Große Pläne für Preußens Erbe

Bund, Berlin und Brandenburg geben 400 Millionen Euro für weiteres Sanierungsprogramm

14.01.18
Bislang nur eine Attrappe aus Kunststoffplanen: Schinkels Bau­akademie (l.) hinter dem Denkmal des legendären Architekten und neben der Friedrichswerderschen Kirche (r.) im Herzen Berlins soll nun endlich neu erstehen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) beginnt in diesem Jahr ein ehrgeiziges Sanierungsprogramm. Bis zum Jahr 2030 sollen 400 Millionen Euro in die Erhaltung historischer Bauwerke fließen. Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) hat im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau von Schinkels Bauakademie nun einen interessanten Vorschlag gemacht.

SPK-Präsident Hermann Parzinger gab vor Kurzem die Anregung, seine Stiftung in das Projekt des Wiederaufbaus der Berliner Bauakademie einzubeziehen. Parzinger wies darauf hin, dass die Einrichtungen der Stiftung über den gesamten Nachlass des Architekten Friedrich Schinkel, der den Akademiebau einst entwarf, sowie auch eine bedeutende Architektursammlung verfügt.
Für die Einbindung von Deutschlands wichtigster und größter Kulturinstitution beim Wiederaufbau der Bauakademie spricht noch ein anderer Umstand: Zur SPK gehören unter anderem auch die weltweit bekannten Sammlungen auf der Berliner Museumsinsel in unmittelbarer Nähe des Standorts der Bauakademie.
Über den Wiederaufbau des 1962 auf Geheiß der DDR-Führung abgerissenen Gebäudes am Werderschen Markt wird mittlerweile seit über zwei Jahrzehnten diskutiert. Der 1836 fertiggestellte Ziegelbau gilt nicht nur als ein Meisterwerk des preußischen Hofbaumeisters Karl Friedrich Schinkel, sondern sogar als ein Meilenstein der europäischen Baugeschichte und als Prototyp für das moderne Bauen. Nach derzeitigem Stand könnte das Gebäude bis 2023 wiederaufgebaut werden. Bereits im vergangen Jahr hatte der Bundestag für den Wiederaufbau
62 Millionen Euro bereitgestellt.
Der Bund spielt als Geldgeber auch bei einem ehrgeizigen Vorhaben der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten eine wichtige Rolle. Die Schlösserstiftung hat bis Ende 2017 ein erstes Sanierungsprogramm im Volumen von über 150 Millionen Euro abgeschlossen. In einer zweiten Stufe hat nun ein noch größeres Sanierungsprogramm begonnen.
Grundlage ist ein Sonderinvestitionsprogramm, für das der Bund und die Länder Brandenburg und Berlin 400 Millionen Euro aufbringen werden (die PAZ berichtete in
Nr. 41/2017). Mit dem Geld soll unter anderem das stark sanierungsbedürftige Schloss auf der Pfaueninsel generalüberholt werden. Auf der Liste stehen insgesamt rund 60 Projekte, darunter auch Arbeiten am Park Glienicke, am Schloss Charlottenburg und eine Sanierung des Logierhauses in Caputh. In das Sanierungsprogramm aufgenommen wurde zudem das Schloss Babelsberg.
Dabei handelt es sich um einen Bau mit gotischen Formen, der ebenfalls auf Planungen Friedrich Schinkels zurückgeht. Die Schlösserstiftung hat im vergangenen Jahr bereits Fenster, Dach und Fassade saniert. Für die Ausstellung „Pückler. Babelsberg. Der grüne Fürst und die Kaiserin“ war das Schloss im vergangenen Jahr für einige Monate für Besucher geöffnet.
Die Öffentlichkeit wird sich nun  allerdings gedulden müssen, bis sie die Räume in Babelsberg wieder in Augenschein nehmen kann: Das Schloss hat es nicht auf die Prioritätenliste des  anlaufenden Sanierungsprogramms geschafft. Die Restaurierung des Schossinneren soll offenbar erst 2022 beginnen. Ein genauer Termin für eine Wiedereröffnung ist daher noch nicht bekannt.
Langfristig verfolgt die Stiftung mit dem Schloss allerdings einen ehrgeizigen Plan: Laut Hartmut Dorgerloh, dem Generaldirektor der Schlösserstiftung, soll Babelsberg künftig zum zentralen Ausstellungsort werden, an dem die Entwicklung von Brandenburg-Preußen zum Deutschen Reich dargestellt wird. Der Ort scheint dafür geschaffen: Schloss Babelsberg wurde  Mitte des 19. Jahrhunderts als Kronprinzenschloss für Wilhelm I. errichtet. Dort fand am 22. September 1862 das entscheidende Gespräch zwischen dem König und späteren Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck statt. Das Treffen endet mit der Ernennung Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten und Außenminister.
Ebenso interessant wie die Pläne für das Babelsberger Schloss ist ein anderes Projekt der Schlösserstiftung: Zum Ende dieses Jahres will die SPSG mit den Vorbereitungen für eine einzigartige Austellung beginnen. Als Leihgabe soll die ostpreußische Sammlung Dohna-Schlobitten für zehn Jahre ins Land Brandenburg kommen und im Renaissanceschloss Doberlug (Kreis Elbe-Elster) ausgestellt werden.
Bislang waren nur einzelne Exponate der 1978 von der Deutschen Klassenlotterie angekauften Sammlung zu sehen, die aus dem Inventar des Schlosses Schlobitten in Ostpreußen besteht. Die Sammlung umfasst mehr als 1000 Objekte, darunter wertvolle Gemälde, Grafiken und Möbelstücke.
Alexander Fürst zu Dohna-Schlobitten war es gelungen, einen Großteil der Kunstsammlung kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges aus Ostpreußen zu evakuieren. Die Planungen der Schlösserstiftung sehen vor, ab 2019 im Rahmen einer Sonderausstellung zunächst Einzelstücke zu zeigen. Ab dem Jahr 2021 soll die Sammlung Dohna-Schlobitten dann in einer Dauerausstellung zu sehen sein.
    Norman Hanert


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Kommentare

Hein Gutfried:
15.01.2018, 20:20 Uhr

Große Pläne wären groß, wenn sie auch Engagement in Königsberg und Tilsit beinhalten. Es gäbe genug zu tun und wenn es nur Leuchttürme für die Zukunft sind.


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