Die Schande von Hamburg

Warum Kriminelle eine Stadt übernehmen, was der Schwarze Block wirklich will, und wo die Anarchisten untertauchen / Der Wochenrückblick mit Klaus J. Groth

15.07.17

Die dämlichste Frage lautet: Warum? Warum ließ Hamburg sich zerlegen? Die nicht minder dämliche Antwort lautet: Darum! Kinder fragen und antworten so. Kinder dürfen das. Erwachsene auch, denn „Darum“ ist nach den Chaosnächten von Hamburg die einzige Antwort. Es gibt keine Begründung für die Gewalt mit Ansage, außer dass diese Gewaltorgie geplant und gewollt war. So, wie sie immer gewollt wird von linksradikalen Kriminellen, die sich mal Kommunisten, mal Anarchisten, mal Autonome nennen, die wechselweise zur „Interventionistischen Linken“, zum „Ums Ganze“-Bündnis“, zur „Autonomen Antifa“, zum „Fast Forward“, zum „Revolutionären Aufbau Waterkant“ oder wie sie alle noch heißen mögen zählen. Sie wollen Gewalt um der Gewalt willen. Jeder weiß das. Oder könnte es doch wissen. Schließlich war Hamburg nicht der erste Gipfel, den sie stürmten. Immer vereint unter dem Motto: „Staat, Nation, Kapital – Scheiße“. Denn: „Wir wollen keinen sozialeren Kapitalismus, sondern gar keinen!“
Die Absichten sind bekannt, die Täter sind bekannt. Und doch wird vorher so getan, als lasse sich ein Gewaltausbruch durch einen Streifenpolizisten mit Basecap und Sommerhemd vermeiden, wenn man ihn nur als De­eskalations-Beamten deklariert. Offenbar gehört das Recht auf Randale zu den schützenswerten Gütern.
Die Taktik der reisenden Linkskriminellen ist ebenso bekannt wie ihre Absicht. Sie tauchen unter in den Demos der Wohlmeinenden vom linken Rand der Couch, der Kirchen, der Gewerkschaften, der Kulturschaffenden und Artverwandten. Unter all denen, die ihr Herzensanliegen auf die Straße tragen: Hamburg ist bunt, Hamburg ist weltoffen. Aber ein Schwarzer Block ist nicht bunt. Für den sind das Sprechblasen linker Softies, die ihnen den roten Teppich ausrollen.
Linkskriminelle tarnen sich als linke Softies. Poloshirt, bunte Hose, netter Junge (manchmal auch Mädchen). Erst wenn es losgehen soll, wird die bunte Tarnung gegen die schwarze Tarnung gewechselt, dann steht da geschlossen ein Schwarzer Block. Jeder weiß, dass das passieren wird. Und jeder weiß, was dann passieren wird: Die Polizei untersagt die Vermummung. Ohne Erfolg, auch das ist bekannt. Denn der schwarz Vermummte, der eben noch ein netter Junge war (oder Mädchen) weiß, was von ihm erwartet wird. Oft genug wurde das geplant und geübt. Denn die eigentlichen Täter sind ja nicht fehlgeleitete, naive Wirrköpfe. Die strategische Planung machen Leute, so zwischen 40 und 50 Jahre alt, die haben ihre Erfahrungen von Gipfel zu Gipfel gesammelt.
Warum wird nicht genauer hingehört, wenn ein Strippenzieher gespreizt erklärt, das Verhältnis zum Staat, zu den Bullen, sei „ganz klar antagonistisch“. Staat und Polizei sind also Gegner. Man setze auf „Selbstermächtigung“, „massenhaften Ungehorsam“ und „die Nichtanerkennung des staatlichen Gewaltmonopols“. Man wolle den revolutionären Bruch, „natürlich auch mit den dazugehörenden Formen der bürgerlichen Demokratie“. Noch Fragen? Wo sind die „wehrhaften Demokraten“, wenn so etwas in aller Öffentlichkeit gefaselt wird? Warum wird eine eindeutige Kampfansage nicht zur Kenntnis genommen? Man muss noch nicht einmal die Anfängerschulung beim Bundesnachrichtendienst besuchen, um auf solche Texte zu stoßen. Sie sind öffentlich.
Urheber solcher Drohungen demonstrieren gerne Seit’ an Seit’ mit Kirchen, Gewerkschaften und Kunstschaffenden, ganz vorne, wo die Prominenz läuft. Die linksgestrickte Schickeria, die wohlwollend alternative Schonräume pflegt, findet ein bisschen Revoluzzertum chic. Keine der zum G 20-Gipfel angekündigten Demos wurde so häufig und genüsslich beim Namen genannt wie „Wellcome to hell“. Das war doch mal originell. „Willkommen in der Hölle“ klang so schön gruselig. Jetzt, nachdem es gebrannt hat – ausgerechnet vor allem im versifften Wohnzimmer der Roten Flora – jetzt, nachdem die Randalierer dort wie die Teufel tobten, jetzt erst dämmert vielen alternativen Sympathisanten, was mit dem Motto angekündigt, ordentlich angemeldet und genehmigt wurde.
Verdächtigen wir nicht die Falschen? Schneller als die Stadtreinigung rund um die Rote Flora aufräumen konnte, wurden wir mit Analysen beglückt, die uns nachdenklich machen sollten. Dem stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Ralf Stegner verdanken wir die Erkenntnis, dass nur mit „rechter Gesinnung“ Gewalt wie in Hamburg möglich sei. Also wüteten im Schanzenviertel wieder mal so was Ähnliches wie Neo-Nazis. Falsch, sagt die Chefin der Linken, Katja Kipping, es war die Polizei. Die ist für Kipping sicher auch schon fast Neo-Nazi. Jedenfalls, sagte sie, sei die Polizei marodierend durch die Stadt gezogen und habe Menschen schikaniert, die ein Bier trinken wollten. Wirklich, Volksvertreter mit solchen Ansichten sollten uns nachdenklich machen.
Hätte man damit rechnen können, dass binnen Stunden Teile Hamburgs Szenen wie im Bürgerkrieg erleben würden? Bürgermeister Olaf Scholz hat das weggelächelt. Der Gipfel werde nicht viel mehr Aufregung in die Stadt bringen als der Hafengeburtstag, hatte er gesagt. Am Ende werde die Stadt stolz sein. Noch am Tag, bevor der Mob losschlug, hatte er die Ortswahl damit begründet, der Gipfel benötige die große Stadt, um zigtausend Delegierte und Journalisten zu beherbergen. Nun könnte man fragen, ob zigtausend Delegierte und Journalisten überhaupt untergebracht werden müssen, ob nicht allein in der großen Zahl der Misserfolg programmiert ist. Aber das ist ein anderes Thema. Jetzt stand Olaf Scholz inmitten seines Trümmerhaufens und stammelte hilflos in einer Videobotschaft: „Ich appelliere an die Gewalttäter, mit ihrem Tun aufzuhören und sich zurückzuziehen.“ Die verehrten Herren und Damen Gewalttäter haben sich gewiss sehr beeindruckt gezeigt. Arme, stolze Stadt Hamburg.
Udo Lindenberg war cleverer. Der hatte seine Bude im Hotel Atlantic geräumt, bevor Angela Merkel kam. Von anderen Gipfeltreffen wusste er, was da auf ihn zukommt. Da nahm er lieber rechtzeitig Reißaus und hinterließ die Empfehlung, Helgoland wäre ein sehr viel besserer Ort für das G 20-Treffen. Dem wäre nicht zu widersprechen. Noch sehr viel besser wären allerdings die Zentrale Sahara oder der Große Salzsee in Utah/USA geeignet. Mit etwas gutem Willen ließen sich etliche prima Alternativen entdecken.
Nach dem linkskriminellen Event beförderte ein Sonderzug die erschöpften, aber sicherlich hochbeglückten Randalierer zurück in die Heimat. Einige wenige Plätze blieben vermutlich frei. Denn es hatte Festnahmen gegeben. Wenn auch nur einige wenige. Denn das mit der Festnahme ist nicht so einfach. Entweder es muss eine Videoaufnahme vorhanden sein – und woher soll man die wohl nehmen, wenn doch so gut wie gar nicht gefilmt wurde? – oder jemand muss bei einer Plünderung beobachtet worden sein. Ja, und woher soll der Zeuge kommen, wenn es rundum keine Gaffer, geschweige denn Polizisten gegeben hat? Nein, einfach ist das nicht. Auch nicht, wenn schwarz vermummte Gestalten lässig, ach was, seelenruhig durch Wohnstraßen ziehen und hier und dort ein Auto abfackeln. Da kann man leider nichts machen.
Wenn sich die eingangs gestellte Frage nach dem „Warum“ nicht beantworten lässt, dann vielleicht doch wenigstens die Frage nach dem „Wofür“. Wofür musste sich die Stadt zerlegen lassen? Weil es gut war, miteinander zu reden. Und etwas weniger übereinander. Das ist von Gipfel zu Gipfel der schwindsüchtige Ertrag, egal, wie viele Girlanden notdürftig drum herum gestrickt werden. Ein Ignorant, wer meint, das sei nicht jeden Preis wert.


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Kommentare

Andreas Nickmann:
16.07.2017, 11:07 Uhr

Nach dem Lesen dieses Wochenrückblicks hatte ich den Eindruck, als sei nun selbst dieser Rubrik der Galgenhumor ausgegangen...


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