»Katastrophale Konsequenzen«

Unicef-Mitarbeiter prognostiziert Europa eine Einwanderungswelle ungeahnten Ausmaßes

25.09.15
Rund 80000 Syrer leben alleine in diesem Lager der UN-Flüchtlingsorganisation: Zaatari im Norden Jordaniens Bild: Ullstein

Schon die Prognose, wonach Deutschland in diesem Jahr mit einer Million Asylanträgen rechnen muss, hört sich drastisch an. In den kommenden Jahren wird der Migrationsdruck auf Europa jedoch noch ganz andere Dimensionen annehmen.


Begibt man sich auf die Suche, welcher Wissenschaftler auch nur ansatzweise vorausgesehen hat, was sich derzeit an Europas Grenzen abspielt, dann stößt man unweigerlich auf die Arbeit des Soziologen Gunnar Heinsohn. Dieser hatte bereits vor Jahren relativ exakt vorausgesagt, was momentan an Immigration tatsächlich auf Europa zukommt. Nach den Berechnungen Heinsohns, der mittlerweile Militärdemografie am Nato Defense College (NDC) in Rom lehrt, wird sich Europa insgesamt auf 950 Millionen Afrikaner und Araber gefasst machen müssen, die nach Europa wollen. Bereits ein Blick auf die aktuelle Lage im Nahen Osten und Afrika lässt ahnen, dass die Immigrationszahlen, die derzeit von Politikern gegenüber der Öffentlichkeit genannt werden, völlig realitätsfern sind.
Beim Auswärtigen Amt liegen Erkenntnisse vor, wonach allein in Afghanistan derzeit eine Million Reisepässe zur Ausfertigung bereitstehen. Die Zahl der Passbeantragungen soll mittlerweile auf 5000 täglich angestiegen sein, wobei sich vorrangig 18- bis 30-Jährige um einen Reisepass bemühen. Viele Passanträge sollen zudem auch aus Flüchtlingslagern in Pakistan eingehen, wo sich geschätzte drei Millionen Afghanen aufhalten.
Auch die Lage in anderen Ländern spricht für massiv steigende Immigrationszahlen. So steht die Türkei an der Schwelle eines Bürgerkrieges, der nicht nur Hunderttausende Kurden zur Flucht nach Deutschland veranlassen könnte. Ebenfalls nach Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes leben in der Türkei 1,5 Millionen Syrer außerhalb von Flüchtlingslagern. Dazu sind noch einmal rund 200000 Iraker in die Türkei geflohen. Im Libanon wachsen die Spannungen zwischen den Einheimischen und den rund zwei Millionen Syrern, die mittlerweile in das Land geströmt sind.
Als Katalysator droht sich in dieser Situation die Versorgungslage in den Flüchtlingslagern im Nordirak, in Jordanien und im Libanon herauszustellen. Angewiesen auf freiwillige Zahlungen geht dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) das Geld aus. Nach Angaben der Uno müssen inzwischen 360000 Syrer in Lagern rings um ihr Heimatland völlig ohne Hilfe des Welternährungsprogramms auskommen. Für weitere mehr als anderthalb Millionen geflohene Syrer sind aufgrund der Geldknappheit mittlerweile die Nahrungsrationen drastisch gekürzt worden. „Wenn es keine weiteren Gelder gibt, dann hat das ka­tastrophale Konsequenzen. Eine Auswanderungswelle trifft Europa“, so Ghassan Madieh von Unicef Nordirak. Standen für Flüchtlingslager im Nordirak vor einiger Zeit noch 31 US-Dollar pro Flüchtling und Monat zur Verfügung, so sind es jetzt nur noch zehn.
Die relativ geringen Beträge, die nötig wären, um die Lage der Flüchtlinge zu verbessern, lassen den Umgang mit Asylbewerbern, den sich Deutschland leistet, geradezu als verantwortungslos erscheinen. So beziffert das Land Nordrhein-Westfalen die Kosten für Unterbringung, Betreuung und Versorgung auf 12500 Euro pro Jahr und Asylbewerber. Angesichts von Kosten in solchen Dimensionen merkte Farhad Ameen Atrushi, der Gouverneur der nordirakischen Provinz Dohuk, gegenüber dem ZDF an: „Wenn wir nur zehn Prozent der Gelder hätten, die ihr für die Unterbringung der Flüchtlinge in Deutschland aufwendet, dann könnten wir die Lebensumstände hier so verbessern, dass niemand nach Europa emigrieren muss.“
Zu befürchten ist allerdings, dass Deutschland noch länger an seinem ineffizienten Luxus-Asylsystem festhalten wird, während rings um Europa die Lage in vielen Flüchtlingslagern immer hoffnungsloser wird. Selbst die offiziell verbreiteten Kostenschätzungen zur Bewältigung der aktuellen Flut von Asylanträgen liegen inzwischen bei rund zehn Milliarden Euro jährlich. Eine Explosion der Kosten ist allerdings bereits absehbar. So kommt eine Studie im Auftrag des Bündnisses „Sozialer Wohnungsbau“ zu dem Schluss, um die erhöhte Nachfrage nach preiswerten Wohnungen abzudecken, sei bis 2020 jedes Jahr der Bau von 400000 neuen Einheiten nötig. Entstehen würde damit pro Jahr eine komplette Großstadt.
Völlig offen ist, welche Kosten mit den Hunderttausenden, möglicherweise sogar Millionen Asylbewerbern auf das deutsche Gesundheitssystem zukommen werden. Auch hier scheint oftmals das Prinzip Luxusversorgung zu gelten, während in den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens zunehmend gehungert wird. So gilt unter Hamburgs Zahnärzten die Behandlung von Asylbewerbern hinter vorgehaltener Hand inzwischen als ähnlich lukrativ wie die von Privatversicherten. Oftmals sogar in Begleitung von Betreuern werden Leistungen wie etwa Zahnreinigungen übernommen, für die Versicherte bei den Gesetzlichen Krankenkassen selber aufkommen müssen.    
    Norman Hanert


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Kommentare

Jim Becker:
2.10.2015, 16:59 Uhr

Es wird immer schlimmer, weshalb wir uns ja auch gegen die Asylflut wehren müssen.
Denn wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Das ist unsere Heimat und wir sollten sie uns nicht wegnehmen lassen!


Uwe Placzek:
28.09.2015, 22:12 Uhr

Diesem verantwortungslosen Wahnsinn muss ein Ende gesetzt werden!
Das deutsche Volk muss aufwachen, und für seine Existenz und vor allem die seiner Kinder aufbegehren. Niemals hätte ich geglaubt, so etwas erleben zu müssen. Ich habe den Untergang der DDR miterlebt, und bin dafür auf die Strasse gegegangen. Niemand hätte das damals für möglich gehalten, um am Ende ging es unglaublich schnell. Hier kann das Gleiche passieren, wenn Volkes Wille sich gegen die verantwortungslose Clique manifestiert die zur Zeit unser Land regiert.


Uwe Placzek:
28.09.2015, 22:09 Uhr

Einfach nur zum k*** was unsere verantwortungslosen Politiker uns und vor allem unseren Kindern einbrocken!
Das Volk, so ignorant und obrigkeitsgläubig es gewesen sein mag, wird spätestens wenn es an die eigene Existenz und die der Kinder geht, losschlagen gegen dieses System.


Lorenz Spiewok:
28.09.2015, 12:16 Uhr

Mitleid empfinde ich mit Kriegsflüchtlingen, für Wirtschaftsflüchtlinge habe ich bestenfalls Verständnis. Aber: Alle haben hier nichts verloren. Warum? Deutschland hat keine Schuld an den Ereignissen in Syrien und Nordafrika. Die Destabilisierung Syriens ist wesentlich betrieben worden von Saudi-Arabien, um den Alaviten Assad zu stürzen. Unterstützung erfolgte logischerweise aus Übersee aus geostrategischen Gründen. Die jahrzehntelange Kooperation zwischen Syrien und Sowjetunion/Russland musste im Gesamtrahmen der Aktion "Arabischer Frühling" beendet werden. Assad ist sicher ein Diktator, Saddam Hussein und Gaddafi waren es auch. Die Folgen der demokratischen Bomben-"Befreiung" sind offensichtlich. Arabien ist anders als Mitteleuropa. Nur Naive können das übersehen. Unsere Offiziellen scheinen nicht darüber zu stolpern, dass die Flüchtlinge aus dem Orient fünf- bis achttausend Dollar oder Euro pro Nase an die Schlepperindustrie zahlen müssen, um nach Europa geschleust zu werden. Und dann ist nach einschlägigen Berichten immer noch genügend Geld übrig, um verbleibende Strecken in Richtung Germany notfalls auch per Taxe zu bezahlen. Woher kommt das Geld? Verschämt wird dazu mitunter in den Staatsmedien vermerkt, Verwandte und Bekannte hätten dafür gesammelt - in zerbombten Städten? Und dafür kommen diese enormen Summen in frei konvertierbarer Valuta zusammen - pro Kopf? Die Wahrheit wird sein: Die Masse der ankommenden Flüchtlinge aus dem Orient war schon lange nicht mehr im Kriegsgebiet, sondern in den Lagern der umliegenden Staaten. Saudi-Arabien und die Golfstaaten nehmen keine Syrien-Flüchtlinge auf - obwohl alles dafür spräche: Gleiche Religion, geringe Entfernung, nur Jordanien liegt dazwischen, die meisten Syrer sind Sunniten, gleiche oder zumindest ähnliche arabische Sprache, ähnliche Sitten und Gewohnheiten, gewohntes Klima und vieles mehr. Saudi-Arabien, Qatar und die anderen Golfstaaten könnten ihren Glaubensbrüdern in Gold gefasste Häuser bauen, ohne dass ihr Staatsvermögen dadurch nennenswerte Einbußen erlitte. Aber sie denken nicht daran, obwohl Saudi-Arabien das heutige Elend maßgeblich verursacht hat - sogar durch finanzielle Unterstützung des IS. Statt dessen werden anscheinend enorme Gelder in die Flüchtlingslager geschleust, um die Wanderung zu befördern - verstärkt durch gezielte Gerüchte über das vermeintliche Schlaraffenland Germany. Wie die Geldschleusung erfolgt, wäre doch mal ein passendes Recherche-Thema für den sonst so agilen SPIEGEL. Was wird die Folge der eingesetzten Wanderung bei uns sein? Wenn der Notlager-Aufenthalt zu lange dauert, werden wir in einiger Zeit Protestaktionen der Immigranten
erleben, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Das Temperament dieser Menschen ist anders als das der relativ braven Deutschen. Aber selbst, wenn es relativ gut ginge: Würden diese muskulösen jungen Männer, die aus den Notunterkünften in unserer Nähe herumspazieren, nicht viel eher in ihrer Heimat gebraucht, um das Lande wieder aufzubauen? Auch kann ich den Gedanken nicht loswerden, dass die Flüchtlingswelle nicht ungern gesehen wird in den USA und Saudi-Arabien. Bei den ersteren, weil der bedeutende globale Konkurrent Europa in der Summe eine massive Schwächung seiner Leistungskraft erfahren wird, und bei den zweiten, weil die seit Jahrhunderten immer wieder angestrebte Verbreitung des Islam in ganz Europa einen gehörigen Aufschwung mit sich bringen wird. Wie sagte ein slowenischer Politiker treffend: Wir haben ein Herz - aber wir haben auch einen Kopf. Hoffentlich fangen unsere Oberen an, den stärker zu benutzen - Seehofer hat einen viel versprechenden Anfang gemacht.


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