Geschwätz von gestern

Schrill, sinnfrei, arrogant – wie Politiker 2015 den Bürgern die selbstverschuldete Asylkatastrophe erklärten

17.12.15
Im Zickzackkurs zwischen Entsetzen und Komik: CDU-Vize Julia Klöckner glaubt, dass die Asylkrise den Steuerzahler keinen Cent kosten wird Bild: action press

Das Jahr 2015 hat Deutschland als eine Nation zurück-gelassen, in der wenig so ist, wie es vordem einmal war. Angesichts Millionen Asylsuchender waren die Politiker als Krisenmanager gefragt. Sie versagten zumeist ebenso redselig wie kläglich. – Eine Auswahl der schlimmsten Sprüche und Stellungnahmen.


Die Asylkrise? Wo ist eigentlich das Problem? Der Steuerzahler müsse ja gar nicht für die Kosten aufkommen. „Der Bund hat gut gewirtschaftet“, verkündete Julia Klöckner am 27. Oktober via Internet-Nachrichtendienst. Der Landesvorsitzenden der CDU in Rheinland-Pfalz und ehemaligen Weinkönigin ist dabei möglicherweise entgangen, dass der Staat ausschließlich mit dem Geld seiner steuerzahlenden Bürger wirtschaftet. Praktisch jeden Cent, den er ausgibt, haben diese irgendwann einbezahlt.
Aber wer schert sich schon um solche Kleinigkeiten. „Wir schaffen das“, lautet die Parole. Kanzlerin Angela Merkel hat sie erstmals auf ihrer Sommerpressekonferenz am 31. August ausgegeben. Seitdem ist sie in vieler Munde. Bestürzend wenigen scheint dabei aufgegangen zu sein, wie sinnfrei sie ist. Mit einem markigen „Wir schaffen das“ auf den Lippen könnte auch eine Staffel Kamikazepiloten ihre Bomben ins Ziel lenken.
Sinnfrei war vieles, was Politiker im Jahr 2015 zum Besten gaben. Wie Julia Klöckner formulierten manche im Zickzackkurs zwischen Entsetzen und Komik. Lachkrampf und Weinkrampf lagen nah beieinander. Anderes erinnerte an absurdes Theater. Das Thema waren ausländische Zuwanderer in Millionenhöhe, und die Politiker redeten selbst als wären sie Fremde – nicht aus Syrien oder Afghanistan, sondern aus einer fernen Galaxie. Lichtjahre von den wirklichen Problemen der Deutschen entfernt. Sie redeten und verschwiegen doch das Wichtigste: Wie stellen sie sich Deutschlands Zukunft vor? Wie wollen sie die Bewohner dieses Landes schützen? Wie dessen kulturelle Identität bewahren und seine Sozialsysteme stabil halten?
Den richtigen Ton trafen sie bei all dem, was sie sagten, eigentlich nie. Schlimmer noch: Aus manchem ihren Sätze schien der Irrsinn schrill hervor zu lachen. Etwa, wenn Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, am 10. Oktober im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF verkündete, dass Deutschland unbedingt mehr Menschen brauche, die in unseren Sozialsystemen zuhause sind. Am 8 November, bei einem Kirchentreffen in Bremen verstieg sie sich zu der Aussage: „Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt!“
Unvergessen auch die Aktion von Bodo Ramelow am 7. September in Saalfeld. Der linke Ministerpräsident des Freistaates Thüringen eilte zum Bahnhof, um 570 ankommende Asylbewerber mit „Inschallah“ zu begrüßen. „Ich könnte weinen vor Freude“, sprach er danach sichtlich von sich selbst gerührt in die Mikrofone. Ob er auch nur einen Gedanken daran verschwendet hat, wie viele weitere Immigranten seine öffentlichkeitswirksame PR-Aktion nach Deutschland locken würde, nachdem sie sich weltweit über digitale Medien verbreitet hatte?
Aber, nun ja, Deutschland ist reich. Dann muss man eben etwas von seinem Wohlstand abgeben. Vom Verzicht sprachen viele. Besonders, wenn sie sich um den eigenen Besitzstand wenig Sorgen zu machen brauchten. „Deutschland und Europa müssen sich auf eine ganz neue Zeit einstellen. Unser Wohlstand und die Weise, in Frieden zu leben, werden sich ändern. So wie die Flüchtlinge ihre Lebensgewohnheiten ändern müssen, werden auch wir es tun müssen“, verkündete Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen, in einer Predigt im September. Ob der hohe geistliche Würdenträger, der in einem geleasten VW „Phaeton“ unterwegs ist und mit 11125 Euro brutto im Monat besoldet wird, selbst schon Asylbewerber bei sich aufgenommen hat, ist bislang unbekannt. Platz genug hätte er. Das Pfarrhaus, in dem er mietfrei wohnt, umfasst 220 Quadratmeter.
Wer sich an solchen Widersprüchen störte, dem wurde auch schon mal nahegelegt, das Weite zu suchen. Als sich der Präsident des hessischen Regierungsbezirks Kassel, Walter Lübcke (CDU), bei einer Bürgerversammlung in Lohfelden am 10. Oktober von allzu kritischen Fragern bedrängt sah – es ging um eine geplante Asylunterkünft – erklärte er: „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen – das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“
Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit und neuer Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, möchte man empfehlen, diesen Rat zu beherzigen. Für deutsche Staatsbürger jedenfalls hat er nur arrogante Verachtung übrig. Zur Masseneinwanderung von Asylsuchenden war sein Kommentar in einer Pressekonferenz im Oktober: „Das ist eine gute Bereicherung unserer Arbeitswelt und unserer Gesellschaft, dass da nicht überall ältere graue Herren durch die Gegend laufen und langsam mit dem Auto auf der Autobahn rumfahren, sondern das wird eine lebendige Gesellschaft.“
Vor allem droht eine zunehmend islamische Gesellschaft. Aber, wie gesagt, wo ist eigentlich das Problem? Die Kanzlerin jedenfalls hat wieder einmal mütterlichen Rat parat. Einer deutschen Frau, die sich bei einer Diskussionsrunde im schweizerischen Bern wegen der zunehmenden Islamisierung sorgte, empfahl sie, häufiger in die Kirche zu gehen.
Hilft wirklich nur noch beten? Armes Deutschland!
    Frank Horns


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Kommentare

Hanni Haberschreck:
28.12.2015, 08:53 Uhr

Der Spruch einer Leserin:
Liebe Asylanten!
Bleibt zu Hause, sonst geht es Euch eventuell wie uns Ostpreußen.
Nach der Flucht wurde unser Land auf andere Länder aufgeteilt (biblisch nennt man das auch "gefressen"). Dies haben die Politiker mit dem "Ewigkeitssiegel" bestätigt.
Wenn wir heute in unsere ehemalige Heimat fahren möchten, müssen wir hohe Visums- und Straßengebühren zahlen und fühlen uns dort aufgrund der fremden Sprache und Kultur wie im Ausland. Deutsch gibt es dort noch nicht mal mehr als 2. Amtssprache.
Liebe Asylanten, dass könnte auch mit eurem Land passieren. In Deutschland sagt man auch: "Weggegangen Platz vergangen". Wollt Ihr das wirklich?


Kurt Göpel:
18.12.2015, 18:02 Uhr

Es ist bedrückend, wenn man feststellt, wie sehr oben genannte "Politiker" ihre Wählerschaft hassen. Sie sollten diese Absonderung von Herrn Lübcke beherzigen und Deutschland verlassen.Vielleicht können wir dann neu anfangen!


Hans-Joachim Nehring:
18.12.2015, 17:58 Uhr

Es reicht nicht allein geistig minder bemittelt zu sein, man muss auch noch in die Politik gehen. So werden aus den vermeintlichen Schwächen ungeahnte Stärken. Was an Plattitüden, Worthülsen, Zumutungen und Fehlentscheidungen von deutschen Politgrößen 2015 verzapft wurde, hat mit Verantwortung und Vernunft nichts zu tun. Der deutsche Michel hat treu und doof geschuftet und wird nun um die Früchte seines Fleißes gebracht. Solche Politbonzen um Merkel und Gabriel braucht unser Land nicht.


Rudolf Best Jun.:
18.12.2015, 11:10 Uhr

Ich habe es bereits in meiner Kommentierung zum CDU Parteitag, der hier freundlicherweise eingestellt wurde, zum Ausdruck gebracht:
Ein sich Volkspartei nennender Club von enthemmten und völlig gewissenlosen Vorteilsnehmern am Vermögen des Volkes, vulgo auch Partei CDU genannt, leistet sich in seiner geballten Unfähigkeit zur Bewältigung aktueller Krisen, auch noch eine - sagen wir es einmal in aller Zurückhaltung - von allen guten Geistern verlassene Führerin. Wobei Deutschland mit solchen, in ideologischer Verbohrtheit irrlichternden, Figuren die schlechtesten aller möglichen Erfahrungen gemacht hat, was die CDU jedoch in keiner Weise irritiert und sie daran hindert die historischen Fehler zu wiederholen. Phrasendrusch, Schönfärberei, Gehirnwäsche, das Herunterbeten von Glaubensbekenntnissen, Führer(innen)kult und die Verbreitung von unsinnigsten Worthülsen als endgültige Wahrheiten, sind die Charakteristika von Sekten. Ja, auch die SED und die NSDAP waren Sekten und der Wahrheit nicht mehr zugänglich.
Das untige ist sicher nur ein bescheidener Ausriss der geballten, Frau Merkel offensichtlich innewohnenden, Leere? Man kann ja nicht ständig ihren, dem Wahnsinn verfallenen, Spin Doctor für all ihre Entgleisungen verantwortlich machen. Lesen Sie selbst:
(Die nachfolgende, bemerkenswerte Zitatensammlung 1-18 hat dankenswerterweise der Blogger “altmod” ins Netz gestellt, ihm mein Lob für die Enttarnung des in Worte gegossenen Jahrzehnts des Nichts der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.)
1. „Also, ähm, ich werde meinen Weg finden, auch mit den Sozialdemokraten zu sprechen, auch wenn sich das hier heute Abend wie im Wahlkampf weiter fortsetzt.” September 2005
2. „Ich bin tief beeindruckt und auch im Namen Deutschlands mit tiefer Scham erfüllt. Diese Beziehungen werden immer besondere Beziehungen in Erinnerung an die einzigartigen Vorgänge bleiben.“ Januar 2006
3. „In der Mitte sind wir und nur wir. Wir sind die Mitte. Wo wir sind, ist die Mitte“ Dezember 2007
4. „Es geht darum, daß von Seiten des Papstes sehr eindeutig festgestellt wird, daß es natürlich einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt geben muß“ Februar 2008
5. „Bayern steht da, wo der Bund hinwill“ Juli 2008
6. „Ich halte das Vorgehen für alternativlos.” Februar 2009
7. „Die Weltsicherheitskonferenz bedeutet eine fundamentale Weichenstellung.“ Februar 2009
8. „Wir sollten das Auto nicht zum Buhmann der Nation machen“ Juni 2009
9. „Ich verneige mich vor Ihnen, Deutschland verneigt sich vor Ihnen.“
April 2010 (bei einer Trauerfeier für in Afghanistan Gefallene)
10. „Die beschlossenen Hilfen sind alternativlos.“ Oktober 2010
11. „Wir haben es in der Hand, ob wir Kleinmütige oder Zauderer sind.“ November 2010
12. „Veränderte Verhältnisse verändern verändertes Handeln.“ November 2012
13. „Das Internet ist für uns alle Neuland, und es ermöglicht auch Feinden und Gegnern unserer demokratischen Grundordnung, mit völlig neuen Möglichkeiten und völlig neuen Herangehensweisen unsere Art zu leben in Gefahr zu bringen.“ Juni 2013
14. „Das Ausspähen von Freunden geht gar nicht.“ Oktober 2013
15. „Da habe ich mich fast noch einmal in den Arm gezwickt.“ Dezember 2014
16. „Alles, was noch nicht geschehen ist, ist Zukunft, wenn es nicht gerade jetzt ist.“ Sommer 2014
17. „Und dann ist doch die Aufgabe einfach, dass man so rangeht, dass man es schafft. Und dann kann man das auch schaffen. Ich habe überhaupt keinen Zweifel. Stellen Sie sich mal vor, wir würden jetzt alle miteinander erklären, wir schaffen’s nicht. Und dann?“ Oktober 2015
18. „Man bekommt beim Schweigen ganz gut ein Maß für die Zeit.” Frühjahr 2007
Wie dumm muss ein Staatsvolk und eine Partei sein, die sich eine solche Staatsfrau zur Führerin wählen? Sehr, sehr dumm. Es tut mir leid, das so schonungslos sagen zu müssen.


Helmut Josef Weber:
17.12.2015, 07:05 Uhr

Mann kann nur mit den Leuten so sprechen/reden, wie es ihre Intelligenz zulässt.
Auch Versprechungen werden je nach Bildungsgrad anders verarbeitet.
Einem Volk, von dem vielleicht 20% dem Einbürgerungstest bestehen würden, den Ausländer ablegen müssen, wenn sie Deutscher werden wollen, kann man alles auftischen.
Aber dies Menschen dürfen wählen.
Gegenfrage:
Welches Ereignis, dass uns als positiv angekündigt worden ist, ist auch eingetreten, ohne das dafür die Statisten gefälscht werden mussten?

Viele Grüße
H. J. Weber


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