Courage

Warum uns muslimischer Antisemitismus überfordert, ab wann wir ungemütlich werden, und woher mehr Geld für alle kommen soll / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

15.04.17

Was wir Deutsche anfangen, das bringen wir auch zu Ende, und zwar gründlich. Andere Völker lassen sich viel zu leicht aus dem Konzept bringen durch lästige Störungen. Derlei ignorieren wir tapfer und ziehen unsere Sache unbeirrt durch.
Dabei können wir uns auf unsere festen Überzeugungen stützen, die uns eine unerschütterliche Erkenntnis davon verleihen, was gut ist und wo das Böse wohnt. In Berlin hat das Böse zugeschlagen, als türkisch- und arabischstämmige Jugendliche einen jüdischen Mitschüler derart heftig antisemitisch malträtiert haben, dass dessen Eltern den 14-Jährigen von der Schule nehmen mussten.
„Wird Antisemitismus in Deutschland tatsächlich gerade wieder salonfähig?“, fragt „Focus-Online“ und verweist mit dem Wort „wieder“ schon mal in die richtige Ecke, in die deutsche Rechtsaußen-Ecke nämlich. Denn was „wieder“ salonfähig wird, muss es an derselben Stelle ja schon einmal gewesen sein. Der israelisch-deutsche Professor Guy Katz liefert die passende Einordnung des abscheulichen Geschehens: Der Faktor Zeit spiele eine wichtige Rolle. Soll heißen: Das Schuldbewusstsein der Deutschen ist mehr als 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg am Verblassen, daher kriecht unser Antisemitismus wieder hervor, wie man an dem Berliner Vorfall ja sehen kann.
Haben Sie auch gerade das Gefühl, sich verlesen zu haben? Zählen wir noch mal zusammen: Junge Türken und Araber quälen einen Juden mit antisemitischen Ausfällen. Deutsche Journalisten, unterstützt von einem „Experten“, kramen daraufhin eine bedenkliche Bewusstseinsveränderung der Deutschen als Ursache hervor.
Das nennt man Kurshalten: Wenn es um Schuldzuweisungen − noch dazu im Zusammenhang mit Antisemitismus − geht, lassen wir uns von keiner Wirklichkeit in die Suppe spucken. Schließlich handelt es sich bei den jungen Türken und Arabern um Immigranten, also um Angehörige einer Gruppe, die unter die Kategorie „Opfer“ fällt. Täterschaft jedoch bleibt uns Deutschen vorbehalten, also ist die Ursache für türkisch-arabischen Antisemitismus in der ewig schwefligen Seele der Deutschen zu suchen.
Schlechter Witz am Rande: Die besagte Lehranstalt ist seit 2016 Teil des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem sich bundesweit mehr als 2000 Schulen angeschlossen haben und das bereits vielfältig ausgezeichnet wurde, beispielsweise mit der Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.
Ins Licht getragen hat die missliche Angelegenheit übrigens keine deutsche Zeitung, sondern der Londoner „Jewish Chronicle“. Dort erfahren  wir von Aaron Eckstaedt, dem Leiter des jüdischen Moses-Mendelssohn-Gymnasiums in Berlin, dass jedes Jahr sechs bis zehn Anträge jüdischer Eltern beim ihm eingehen, die ihre Kinder wegen antijüdischer Anfeindungen von deren Schule nehmen wollen.
Ziemlich viele bei den wenigen jungen Juden, die in Berlin leben. Warum ist das kein Aufreger für deutsche Medien? Da können wir nur mutmaßen. Möglicherweise fänden sie die Sache befruchtender, wenn die üblen Judenhasser Max oder Michael hießen statt Mehmed oder Mustafa. So aber ist die Frontlage einfach zu unklar, als dass man sich darin verheddern will.
Am Ende muss sich der brave Journalist noch mit dem Vorwurf herumschlagen, „Vorurteile gegen Migranten“ zu verbreiten, womit er „Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten leitet“ und sich als „Stichwortgeber für Pegida und Co.“ hergibt. Nein, nein, viel zu gefährlich. Dann beschweigen wir ihn lieber, den grassierenden muslimischen Antisemitismus in Deutschland.
Wir haben aus der Geschichte gelernt, das bestätigen wir uns gern gegenseitig und beglück­wünschen uns zu unserer „Courage“, die unseren Vorvätern im Angesicht des aufkommenden NS-Terrors gefehlt habe. Gelernt − nur was? Etwa, dass der Kampf gegen Antisemitismus einzustellen ist, sobald Gegenwind aufkommt?
Feige, was? Müssen wir uns dafür schämen? Auch nicht mehr als die Spitzen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Die Zusage von AfD-Sprecherin Petry, sich für den Schutz jüdischen Lebens in Deutschland einzusetzen, wurde von dort mit Gift und Galle zurückgewiesen. Begründung: Es gebe Mitglieder der Partei, die Antisemiten seien.
Gleichzeitig pflegen die gewählten Notablen des Zentralrats der Juden gern den freundlichen Dialog mit islamischen Würdenträgern, derweil in Moscheen kreuz und quer durchs Land feuriger Judenhass verbreitet wird. Schon merkwürdig.
Allerdings auch tröstlich für den linkischen Feigling in uns: Denn so gibt man uns etwas in die Hand, womit wir uns nach der nächsten antijüdischen Welle in der deutschen Geschichte herausreden können. Wir werden listig anbringen, dass die Spitzenvertreter der jüdischen Gemeinden genauso sitzen geblieben sind wie wir, als die Bedrohung anrollte.
Ein bisschen schmierig, stimmt. Aber wen stört’s? Ungemütlich werden wir erst, wenn es an unser Geld geht. Und man hat uns ja fest versprochen, dass „niemandem etwas weggenommen wird“ für den Unterhalt der zwei Millionen vorwiegend islamischen Zuzügler.
Manche geben sogar freiwillig ab, so wie die engagierten Bürger aus Mittelhessen, die Bürgschaften übernommen haben, damit Syrer ihre Verwandten nachholen können. Mittlerweile sind sie allerdings verschnupft, weil sie gedacht hatten, den Unterhalt müss­ten sie nur solange leisten, bis das Asylverfahren erfolgreich abgeschlossen ist.
Nun hieß es plötzlich, dass sie auch darüber hinaus zur Kasse gebeten würden, damit nicht der Steuerzahler belastet werde. Einer der Hilfsbereiten ist jetzt richtig sauer. Er hatte 2014 eine Verpflichtungserklärung für einen Syrer abgegeben und gehofft, dass ihm der Staat die Kosten für den Mann nun abnimmt, da das Asylverfahren durch ist. Aber Pustekuchen: Er soll weiter zahlen, rund 800 Euro im Monat.
Die Helfer finden, dass der Steuerzahler moralisch verpflichtet ist, die weiteren Rechnungen für ihre Großherzigkeit zu übernehmen. Das Für und Wider wird groß diskutiert, wobei eine Frage merkwürdigerweise ausgeklammert bleibt: Wieso lebt jemand, der seit drei Jahren in Deutschland weilt und dessen Asylverfahren erfolgreich abgeschlossen wurde, immer noch von fremder Leute Stütze?
Diese Frage ist ja schon an sich Hetze! Dennoch pirscht sie sich immer mehr in den Vordergrund. Die „Wirtschaftswoche“ lärmt: „Die Sozialkosten explodieren − und niemand handelt.“ Wo im Speziellen diese Explosion zu verzeichnen ist, deckt das Magazin auf. Laut dem Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen kostet jeder Asylsucher den deutschen Steuerzahler 450000 Euro, über die gesamte Lebenszeit.
Der bekannte Ökonom Hans Werner Sinn nennt diese Rechnung noch zu optimistisch, weil sie unterstelle, dass die neuen Zuwanderer ebenso schnell in den Arbeitsmarkt integriert würden wie vorangegangene Einwanderer − was Sinn nicht erwartet. Jedenfalls geht sogar „Optimist“ Raffelhüschen davon aus, dass Zuwanderung auf derzeitigem Niveau den deutschen Sozialstaat „langfristig zerstören“ werde.
Das klingt nicht gut, weshalb SPD-Wahlkämpfer Martin Schulz rasch seinen Zauberkasten aufstellt und ein Wunder hervorzieht: Mehr Geld für alle! Wie Umfragen belegen, sind Millionen Deutsche von der Vorstellung hingerissen und klatschen frenetisch Beifall.
Noch muss er nicht sagen, wo er die Moneten hernimmt. Eine Vorahnung gibt uns die Friedrich-Naumann-Stiftung. Laut einer Studie sei die Steuer- und Abgabenbelastung der Deutschen schon jetzt so hoch angestiegen wie noch nie seit der Vereinigung. Da kommt dann bald noch ordentlich was drauf.


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Kommentare

Klaus Borgolte:
18.04.2017, 03:02 Uhr

Meine drei Söhne gingen Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre in Schulen am Niederrhein. Die noch nicht so zahlreichen jungen Türken machten zwei meiner Söhne viel zu schaffen: Geld erpressen, "ich weiss, wo du wohnst". Das hatten wir erst spät bemerkt. Vereinzelt gab es Eltern, die versuchten, ihre Kinder in andere Schulen unter zu bringen. Das wurde weder in den Tageszeitungen noch anderen Medien thematisiert.

Meine Frau und ich ertrugen das Vehalten der "Gastarbeiterkinder" oder Kinder "ausländischer Mitbürger" und hofften nur, dass es sich um verübergehende Erscheinungen handele. Heute bin ich da viel "schlauer" - besser gesagt, tief besorgt.

Unsere jüdischen Gäste haben uns viel voraus. Sie registrieren jedes "antisemitische" Ereignis sehr sorgsam. Keine Menschen-Gruppe betont ihre Opferrolle so intensiv und hat solch einen wirksamen Schutz um sich entwickelt, wie eben jüdische Menschen (um das Wort Juden zu vermeiden) in aller Welt. Das beobachte ich in Deutschland und hier in Kapstadt, wo ich derzeit lebe.

Am Rande möchte ich erwähnen, dass ich meine Abstammung lückenlos bis Preußen nachweisen kann. Darauf bin ich stolz. Und wie geht es mir "Nichtemigrant" in meiner Heimat? Für mich und viele andere hat die politische "Elite" der BRD ihren ulkigen, aber sehr bösen "Reichsbürger" erdacht, der mit der vollen Macht der BRD-Gerechtigkeit bekämpft werden muss. Ich hoffe, dass ich bei der Preussischen Allgemeinen nicht im schwarzen Medienloch verschwinde.

Liebe Grüße

Für souveräne deutsche Lande
Klaus Borgolte


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