Ehrt Dresden eine salafistische Barrikade?

Streit um die von Manaf Halbouni vor der Frauenkirche errichtete Installation »Monument«

17.02.17

Der 1984 in Damaskus geborene syrische Bildhauer Manaf Halbouni studierte von 2005 bis 2008 Bildhauerei in Damaskus. Da der Syrer, wie viele seiner Altersgenossen hierzulande, auch keinen Wehrdienst leisten wollte, setzte er sich 2008 nach Deutschland ab. Während die Bundesrepublik jedoch zeitgleich Deutsche, die nicht dienen wollten, verfolgte, ermöglichte sie Halbouni, kaum dass er im Land war, ein Studium. Ab 2009 studierte er an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste Bildhauerei – zuletzt als Meisterschüler von Eberhard Bosslet und gefördert mit einem Stipendium sowie diversen Preisgeldern.
2015 beschloss Halbouni, dessen Mutter aus Dresden stammt, seiner neuen Heimatstadt ein „Monument“ der ganz besonderen Art zu bescheren, das sowohl an die gegenwärtige Zerstörung von Aleppo als auch die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 erinnern soll. Hierbei handelt es sich um drei hochkant gestellte, ausrangierte Linienbusse der Nürnberger Verkehrsbetriebe, die nun bis zum 3. April vor der Frauenkirche thronen – gehalten durch massive Betonfundamente im aufgerissenen historischen Pflaster des Neumarkts. Inspiriert wurde Halbouni zu diesem „Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit“, das er gerne als „moderne Freiheitsstatue“ ausgibt, von einer ganz ähnlich aussehenden Barrikade aus alten Bussen im Aleppiner Stadtteil Bustan al-Qasr, die angeblich von verzweifelten Zivilisten als Schutz vor Scharfschützen errichtet worden sei.
Das Geld für das „Mahnmal“ stellten hauptsächlich die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sowie die Stiftung Kunst und Musik für Dresden zur Verfügung, hinter der Martina de Maizière steht, also die Frau des amtierenden Bundesinnenministers. Dabei wird über die Höhe der Kosten eisern geschwiegen. Trotzdem erhielt die Installation reichlich Beifall von Vertretern der sonst eher unterfinanzierten städtischen Kulturszene.
Hingegen laufen Vertreter von Pegida und AfD, aber auch viele gewöhnliche Dresdner seit der Einweihung Sturm gegen das „Monument“. Sie sehen darin einen weiteren Angriff auf die traditionelle Dresdner Trauer- und Gedenkkultur rund um den 13. Februar, die in den letzten Jahren sowieso schon unter allerlei neuartigen und wenig pietätvollen „Events“ wie lärmenden Rockkonzerten oder Menschenketten „gegen Rechts“ gelitten hat. Ganz abgesehen davon darf Pegida natürlich keine „Spaziergänge“ mehr auf dem Neumarkt starten, solange Halbounis „Kunstwerk“ dort steht.
Des Weiteren wird bemängelt, dass zwar Geld für die ebenso überdimensionierte wie hässliche Barrikade aus Schrott vorhanden sei, aber nicht für ein würdiges Denkmal zur Erinnerung an die unzähligen Dresdner Bombentoten. Denen ist in der Tat nur die unscheinbare Metallplatte im Pflaster des nahegelegenen Altmarkts gewidmet – auf die so mancher Tourist tritt, wenn er zur dortigen Tiefgarage samt öffentlicher Toilette eilt.
Ebenso wittern viele Dresdner in dem „Monument“ einen weiteren penetranten Versuch der Umerziehung durch Asyl-Lobbyisten, die parallel zu dem Stein des Anstoßes neben der Frauenkirche ja auch die Installation „Lampedusa 361“ vor der Semperoper präsentieren. Letztere besteht aus 99 großformatigen Fotos, welche die Gräber von im Mittelmeer ertrunkenen Asylsuchern zeigen.
Und dann wäre da noch der Umstand, dass der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zu den maßgeblichen Unterstützern des „Monuments“ zählt. Dieser Lokalpolitiker äußerte Anfang Februar, das 1945 zerstörte Elbflorenz sei „eine alles andere als unschuldige Stadt“ gewesen. Deswegen mischt sich nun die Wut auf den empathielosen Hilbert mit dem Ärger über das „Kunstwerk“.
Ansonsten steht die Installation aber auch deshalb in der Kritik, weil ihr Vorbild in Aleppo eben nicht von verängstigten Zivilisten, sondern Kämpfern der salafistischen Miliz Harakat Ahrar asch-Scham al-Islamiya – laut Generalbundesanwalt eine terroristische Vereinigung – errichtet wurde. Das beweisen die Bilder des Reuters-Fotografen Ammar Abdullah vom März 2015, während dem die Barrikade entstand. Auf deren Spitze weht stolz das Banner der „Islamischen Bewegung der freien Männer Großsyriens“. Wegen dieses Sachverhalts wurden sogar Stimmen laut, die fragen, ob der Assad-Gegner Hal­bouni nicht vielleicht eine subversive islamistische Botschaft vor der prominentesten Kirche Dresdens platzieren wollte und sich nun angesichts seines gelungenen Coups kräftig ins Fäustchen lacht.    Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

Andreas Müller:
17.02.2017, 13:16 Uhr

DANKE!
an die paz, dass ihr dieses "Verschwörungstheorie" recherchiert habt!

In den Systemmedien, sprich Lügenpresse-fakenews wird das fanatisch zensiert und tot geschwiegen.
btw OB Dresden
Sind die Nachweise gerichtsfest erbracht, sollte gegen den OB eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung (gegen das Deutsche Volk, Dresdner Bürger) gestellt werden.


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