Historisches Areal wird erweckt

Der ehemalige Reichssportflughafen Rangsdorf bei Berlin: Wohnen an geschichtsträchtigem Ort

15.04.18
Rangsdorf fungierte sogar für kurze Zeit als Berlins internationaler Flughafen: Kontrollturm der ehemaligen Bücker-Flugzeugbau Bild: CF

Der ehemalige Flugplatz Rangsdorf ist verbunden mit Namen wie Heinz Rühmann, Beate Uhse und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Nach Jahrzehnten des Verfalls könnte das ehemalige Gelände des Reichssportflughafens und der Bücker-Flugzeugbau bald zu neuem Leben erwachen.

Dem Land Brandenburg als Eigentümerin des weiträumigen Areals ist es nun offenbar gelungen, einen Kaufinteressenten zu finden. Laut Medienberichten liegt ein unterschriftsreifer Kaufvertrag mit einer Nürnberger Firma vor, die sich auf denkmalgeschützte Immobilien spezialisiert hat.
Im Gespräch ist nun, den ehemaligen Flugplatz bei Rangsdorf südlich von Berlin zu einem Wohngebiet mit 350 Wohnungen umzugestalten. Dabei sollen die denkmalgeschützten Hallen auf dem Gelände erhalten bleiben. Gemeinsam mit der Gemeinde Rangsdorf soll zudem ein Sportzentrum entwi­ckelt werden.
Sollte es gelingen, diesen Plan tatsächlich umzusetzen, dann werden die künftigen Bewohner an einem geschichtsträchtigen Ort leben: Das Areal war einst Heimat des anlässlich der Olympischen Spiele 1936 eröffnet Reichssportflughafens. Der ebenfalls in Rangsdorf ansässige Aero Club Deutschland war Treffpunkt der Berliner Prominenz. Die Nähe des Rangsdorfer Sees machte eine Besonderheit möglich: Rangsdorf war ein Flugplatz, der auch von Wasserflugzeugen angeflogen werden konnte. Zudem war hier der Bücker-Flugzeugbau angesiedelt. Die Industrieanlage des Flugzeugherstellers, der sich auf Sport- und Schulungsflugzeuge spezialisiert hatte, ist nahezu komplett erhalten. Die Sport- und Schulflugzeuge mit Namen wie Bü 131 „Jungmann“ und Bü 133 „Jungmeister“ haben bis heute unter Fliegern einen guten Ruf.
Der nur mit einer Grasnarbe versehene Flugplatz blieb bis 1945 Werksflugplatz des Bücker-Werks. An der Reichssportfliegerschule Rangsdorf lernte Beate Köstlin, nach ihrer Verheiratung dann Beate Uhse, das Fliegen. Uhse, die nach dem Krieg den bekannten Erotik-Konzern aufbaute, arbeitete in Rangsdorf für die Bücker-Werke als Einfliegerin.
Auch andere prominente Namen stehen in Verbindung mit dem Ort. So war die Me 108 „Taifun“ der Fliegerlegende Elly Beinhorn in den 30er Jahren in Rangsdorf stationiert. Beinhorns Ehemann, der bekannte Rennfahrer Bernd Rosemeyer, lernte in der dortigen Sportfliegerschule das Fliegen. Auch der UFA-Schauspieler Heinz Rühmann war ein begeisterter Flieger und nutze den Flugplatz südlich von Berlin.
Für eine kurze Zeit, von Oktober 1939 bis März 1940, diente Rangsdorf sogar als Ersatz für den Berliner Flughafen Tempelhof. Anlass waren Befürchtungen, Tempelhof könnte das Ziel von Bombenangriffen werden. Flieger der Deutschen Lufthansa verbanden damals Rangsdorf mit München, Rom, Prag, Wien, Bukarest, Athen und Istanbul, Kopenhagen und Stockholm sowie Danzig und Königsberg. Im Januar 1940 kam ein Linienverkehr zwischen Rangsdorf und Mos­kau hinzu.
Ein Gedenkstein am ehemaligen Flugplatzgelände erinnert daran, dass der Ort auch im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 eine Rolle spielte. Von hier aus startete Claus Schenk Graf von Stauffenberg am Morgen des 20. Juli zu seinem Flug nach Rastenburg in Ostpreußen. Nach dem Attentat auf Hitler landete Oberst von Stauffenberg am Nachmittag des Tages auch wieder in Rangsdorf, um von hier aus zu seinen Mitverschwörern im Berliner Bendlerblock zu fahren.
Am 22. April 1945 besetzten sowjetische Truppen das Areal. Die Sowjetarmee machte den Flugplatz für über ein halbes Jahrhundert zum Sperrgebiet und stationierte hier unter anderem eine Instandhaltungseinheit für Flugzeuge, später für Hubschrauber.
Seit dem Abzug der Sowjets 1994 verfielen die noch erhaltenen Anlagen. Mehrere Versuche, das 200 Hektar große Grundstück zu verkaufen, sind gescheitert. Für Aufsehen sorgten Pläne eines polnischen Unternehmens, das Anfang der 2000er Jahre in einer der noch funktionstüchtigen Hallen des ehemaligen Bücker-Werkes die Fertigung der Bü 131 „Jungmann“ wieder aufnehmen wollte. Das Vorhaben scheiterte jedoch am Widerstand von Anwohnern, die sich gegen eine industrielle Nutzung des Areals wendeten.
Für viele weitere Interessenten stellte bislang der Denkmalschutz ein Hindernis dar. Auch die Auflage, dass das ehemalige Flugfeld nicht asphaltiert werden darf, schreckte Investoren ab. Die Gemeinde Rangsdorf hatte im vergangenen Jahr sogar das Land Brandenburg gebeten, den Denkmalschutz für die Anlage wieder aufzuheben.
Der nun gefundene Kaufinteressent, die Nürnberger Immobilienfirma Terraplan, könnte sich für das Areal als neue Chance herausstellen. Das Unternehmen hat in Berlin und Potsdam bereits eine Reihe von Industriebauten zu Wohnhäusern umgestaltet. In Elstal (Havelland) hat die Firma einen Teil des insgesamt 55 Hektar großen Geländes des ehemaligen Olympischen Dorfes von 1936 erworben. Dort sollen Wohnungen für etwa 500 Menschen entstehen.      Norman Hanert


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Kommentare

Heinrich Klaubermann:
17.04.2018, 23:05 Uhr

Intzersante Aussichten. Wird es auch die obligatorische Gedenktafel für irgendetwas dort Vorgekommenes geben?


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