Jeder für sich

Euro-Krise wird unlösbar: Politiker wollen jetzt nur noch ihr »Gesicht wahren«

22.02.17
Die Verantwortlichen scheinen gar nicht mehr versuchen zu wollen, ihn zu stoppen: Der große Strudel Bild: Colourbox

Die Attacken auf Trump oder Putin sollen nur ablenken. Die EU zerreibt sich an selbst gemachten Problemen.


Angesichts der neuen Machtverhältnisse in Washington und der Unwägbarkeiten aus Moskau müsse die Europäische Union nun noch enger zusammenhalten. So schallt es von den Führern aller etablierten Parteien in Berlin.
Allein: So laut der Ruf, so dürftig das Echo. Die frühzeitige Ankündigung von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, keine zweite Amtszeit anzustreben, deutet auf eine tiefe Entmutigung an der Spitze der EU hin. Schließlich endet seine Amtszeit erst 2019.
In Wahrheit steckt hinter dem Hinweis auf die „Herausforderungen“ aus Übersee und Russland der Versuch, den rapiden Verlust an innerer Festigkeit der EU per Mobilisierung gegen außen zu überspielen. Schon diesen Sommer könnte die Union mit aller Macht auf ihre selbstgemachten Fehler zurückgeworfen werden, wenn die Griechenlandkrise ihrem nächsten Höhepunkt entgegen trudelt (die PAZ berichtete).
Im Moment spreizen die Kontrahenten in Brüssel, Athen und anderen EU-Hauptstädten noch die Federn und demonstrieren ihre Standhaftigkeit auf ihren jeweiligen Positionen. So auch Berlin, wo Finanzminister Schäuble erneut den „Grexit“ ventiliert. Und sogar München schlägt die Trommel: Bayerns Finanzminister Markus Söder fordert, die Griechen sollten neue Hilfen nur gegen Pfand „in Form von Bargeld, Gold oder Immobilien“ erhalten.
Woher soll Athen das alles nehmen? So begründet Söders Forderung erscheint, so richtig auch Schäubles Vorstoß zum Grexit sein mag: Es darf schon heute als sicher gelten, dass aus alldem nichts werden wird. Stattdessen werden die Beteiligten abermals einen faulen Kompromiss suchen und finden.
Einen Kompromiss, der nichts löst, nur alles auf eine noch längere Bank schiebt in der Hoffnung, die Bank möge endlos sein. Das ist sie aber nicht: Jede Fehlentwicklung entlädt sich irgendwann in einer „Klärung“, die zum Knall wird, wenn die Entwicklung nur lange genug hingeschleppt worden ist.
Hieran, und weder an Trump noch an Putin noch an den „Populisten“, kann die EU scheitern. Die Verantwortlichen scheinen gar nicht mehr gewillt zu sein, dem Niedergang Einhalt zu gebieten, wie der Fall Griechenlands zeigt. Es geht den Politikern, ob in Berlin, Brüssel oder Athen, nur noch darum, nicht hineingezogen zu werden in den Strudel: „Gesicht wahren“ vor dem heimischen Publikum, das ist alles.
Wenn nun SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz vor einer erneuten Eskalation der Hellas-Krise warnt, will er vertuschen, wie groß sein Anteil als langjähriger EU-Spitzenpolitiker an dem Desaster ist. Wer wie er die Vergemeinschaftung der Staatsschulden in der EU vorantreibt, hat jene Unverantwortlichkeit beflügelt, unter der alles kollabieren könnte. Juncker ahnt, was kommt.     Hans Heckel


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Kommentare

Andreas Müller:
22.02.2017, 11:49 Uhr

Herr Heckel,
in jeder Hinsicht vollkommen richtig!

Diese verantwortungslose, skrupellose Typen wie Schulz, Juncker, Draghi handeln nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Und Hauptsache ich habe noch eine Rettungsweste auf der EU-Titanic und mit Volldampf gegen den sichtbaren Eisberg.
Und nicht nur der Grexit droht! Holland wählt als erstes. Im Mai folgt Frankreich, wo Frau Le Pen gleich eine Volksabstimmung über die EU und Euro zur Attacke bläst. Italien würd lieber heute als morgen ihre geliebte Lira wieder einführen.
Gestern wie berichtet die Target-Katastrophe.
Und die Türken werden uns weiterhin mit Massen-Sturm-Sozialemmigranten drohen, wenn nicht die EU endlich kapituliert.
Und Afrika wird verstärkt überschüssige (nutzlose) Bevölkerung (Zitat Helmut Schmidt) und die eigenen Kriminelle übers Mittelmeer jagen.
Irgends Lösungen oder gar Anpacken der EU in Sicht. Mittlerweile MUSS man sagen, dass dahinter ABSICHT STECKT.
Und Schulz mittendrin, immer dabei und an zentraler Stelle VERANTWORTLICH für das Desaster was da kommt.
Das ist der Stoff für einen "Weltenkrieg".


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