Hollywood in Hysterie

Schauspielstars nutzen ihre Prominenz aus, um Stimmung gegen den neuen Präsidenten zu machen – Nebenwirkungen garantiert

20.02.17
Stars singen gegen Trump: Sängerinnen Natalie Merchant und Cher (an den Mikrofonen) sowie Schauspieler Mark Ruffalo (rechts dahinter) bei einer Anti-Trump-Demo in New York Bild: action press

Hollywood-Stars und US-Medien hetzen gegen Donald Trump. Aber nicht nur aus politischer Überzeugung. Die Branche profitiert nämlich ganz gut davon.

Die Oscar-Verleihung am 26. Fe­bruar könnte die politischste aller Zeiten werden. Das liegt nicht nur an dem möglichen Kampf „weiß“ gegen „schwarz“ – man erwartet einen Zweikampf um die meisten Trophäen zwischen dem „weißen Musical“ „La La Land“ und dem von Schwarzen geprägten Melodram „Moonlight“ –, sondern auch an Donald Trump. Viele Preisträger werden womöglich ihre Dankesreden dazu missbrauchen, ihre politische Gesinnung gegen Trump zum Ausdruck zu bringen.
Einen Vorgeschmack auf das, was kommen mag, lieferte schon Schauspiel-Ikone Meryl Streep bei den Golden Globes im Januar. Unter Tränen, wie Schauspieler das eben gekonnt machen, sagte sie mit Hinblick auf den neuen Präsidenten: „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle.“ Als Trump die dreifache Oscar-Preisträgerin als die am meisten überschätzte Schauspielerin Hollywoods be­zeichnete, legte sie kürzlich erneut eine tränenreiche Anti-Trump-Rede bei der Gala einer Menschenrechtsorganisation hin.
Nicht nur Streep, die im Sommer vergangenen Jahres noch mit Trump-Perücke den damaligen Präsidentschaftskandidaten parodiert hatte, ist das Lachen nach dessen Wahl gründlich vergangen. Das gesamte linksliberal gesinnte Hollywood befindet sich gegenwärtig in einer Art gespielter Dauerdepression. Schon vor der Wahl nutzten Stars wie Robert Downey jr., Mark Ruffalo, George Clooney, Julianne Moore oder Scarlett Johansson ihre Popularität, um gegen Trump Stimmung zu ma­chen. Zu dessen Amtseinführung sagten Stars wie Andrea Bocelli, Elton John und Celine Dion demonstrativ ab. Stattdessen sang eine 16-jährige B-Prominente aus einer TV-Talentshow die Nationalhymne. Bei Barack Oba­ma tat es zuletzt Weltstar Beyoncé. Beim Anti-Trump-Marsch der Frauen in Wa­shington tat sich Sängerin Madonna als Rednerin hervor: „Das Gute hat nicht die Wahl gewonnen, aber das Gute wird am Ende gewinnen“, sprach sie in heroischer Manier. Auch in New York taten sich Ro­bert de Niro und Alec Baldwin als Redner bei einer Demo gegen Trump hervor.
In den bunten Blättern wurde ein Streit um Trump zum Zickenkrieg er­klärt, nachdem die aus Barbados stammende Sängerin Rihanna den Präsidenten als „unmoralisches Schwein“ beleidigte und ihre schwarze US-Kollegin Azealia Banks sie davor warnte, die Öffentlichkeit mit solchen Worten aufzuwiegeln und ihr riet, „die Klappe zu halten“.
Tatsächlich gibt es sie, die namhaften Trump-Unterstützer aus der Unterhaltungsindustrie, die angesichts des linksliberalen Dauerbeschusses lieber in Deckung gehen, so etwa die Schauspieler Clint Eastwood und Jon Voight oder der schwarze Rapper Kanye West, der Trump nach der Wahl zum Präsidenten in dessen New Yorker Trump-Tower sogar einen Besuch abgestattet hatte.
Kühlen Kopf bewahrten ausgerechnet Stars mit Immigrationshintergrund. Die aus Australien stammende Nicole Kidman rief dazu auf, „als Land denjenigen zu unterstützen, der Präsident ist“. Und die aus der Karibik eingewanderte Zoe Saldana sagte: „Wir sind eingebildet und arrogant geworden, und wir haben eine Hetzjagd veranstaltet.“
Damit dürfte sie den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Das arrogant-liberale Amerika, das seinen Mittelpunkt in der Broadway-Metropole New York und in der Kino-Hauptstadt Los Angeles hat, steht unter Schock, seitdem nicht dessen Idol Hillary Clinton ins Weiße Haus eingezogen ist.
Dass es auch noch ein anderes Amerika jenseits der Vorstellungswelt der Reichen und Schönen gibt, ist den Stars, die in diesem Biotop na­mens Hollywood le­ben, wenig be­wusst. Wer von ihnen verirrt sich schon in das nur wenige Kilometer entfernte South Central von Los Angeles? Es ist die Gegenwelt des schönen Scheins. Im Vergleich zu den einbruchssicheren Luxusbunkern der Stars von Beverly Hills, Santa Mo­nica oder Malibu herrschen hier Dritte-Welt-Verhältnisse. Hier gab es 1992 Rassenausschreitungen mit über 50 Toten. Hier le­ben die Menschen, die keine prominente Stimme ha­ben, die nur auf ei­nen Messias warten, welcher der sozialen Ungleichheit ein Ende bereitet und der verspricht, dass Amerika „great again“ wird. Mit über 30000 Ob­dachlosen gibt es allein in Los Angeles fast so viele wie in ganz Deutschland. Die Spaltung von Arm und Reich wird sich indes nur vertiefen, wenn Stars ihre Prominenz ausnutzen, um gegen einen gewählten Präsidenten zu hetzen, damit sie ihre privilegierte Stellung nicht aufgeben müssen.
Aber man hat auch nichts dabei zu verlieren. Kaum ein Trump-Wähler wird einen Film mit Meryl Streep boykottieren, nur weil sie Trump hasst. In der liberal geprägten US-Filmindustrie profitiert sogar derjenige, der den noch dem alten Establishment verhafteten Bossen nach dem Munde redet. Wer im elitären linkslastigen Zirkel der Filmwelt diesem Gruppendruck nachgibt, ist reif für neue Engagements.
So paradox es ist, aber insofern sind die Trump-Gegner die ersten Gewinner unter seiner Präsidentschaft. Nicht nur die Trump-kritische Medien wie die „New York Times“ jubeln über steigende Auflagen, seitdem Trump an der Macht ist. Wer nur den Namen Trump ausspricht, sorgt für Aufsehen und Einschaltquoten. George Orwells Utopie „1984“ und Sinclair Lewis’ 1935 erschienener Roman „Das ist bei uns nicht möglich“ mit dem Szenario eines faschistisches Staates und dem Aufstieg eines an Trump erin­nernden Diktators erleben plötzlich neue Auflagenrekorde. So sorgt Trump allein durch seine Präsenz für den von ihm versprochenen Aufschwung.
Einzig Trumps Parteifreunde profitieren nicht davon. So gehen die Quoten der TV-Reality-Show „Celebrity Apprentice“ in den Keller, seitdem Arnold Schwar­zen­egger die Moderation von Trump übernommen hat. Nachdem dieser deswegen per Twitter gegen „Arnie“ gestichelt hatte, konterte dieser: „Hey Do­nald, ich habe eine großartige Idee. Warum tauschen wir nicht einfach unsere Jobs?“ Der republikanische Ex-Gouverneur von Kalifornien träumt schon lange davon, US-Präsident zu werden, was ihm als österreichischen Einwanderer per Verfassung allerdings verwehrt bleibt. Aber Trump könnte das ja per Dekret ändern.    Harald Tews


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Kommentare

H. Schinkel:
20.02.2017, 00:54 Uhr

Diese Stimmungsmache der Promis sind der Gipfel der Heuchelei. Speziell wenn es um die Mauer zu Mexiko geht. Wohnen diese Stars nicht hinter meterhohen Mauern mit eigenen Sicherheitsdienst? Da kann man natürlich von oben herab "Probleme" anprangern.


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