne jede Zahlung auch offen über sein Konto laufen lassen.
Bei jener Offenheit liegt jedoch schon die zweite Gefahr. Nicht bloß könnten sich die Bürger ohne Bargeld kaum noch gegen ihre häppchenweise Enteignung durch Banken und Staaten wehren. Sie würden auch nahezu lückenlos überwachbar.
Heute schon hinterlassen die Menschen, etwa über die Handy-Ortung, eine weit dichtere Datenspur als noch vor Jahrzehnten. Bei ausschließlich bargeldlosem Bezahlen wäre nahezu ihr gesamter Lebenswandel unter dem Radar staatlicher Überwacher. Die wüss-ten dann lückenlos, was wir wann und wo einkaufen und wie viel, wohin wir abends ausgehen und was wir dort zu uns genommen haben, wann und wo wir die U-Bahnkarte nach Hause lösen oder wann und wo wir wie viel Benzin tanken und alles mögliche mehr. Ein Großteil dessen, was die Bürger tagtäglich tun, löst schließlich einen Zahlungsvorgang aus.
Jeder einzelne hinterließe eine gewaltige Datenspur, welche staatliche Stellen jederzeit unter die Lupe nehmen könnten, ohne den Bürger dafür aufwendig beschatten zu müssen. Arglosen, die immer noch meinen, das sei ihnen egal, denn sie hätten ja „nichts zu verbergen“, empfehlen warnende Stimmen folgendes Gedankenspiel: Stell dir vor, jene  Partei, die du am gefährlichsten findest, gewänne die absolute Mehrheit – und damit die Herrschaft über all diese, deine Daten. Dann entscheide noch einmal, ob du wirklich nichts hast, was du lieber verborgen halten möchtest.
Die Bargeldabschaffung läuft derweil schleichend, in Schweden ist sie am weitesten fortgeschritten. Skeptiker wenden ein, dass der gänzlichen Abschaffung der Scheine und Münzen jedoch einiges entgegenstehe, weshalb sie ein (abartiger) Traum bleibe. So würden die Menschen im Zweifel auf Devisen, Edelmetalle oder Tauschhandel ausweichen, und das Bargeldverbot aushebeln. Zudem litte ohne Bargeld die Stabilität der Währung.
Indes: Auch der Besitz von Edelmetallen könnte, ebenso wie der von Devisen, verboten werden. Und die Möglichkeiten im Tauschhandel sind stark begrenzt. Und die Stabilität der Währung? Die Erfahrung mit dem Euro zeigt, dass die gern geopfert wird, wenn Politik und Banken an das Geld der Bürger wollen.
Bargeld-Verteidiger empfehlen, als Mittel des Widerstands gegen die drohenden Entwicklung wo immer möglich bar und nicht mit Karte zu bezahlen. Letztlich entscheide die Akzeptanz rein bargeldlosen Zahlungsverkehrs darüber, ob die Politiker den Schritt zum Bargeldverbot wagten. Es komme also auf jeden einzelnen und sein tägliches Verhalten an, ob die Gefahr gebannt werden könne.     Hans Heckel


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Kommentare

Rolf Pfau:
18.06.2015, 17:28 Uhr

Ich denke in immer öfter an 2 Fernsehfilme ich vor etwa 25 Jahren gesehen habe.
Film 1:
Ein Entwicklungshelfer kommt aus Afrika zurück und findet sich nicht mehr zurecht, weil er für alles Plastikkarten braucht.
Film 2: -Der lange Marsch ?-
Arme Menschen aus Äthiopien, Sudan, Ägypten ... ziehen Richtung Meerenge von Gibraltar und werden dort von spanischen und europäischen Soldaten mit MG's an der Überfahrt gehindert.
***So schnell kann aus Phantasie Wirklichkeit werden!***


W. Scholz:
21.05.2015, 22:17 Uhr

Da die Banken Geld, mehr Geld, viel mehr Geld, massenhaft Geld brauchen die Staaten blutleer gesaugt wurden von ihnen, wird der Staat auf das Kleingeld der Bürgen zugreifen. Das Lastenausgleichsgesetz gibt es immer noch, Italien nimmt auf Häuser und Wohnungen (bis Mitte `14 ca. 400000) Zwangshypotheken auf die natürlich die Besitzer zahlen, in Österreich müssen (noch straffrei) Kassabons aufgehoben werden (wie in Italien), in Schweden und Finnland und dem Baltikum ist das Bargeld de facto abgeschafft. In Deutschland machen die Dummies mit und zahlen 1 Pkch. Zigaretten mit Karte.
Und weil es so unbequem ist so viele Karten unterzubringen wird schon eine Generalkarte beworben die Ausweis, Schlüssel-, Bank-, Geld-, Krankenversicherungs- Versicherungs- und Rabattkarte in einem sein soll. Dann kostet es nur einen Knopfdruck und Rebellen (PEGIDA, §130-Revisionisten, Ausländerunwillige etc.etc.) aus dem System gekegelt werden. Wenn man dann was kaufen will wird die Karte gelöscht und man ist ein illegaler Zuwanderer. Und jetzt beweisen sie mal das Gegenteil.


Michael Morgenthal:
20.05.2015, 11:32 Uhr

Ein Bargeldverbot wird sich nicht durchsetzen. Es gibt doch schon Technologien die alle Vorteile davon lösen - ohne das Bargeld abzuschaffen. Googelt einfach mal "Dice banknote". Das Volk muss sich uns nur wehren.


dariusz jablonski:
16.05.2015, 13:37 Uhr

ich werde nie das gespräch vergessen,daß ich mit einem herrn mittleren Alters hatte,mit dem ich vor ca. 3 jahren zufällig ins Gespräch kam.
der sagte mir wörtlich: Zitat;Ich bin seit 25 jahren Sportschütze.
Verbrennen diese Verbrecher meine Ersparnisse, fahre ich nach Berlin und erschieße Politiker.
Ich habe mir da nur meinen Teil zu gedacht.


Bar Zahler:
16.05.2015, 05:12 Uhr

Die Frage ist, ob man sich alles gefallen lassen muß. Bargeldverbot? Was bilden sich diese Scharlatane eigentlich ein. Der “Staat” ist das Volk. Und die Volksvertreter haben im Sinne des Wohles eben dieses Volkes zu agieren. Tun sie das nicht, braucht sich das Volk auch nicht an die Vorgaben und Entscheidungen zu Halten. Schon gar nicht, wenn wir offensichtlich verraten werden !


Rainer Brunotte:
15.05.2015, 00:50 Uhr

Ich nehme diese Katastrophenmeldung ernst. So wurde ja immer wieder über die Einführung von Mülltonnen, bei denen der Müll gewogen wird, geredet, ohne dass es tatsächlich kam. Aber eines Tages wurde es in meinem Ort über nacht eingeführt.

Das Argument von Herrn Kenneth Rogoff ist kein richtiges Argument. Negativzinsen sind ja etwas Schlechtes, was der Sparer zu vermeiden hat. Es ist wichtig, dass er sie umgehen kann. Das ist ein Argument FÜR Bargeld.
Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist: Warum kann Herr Rogoff es als Argument vortragen. Offensichtlich erwartet er, dass es auf einige Menschen wirkt wie ein Argument und nicht wie ein Gegenargument. Wenn das der Fall sein sollte, wie kommt dieser Denkfehler zustande, und wie lässt er sich bei unseren Mitmenschen unterbinden.
Die Antworten auf diese Fragen gilt es zu finden und zu nutzen.


Dietmar Fürste:
13.05.2015, 07:25 Uhr

Merkwürdigerweise hört man nichts davon, dass die USA uns dabei mit gutem Beispiel vorangehen wollen.

Und es zeigt sich bei diesem Vorhaben, wie verhängnisvoll (oder sollte man besser sagen, weitsichtig?), die Finanzordnung der EU geplant wurde:

War es von Anfang an gewollt, sich den Exzessen der Spekulanten und dem Schuldgeldsystem mit einer wertlosen Fiat-Währung anzuschließen?

Andererseits ist die Vorstellung, man könnte mehreren Hundert Millionen Europäern, denen man erst mühsam den Euro schmackhaft gemacht hat, ihr Bargeld für illegal erklären, doch reichlich absurd.

Ein solches Vorhaben könnte u.U. der Anlass dafür werden, dass die nur noch mühsam zusammen gehaltene EU wie eine Reihe Dominosteine auseinander fällt und die Länder zu ihrer eigenen Währung zurückkehren, anstatt sich für die Wallstreet-Interessen ausplündern zu lassen.


Rolf Günther:
12.05.2015, 10:01 Uhr

Wer sich auch nur etwas schlau gemacht hat, weiss schon längst, dass die Abschaffung des Bargelds ein Hauptziel der " New World Order" ist. Wenn Junker diese Entscheidung mitträgt, beweist dies nur seine Verstrickung in die Elite und damit seine kriminelle und menschenverachtende Haltung zur Gesellschaft. Wie auch immer geplant, rechnen diese Psychopathen nicht damit, dass auch sie bei all ihren Handlungen ungeschoren davonkommen. Leider wird sich diese Geisteshaltung als Trugschluss erweisen und die Konsequenzen ihrer unsäglichen Gier diese Welt in ein Chaos von solch unbeschreiblichen Ausmass stürzen, dass auch die Elite davon weggespült wird!


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