Ideologischer Wahnsinn an deutschen Unis

Wie Vernunft und Aufklärung mit Füßen getreten und Zwangsbeiträge der Studentenschaft missbraucht werden

30.06.17

Der Lärm im Hörsaal 1115 der Humboldt-Universität zu Berlin war nachgerade ohrenbetäubend: Während Professor Malte Brinkmann verzweifelt versuchte, seine Vorlesung zum Thema „Grundbegriffe und Theorien pädagogischen Denkens und Handelns“ zu halten, brüllten ihn Grüppchen von Studenten derart aggressiv nieder, dass schließlich die Polizei anrücken musste, um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Die Ursache für den Tumult? Nun, der Erziehungswissenschaftler Brinkmann hatte es doch tatsächlich gewagt, über Aussagen von Immanuel Kant, Wilhelm von Humboldt und Jean-Jacques Rousseau zu dozieren, obwohl dieselbigen Gelehrten nach Ansicht der studentischen Initiative „Wissen gegen Ignoranz“ für „rassistische Ansichten“ aus „einer eurozentristischen weißen Perspektive“ stehen.

Dieser Vorfall ist symptomatisch für unser derzeitiges Hochschulwesen und die Zustände an der Humboldt-Universität. Letztere resultieren in erheblichem Maße aus dem unseligen Wirken von „Wissenschaftlern“ vom Schlage der fanatischen Gender-Forscherin Antje Hornscheidt (siehe PAZ Nr. 5/2015), auf die sich die Protestler auch ganz explizit beriefen. Hornscheidt hat ihren Vornamen durch das „geschlechtsneutrale“ Konstrukt „Lann“ ersetzt und will mit dem Titel „Professx“ angesprochen werden. Außerdem verbreitete sie über die Internetseite Xart splitta holprige Aufrufe an alle Studenten, „treffen zu organisieren, um sich zu überlegen, wie x in veranstaltungen gut eingreifen oder unwohlsein zur schau stellen kann oder kollektiv stören kann, damit z.b. öffentliche vorlesungen verhindern.“
Aufgrund dieser unheiligen Allianz zwischen studentischen und professoralen Wirrköpfen ist in Berlin dann auch der Ruf nach einer Umbenennung der Humboldt-Universität laut geworden. Es sei unerträglich, dass die Hochschule immer noch einen Namen trage, der an zwei privilegierte weiße Männer – nämlich die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt – erinnere. Und solcherart Irrsinn ist keineswegs auf die Bundeshauptstadt beschränkt, wie das Beispiel der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald zeigt. Dort beschloss der Akademische Senat auf maßgebliche Initiative einiger linksradikaler Aktivisten, dass die wissenschaftliche Einrichtung nicht mehr nach dem antinapoleonischen Freiheitskämpfer und deutschen Patrioten benannt sein solle.
Die schlimmsten Hassgegner der wild drauflos politisierenden „Studierenden“ – das angeblich „sexistische“ Wort „Student“ ist längst verpönt – sind freilich die „Rechten“ von heute, darunter natürlich auch jene in der Alternative für Deutschland (AfD). Davon zeugen unter anderem die Ausschreitungen an der Universität Magdeburg, als der Neurobiologe Professor Gerald Wolf auf Einladung der AfD-Hochschulgruppe „Campus Alternative“ einen Vortrag im Rahmen der Veranstaltung „Gender an der Uni!? Zeitvertreib für Leute ohne Probleme“ halten wollte. Das Ganze endete in Böllerexplosionen sowie Tätlichkeiten gegen den Referenten und die AfD-Gruppe.
Hinter derartigen Krawallen, auf welche die Universitätsleitungen entweder knieweich beziehungsweise gar nicht oder wie im Falle Magdeburgs sogar offen zustimmend zu reagieren pflegen, stecken zumeist der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der jeweiligen Hochschule oder sogenannte „Autonome Referate“ für Antirassismus, Feminismus sowie Lesben, Schwule und was es sonst noch alles an sexuellen Orientierungen gibt. Dabei vertreten diese Gremien freilich bloß eine absolute Minderheit des akademischen Nachwuchses. So beteiligten sich beispielsweise im vorigen Jahr ganze 1468 von 20147 „Studierenden“ der Bergischen Universität Wuppertal an der Wahl des AStA. Und der betrieb dann auch sogleich extreme Klientelpolitik, indem er Geld für Gratis-Tampons zur Verfügung stellte, die jenen menstruierenden trans- und intersexuellen Individuen von Nutzen sein sollten, welche es eher auf die Herren-Toiletten der Alma Mater zieht.
Wes Geistes Kind AStA-Funktionäre meistens sind, zeigt darüber hinaus deren enge Kooperation und ideologische Verbundenheit mit örtlichen Antifa-Gruppen und anderen Linksextremisten. Symbol dessen ist unter anderem das Logo des AStA der Technischen Universität Berlin. Dieses sieht dem Symbol der terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) ganz sicher nicht zufällig zum Verwechseln ähnlich. Des Weiteren sei auf die zahlreichen Solidaritätsbekundungen an die Adresse von Globalisierungsgegnern, Asylbewerbern und Islamsympathisanten verwiesen.
Dabei ist es den gewählten Studentenvertretern durch den Paragraphen 41 des Hochschulrahmengesetzes eigentlich klipp und klar untersagt, in allgemeinpolitischer Hinsicht aktiv zu werden – ihre Tätigkeit soll sich auf die „Wahrnehmung hochschulpolitischer, sozialer und kultureller Belange der Studierenden“ beschränken. Allerdings ignorieren die Ausschüsse diese Vorgabe in aller Regel. Das gleiche gilt für das Gebot des sparsamen Umgangs mit studentischen Geldern. Die AStA bekommen nämlich reichlich Finanzmittel zur Verfügung gestellt, die aus den semesterweisen Zwangsabgaben aller immatrikulierten Nachwuchsakademiker stammen – im Prinzip handelt es sich hier um das gleiche kleptokratische Modell wie beim Rundfunkbeitrag, der vom ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice eingezogen wird. Auf diese Weise kommen an den größeren Universitäten beachtliche Summen zum Verpulvern zusammen. Im Beispielfall Wuppertal sind das 700000 Euro im Jahr. Dabei findet die Kontrolle des Finanzgebarens der AStA-Mitglieder durch die Landesrechnungshöfe meist nur in der Theorie statt.
Und das wiederum ermöglicht Ausgaben, die direkt aus der bizarren Ideologie der angeblichen gesellschaftlichen Elite von morgen resultieren. So bezuschusste der AStA der TU Berlin die Reise zweier Kommilitoninnen zum „5. Treffen latein/südamerikanisch/karibischer feministischer Lesben“ in Rio de Janeiro, während die Kollegen von der Humboldt-Universität drei ehemaligen Bürgerkriegskämpferinnen aus Guatemala eine ausgedehnte Rundreise durch Deutschland finanzierten. Den Vogel schossen aber die Studentenvertreter der TU Braunschweig und der Ruhr-Universität Bochum ab. Im ersteren Falle floss Geld für ein Wochenendseminar der „Arbeitsgruppe Frau und Gesundheit“. In dessen Verlauf sollten die Teilnehmerinnen unter anderem die weibliche Ejakulation entdecken. Und das zum absoluten Schnäppchenpreis von nur 500 Euro pro Person. Dahingegen wollten es die Aktivistinnen vom „FrauenLesbenreferat“ des Bochumer AStA etwas härter. Deshalb organisierten und bezahlten sie den sadomasochistischen „Workshop“ mit der Fessel-Expertin „Madame Apart“ aus Dortmund – für jede diesbezüglich weiterbildungswillige Studentin fielen dabei 330 Euro an.
Angesichts derartiger Zustände in den akademischen Kaderschmieden unseres Landes spotten nun einige Kritiker mit Blick auf die Allgemeinen Studierendenausschüsse, welch Segen es doch sei, dass die deutsche Sprache für Gremien solcher Art haargenau das gleiche Wort vorsehe, wie für Dinge, die wegen ihrer Unbrauchbarkeit auf den Müll gehören.    
    Wolfgang Kaufmann


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Hans-Peter Hammer:
19.07.2017, 17:04 Uhr

@ Christian R.
Bei "Gender&Gedöns" ists wie mit der Mengenlehre! Einst in D erfunden (hier Frankfurter Schule, denn deren Denken steckt dahinter), wanderte es in die USA aus (wenn auch in dem Fall nicht freiwillig; Zeit jenes A.H.!) und kehrt dann nach Hause zurück!
Unterschied zur Mengenlehre: die wollte auch in den USA keiner!


Christian R.:
3.07.2017, 12:14 Uhr

Oh Gott, oh Gott !!! Ich frage mich ob sich nicht sogar so mancher der einstigen Studentenaktivisten der 60er Jahre im Grabe umdrehen würden bei diesem Kukoloris. Als gäbe es nichts wichtigeres und dringenderes auf der Welt.

Ein nicht unerheblicher Teil der Wichtigtuerei von Trans-weiblein-männlein kommt, wie so oft, aus den USA. Man schaue mal im Netz unter "gender pronouns" nach. Es ist jetzt schon üblich an so manchen staatlichen Unis in den USA dass sich neue Studenten mit ihrem selbst gewählten Geschlecht vorstellen und was für ein "Gender Pronoun" sie nicht nur bevorzugen sondern verlangen !

Das ist nicht nur Sprachverstümmelung sondern geradezu Sprachdiktatur. Denn WEHE jemand vergisst was das richtige gender pronoun der jeweiligen Person ist ! Dann hat man das Recht von der so zum Opfer gemachten Person ganz kräftig des Sexismus bezichtigt zu werden.

Auf einer solchen Internetseite zum Thema "gender pronouns" steht:
"When someone is referred to with the wrong pronoun, it can make them feel disrespected, invalidated, dismissed, alienated, or dysphoric (or, often, all of the above.)".

Ja, wer andauernd nur wartet darauf Opfer zu sein, der macht sich zum Opfer seiner selbst.

Ich wette dieser absolute Wahnsinn kommt auch noch zu uns. Nur eine Frage der Zeit.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.