Die Probleme beseitigen, nicht die Babys

Neue Wege in der Schwangerenkonfliktberatung: Empathie und Hilfe statt Beratungsschein und Abtreibung

19.12.11
„Abtreibung? Nein danke”: Beratung und Hilfe für ein Ja zum Leben des ungeborenen Kindes. Bild: 1000plus

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland hat wieder zuge­nommen. Laut den vor wenigen Tagen veröffentlichten neuen Daten des Statistischen Bundesamts stieg die Zahl der Abtreibungen im dritten Quartal 2011 um 1,8 Prozent, verglichen mit dem entsprechenden Vorjahres­quartal. Und das, obwohl weniger Frauen schwanger waren und der Geburtenrückgang sich fortgesetzt hat. Nach Mitteilung der Behörde wurden im dritten Quartal 2011 rund 27000 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Das waren 500 mehr als im dritten Quartal 2010.
Demnach werden wohl auch in diesem Jahr wieder über 100000 Kinder nicht geboren werden. obwohl sie schon empfangen sind. 100000 – ab dieser Einwohnerzahl spricht man in Deutschland von einer Großstadt. Über 100000 Frauen werden sich für eine Abtreibung entscheiden, weil sie keine Alternative sehen konnten. Über ihre Leiden danach, ihre Depressionen, ihre Schuldgefühle, wird selten berichtet.
An dieser Stelle, der scheinbaren, subjektiv so empfundenen Alternativlosigkeit der Abtreibung des eigenen noch ungeborenen Kindes, setzen Schwangerenberatungsstellen an, die sich konsequent dem Leben verpflichtet fühlen. Wegen dieser Zielsetzung stellen sie keine Beratungsscheine nach Paragraf 219 Strafgesetzbuch aus, die zur straffreien Abtreibung berechtigen würden.
Eine davon ist die Schwangerschaftskonfliktberatung „Die Birke“ in Heidelberg. Die Frauen, die dort kurzfristig einen Termin machen, sind verzweifelt und wollen ihre Schwangerschaft abbrechen. „Die Birke“ arbeitet nach einem eigenen Konzept: Sie setzt ganz auf professionelle Beratung voller Empathie, und statt leerer Worte bietet sie konkret-materielle, individuelle Unterstützung für Schwangere im Konflikt. Das können eine Beziehungsberatung, eine Finanzierungszusage für eine Tagesmutter während des ersten Lebensjahres des Kindes, ein zinsloses Darlehen für die Mietkaution einer größeren Wohnung oder Zuschüsse zum Lebensunterhalt sein.
Niemals wird dort zu einer Abtreibung geraten. Dahinter steht die Erkenntnis, dass nie das ungeborene Kind die Konflikte der Frau verursacht. „Die Massenabtreibung in Deutschland ist ein Phänomen der massenhaft unterlassenen Hilfeleistung“, fasst „Birke“-Vorsitzender Kristijan Aufiero die Erfahrungen aus langjähriger Arbeit gegenüber der PAZ zusammen. Knapp 70 Prozent der Frauen, die im vergangenen Jahr die Beratung bei der „Birke“ in Anspruch genommen haben, entschieden sich für die gemeinsam erarbeitete Lösung und damit für ihr Baby.
Weil sich die Nachfrage nach Beratung und Hilfe stark ins Internet verlagert hat – kaum einer schlägt heute noch in den Gelben Seiten nach –, ist aus der „Birke“ heraus der Verein „Pro Femina“ gegründet worden, um Frauen im Konflikt da abzuholen, wo sie nach Informationen suchen. Nach „Birke“-Angaben wird jeden Tag 5000-mal unter den Stichwörtern „Abtreibung“ und „Schwangerschaftsabbruch“ nach weiteren Informationen gesucht. Seit 2007 wurde deshalb ein Online-Beratungsteam aus studierten, qualifizierten und hochmotivierten Mitarbeiterinnen aufgebaut. Das Team geht einerseits von sich aus auf Schwangere zu, die sich in den unterschiedlichsten Foren und Chatplattformen über ihre Lage äußern und anonym nach Rat suchen, andererseits ist mit www.vorab­treibung.net eine eigene Netzseite geschaltet, die auch Beratungsstellen vermittelt, die keine Scheine ausstellen, sondern sich Zeit nehmen und mit der Schwangeren von der Problem- zur Lösungsorientierung kommt.
Denn eines kann Aufiero nach über zehn Jahren Beratungsarbeit sagen: „Eine Abtreibung ist nie eine wirklich gute Lösung, weder für die Mutter noch für das Kind. Es geht uns um Hilfe statt Abtreibung.“ Christian Rudolf

Pro Femina e.V.
Bergstraße 114
69121 Heidelberg
Telefon: 06221 / 606 77 00
www.1000plus.de
kontakt@1000plus.de


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Kommentare

Michael Schmitz:
5.09.2012, 17:28 Uhr

Ersetzen wir im Kommentar von "sapere aude" mal Abtreibung durch Tötung eines Menschen, so sieht man dass die Logik nicht sehr überzeugend ist:

Nunja grundsätzlich halte ich die Tötung eines Menschen auch für die schlechteste Lösung - aus der Perspektive meiner "heilen Welt".

Letztendlich sind wir alle aber aufgerufen zu akzeptieren, daß es durchaus Umstände gibt in denen jemand meint diese schlechte Lösung für sich in Anspruch nehmen zu müssen. Bleibt diese Entscheidung nach einer intensiven Beratung bestehen, haben wir das zu akzeptieren und ihn dafür nicht zu verurteilen...


Kristina Sahlmann:
10.01.2012, 11:07 Uhr

Ich wünsche niemandem in eine solche Situation zu kommen. Man hat nur die Wahl zwischen zwei vermeintlich schlechten Lösungen.

Ich war in dieser Situation und ich mir hat eine Webseite geholfen (habe ich mal bei "Web" eingegeben sowie Gespräche mit meiner Mutter und meinem Frauenarzt.

Es ist soo schwer und man sollte niemanden vorschnell verurteilen!


R. Lehmann:
20.12.2011, 17:11 Uhr

"Die Probleme beseitigen, nicht die Babys" heißt es in der Überschrift.

Und was gilt bis dahin?

(irgendwie habe ich den Eindruck daß die Probleme, die es doch zu beseitigen gilt, im Artikel nicht konkret angesprochen wurden. Lesekomopetenzmangel?)


Frank Rost:
19.12.2011, 20:06 Uhr

Das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes sollte immer vorgehen. Es gibt nur wenige zwingende Gründe, ein schutzloses Leben auszulöschen. Die aktuelle Abtreibungs-Praxis muss aus meiner Sicht gründlich reformiert werden.


sapere aude:
19.12.2011, 11:49 Uhr

Nunja grundsätzlich halte ich Abtreibung auch für die schlechteste Lösung - aus der Perspektive meiner "heilen Welt".

Letztendlich sind wir alle aber aufgerufen zu akzeptieren, daß es durchaus Umstände gibt in denen Frauen meinen diese schlechte Lösung für sich in Anspruch nehmen zu müssen. Bleibt diese Entscheidung nach einer intensiven Beratung bestehen, haben wir das zu akzeptieren und die Frau dafür nicht zu verurteilen...


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