Geburtenexplosion vor der Haustür

Afrikas Bevölkerung wächst viel schneller als seine Wirtschaft, und die EU soll helfen

11.12.17
Nigers Bevölkerung ist selbst für afrikanische Verhältnisse jung und arm: Bauersfrau Hadjo Haruna (M.) mit einigen ihrer 100 Enkelkinder vor ihrer Hütte im Dorf Koygorou Bild: pa

Es sind alarmierende Zahlen. Bis 2050 wird sich die Bevölkerung Afrikas mehr als verdoppeln. „Dramatisch zunehmen“ könnte die Immigration aus Afrika, sagte der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Alle nüchternen Prognosen sehen düster aus. Nirgendwo sonst auf der Welt klaffen Wirtschaftskraft und Bevölkerungswachstum so weit auseinander. Gewaltige Konflikte sind programmiert.

Während das Wirtschaftswachstum im Afrika südlich der Sahara im vergangenen Jahr auf wenig mehr als ein Prozent und damit auf das niedrigste Niveau in 20 Jahren gefallen ist, wächst die Zahl der Menschen dort mit rund 2,7 Prozent derzeit rund doppelt so stark. Die Geburtenrate fällt, doch Experten der Vereinten Nationen erwarten, dass sich die Zahl der Einwohner in den Staaten des afrikanischen Kontinents dennoch bis 2050 auf 2,5 Milliarden verdoppeln wird. Bis zum Jahr 2100 werden demnach 40 Prozent aller Menschen, 4,5 Milliarden, in Afrika leben. „Afrika wird in den nächsten Jahrzehnten eine zentrale Rolle für die Größe und Verteilung der Weltbevölkerung spielen“, teilt die UN mit. Ein nachhaltiges Senken der Geburtenrate in Afrika werde sich nur mit mehr Familienplanung, besserer Bildung und einem Senken der Armut erreichen lassen.
Während Nigeria mit seinen rund 180 Millionen Menschen derzeit das einzige afrikanische Land unter den weltweit zehn bevölkerungsreichsten ist, werden nach Voraussage der UNO bis zum Jahr 2100 mindestens die Demokratische Republik Kongo, Tansania und Äthiopien dazukommen. Nigeria dürfte dann mit über 700 Millionen Menschen hinter Indien und China bereits auf Platz drei liegen.
Je mehr die Bevölkerung wächst, desto mehr junge Menschen brauchen Arbeit, das ist eine einfache Rechnung. „Desto mehr Münder müssen gestopft werden, desto mehr Afrikaner werden an eine Flucht nach Europa denken. Sich heute um die Bevölkerung von übermorgen zu sorgen, könnte für Europa langfristig einer der effektivsten Wege zur Bekämpfung von Fluchtursachen sein“, behauptet das Online-Portal des Nachrichtensenders NTV.
Besonders dramatisch ist die Lage in Niger. Dort besucht die Hälfte der Kinder nie eine Schule. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von 978 US-Dollar ist es selbst für afrikanische Verhältnisse besonders arm. Sein Präsident Mahamadou Issoufou schlug kürzlich Alarm: „Wenn wir unsere Jugend nicht ausbilden, für sie sorgen und ihnen Arbeitsplätze bieten können, wird sie zu einer Behinderung oder sogar einer Bedrohung für unseren sozialen Zusammenhalt und Wohlstand werden.“ Frauen gebären im Durchschnitt 7,5 Kinder, das ist die weltweit höchste Geburtenrate. Die Bevölkerung von rund 20 Millionen Menschen soll sich bis 2050 verdreifachen. Der Niger ist einer UN-Statistik zufolge nach dem Bürgerkriegsland Zentralafrikanische Republik das zweitärmste Land der Welt.
Eine neue „Flüchtlingskrise“ wie im Jahr 2015 will die EU unbedingt vermeiden. Viele Jahre lang konnten Immigranten auf dem Weg nach Europa ungehindert durch Niger reisen. Seit 2015 ist das gesetzlich verboten. Die Zahl der Durchreisenden sank stark: „Wir haben einen großen Erfolg erzielt. Früher waren es über 100000 Menschen pro Jahr, die Niger als Transitland nutzten. Heute sind es weniger als 20000. Aber um das festzuhalten: Wir machen das nicht wegen Europa. Wir haben eine ethische Pflicht, afrikanische Migranten zu beschützen. Es darf nicht sein, dass sie in der Wüste oder im Meer sterben. Daneben gibt es auch Sicherheitsinteressen. Denn auf dem Rückweg von Libyen nach Niger transportieren Menschenhändler Waffen“, sagte der Staatspräsident der Tageszeitung „Die Welt“.
In den anderen Sahel-Ländern Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso und Tschad sieht es nur wenig besser aus. Auch in Nigeria, dem mit 5867 Dollar BIP pro Kopf deutlich wohlhabenderen, und mit 190 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas, konnten 2015 in den nördlichen Regionen zwischen 54 und 75 Prozent der Frauen und 17 bis 48 Prozent der Männer nicht lesen und schreiben. Einerseits fehlt es besonders in den extrem armen Ländern wie Mali und Niger an finanziellen Möglichkeiten, andererseits halten es immer noch viele Eltern für überflüssig, ihre Kinder auf Schulen zu schicken. Dazu kommen schlecht organisierte öffentliche Bildungssysteme sowie Bürgerkriege und chaotische Verhältnisse.
Selbst Länder, die reich sind an Bodenschätzen, sind desorganisiert und/oder korrupt verwaltet und regiert, sodass die Einnahmen ausschließlich den wohlhabenden Eliten zukommen. „Bildung ist der zentrale Hebel, um einen sozioökonomischen Wandel einzuleiten und die Staaten südlich der Sahara auf einen positiven Entwicklungspfad zu bringen“, heißt es in einer UN-Studie.
Auch Nigers Präsident glaubt, dass die Bildung ein Schlüssel zur Krisenbewältigung sein wird. Er fordert ein noch stärkeres Engagement der EU. „Die hat viel gemacht, aber es fehlt noch immer an vielem. Erst wenn jeder zu essen und zu trinken hat, können wir die Leute ausbilden“, sagt er. Mit der Bildung müsste aber ein wirtschaftlicher Aufschwung einhergehen. Denn sobald die Menschen in der Lage sind, Medien zu konsumieren, werden sie merken, dass es in Europa besser ist als in der Heimat, heißt die wenig überraschende Erkenntnis der Vereinten Nationen. „Viele werden sich dann auf den Weg machen.“    Peter Entinger


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Kommentare

Udo Ratajczak:
17.12.2017, 00:23 Uhr

Es ist mir unverständlich, dass nicht endlich dafür gesorgt wird, dass diese "Karnickel Vermehrung" gebremst wird. Jeder Cent der für Brot für die Welt o.ä. gezahlt wird ist praktisch Schuld daran, dass zukünftig viel mehr arme Kinder verhungern werden. Das Geld sollte besser dafür verwendet werden, die mit einem gesegneten Sexualtrieb gesegneten Herren sterilisiert werden.


w. scholz:
12.12.2017, 22:02 Uhr

In den `60ern hat ein italienisches Planungsbüro das Projekt der Umleitung eines Großteils der nördlichen Konkozuflüsse in den Tschadsee weil damals schon abzusehen war, daß durch übermäßige Wasserentnahme der See verschwinden wird. Der Tschdsee war damals auch ein wichtiger Fischlieferant. Aber Nein für sinnvolle Projekte hatte der Westen noch nie viel übrig. Und so trocknete der See aus in dem Restwasser gibt es nur minimal Fische, der ausgedörrte Boden wird vom Winde verweht.
Aber die anderen Projekte liefen prima. Auf die Hilfe konnten fette Kredite aufgenommen werden, Diktatorenclans machen sich die Taschen voll und wenn das Volk aufmuckt verkaufen 'Wir' auch noch Waffen dorthin. Mich interessiert mal der 'Cashback', denn umsonst werden die Politiker das nicht so organiesiert haben. Daß auch in Afrika Entwicklungshilfe funktioniert sieht man an 'Menschen für Menschen'.
Das Projekt greifen die Chinesen auf, arbeiten mit den Italienern zusammen und haben schon Verträge mit den Staaten abgeschlossen. Das 'Projekt' läuft (an unserer Nase vorbei) Die Chinesen haben übrigens im Zentralafrikanischen Raum schon tausende Kilometer Schinen verlegt und die Wirtschaft dort kommt in die Gänge. Aber die dummen Chinesen, bauen zuerst Infrastruktur und dann Firmen - keine Ahnung haben die.


nekro monger:
11.12.2017, 15:38 Uhr

Die Eu, oder besser, die Europäer sind zu überhaupt nix verpflichtet.
Schon garnicht gegenüber den Afrikanern.
Wie viele Milliarden wurden schon in Afrika versenkt, ohne auch nur den geringsten Nutzen, ausser vielleicht die Bankkonten der korrupten Staatsoberhäupter zu füllen.
Der weisse Mann sollte endlich seinen Schuldkomplex überwinden, der ihm von der linksgrünversifften 68iger Bande seid Jahrzehnten eingeimpft worden ist und die Afrikaner sich selbst überlassen und Ruhe ist.


Peter Lohgruber:
11.12.2017, 07:41 Uhr

Jeder mit einem Funken Verstand sichert seine Lebensmittelvorräte im Keller, damit die Nager nicht darüber herfallen und sich explosionsartig vermehren. Diesen letzten Funken Verstand muß man unseren Altparteien absprechen.


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