Kaum Arbeitslosigkeit bei Akademikern

Trotz anhaltend hoher Studentenzahlen haben Hochschulabsolventen gute Beschäftigungsaussichten

24.10.17
Zurzeit scheinen ihre Berufsaussichten gut zu sein: Deutschlands Studenten Bild: Imago

Lange Zeit schien durch den Trend, dass ein immer größerer Teil der Schulabgänger studiert, statt eine Lehre zu machen, Akademikerarbeitslosigkeit programmiert. Aktuelle Zahlen, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg in der vergangenen Woche veröffentlichte, lassen hingegen anderes vermuten.


So lag die Arbeitslosenquote von Akademikern im Jahr 2016 bei gerade einmal 2,3 Prozent und damit unterhalb der Grenze bis zu der Volkswirte von Vollbeschäftigung sprechen. Noch niedriger war sie zuletzt vor über dreieinhalb Jahrzehnten gewesen, 1980, mit 1,8 Prozent. Die Aussichten für gut ausgebildete Menschen auf dem Arbeitsmarkt sind besser denn je. Hochqualifizierte können sich die Jobs sogar aussuchen. „Mehr denn je ist Bildung der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Das Arbeitslosigkeitsrisiko hängt sehr eng mit der Qualifikation zusammen“, erklärt der Ökonom Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereich „Prognosen und Strukturanalysen“ beim IAB. Je niedriger die Qualifikation, desto schwieriger sei die Position auf dem Arbeitsmarkt.
In der Tat sind Personen ohne Berufsabschluss von Arbeitslosigkeit besonders betroffen. Bundesweit war 2016 in dieser Gruppe knapp jeder Fünfte ohne Arbeit. Im Vorjahresvergleich hat sich die Quote aber um einen guten Prozentpunkt verringert.
In den 70er Jahren lag die Arbeitslosenquote Geringqualifizierter noch bei rund sechs Prozent. Sie stieg dann Anfang der 80er Jahre auf rund 15 Prozent und im Verlauf der 90er Jahre auf das heutige Niveau.
Deutliche Unterschiede bestehen immer noch bei den Arbeitslosenquoten zwischen dem Osten und dem Westen der Bundesrepublik, wobei der Osten den Rück-stand weiter verringern konnte. Die Gesamtquote liegt im Osten bei 8,1 Prozent (Vorjahr 9,0 Prozent), im Westen bei 5,7 Prozent (Vorjahr 6,0 Prozent). Insbesondere die beruflich Qualifizierten haben sowohl im Osten als auch im Westen von der positiven Arbeitsmarktlage profitiert. Während bei den beruflich Qualifizierten im Westen die Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent liegt, ist sie im Osten trotz eines erneuten Rückgangs um einen Prozentpunkt mit 6,5 Prozent noch deutlich höher.
„Die Arbeitslosenquote für Hochschulabsolventen beträgt im Westen, wie bereits im Vorjahr, 2,1 Prozent. Im Osten ist die Quote weiter gesunken und mit 3,3 Prozent niedrig. Dagegen bleibt die Quote für Geringqualifizierte in beiden Landesteilen sehr hoch. Sie ging im Osten und Westen zurück, liegt aber im Osten noch bei über 29 Prozent und im Westen bei knapp 18 Prozent“, heißt es in der Studie.
„Der Arbeitsmarkt ist derzeit insgesamt sehr aufnahmefähig“, sagte Studienautor Weber. Daher sei die Arbeitslosenquote Geringqualifizierter trotz der hohen Asylsucherzahlen und trotz der Mindestlohneinführung zurück-gegangen. „Die Arbeitslosigkeit Geringqualifizierter bleibt allerdings hoch.“
Trotz teilweise sehr guter Bezahlung suchen viele handwerkliche Betriebe händeringend Nachwuchs. Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) haben im laufenden Jahr zwar fast 4000 Jugendliche mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2016 eine Ausbildung im Handwerk begonnen. Es gebe wieder mehr Jugendliche, die eine Ausbildung als Karriereweg wählten, so Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer. Viele Firmen hätten aber dennoch Probleme, Nachwuchs zu finden. Bundesweit sind laut dem ZDH noch 18963 Lehrstellen unbesetzt – etwa im Elektro-, Sanitär- und Heizungsgewerbe sowie bei Friseuren.
Vor allem im Osten suchen die Betriebe mit Nachdruck neues Personal. Ursachen hierfür seien die Lohnungleichheit und auch die allgemeine demographische
Entwicklung. Während sich die Zahl der offenen Lehrstellen in Westdeutschland Ende September im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 Prozent auf 14413 verringert habe, seien in mitteldeutschen Handwerksbetrieben mit 4550 offenen Lehrstellen deutlich mehr Plätze unbesetzt geblieben als zum Vorjahreszeitpunkt.
Im Hinblick auf die Koalitionsverhandlungen forderte Handwerkspräsident Wolfseifer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, die Bemühungen politisch zu flankieren, um „mehr junge Menschen für eine berufliche Ausbildung zu begeistern“. Die Attraktivität der beruflichen Bildung müsse gestärkt werden. „Dazu gehört zwingend auch, die berufliche Bildung finanziell gleichwertig neben der akademischen Bildung zu fördern“, sagte der ZDH-Präsident: „Nach dem erfolgreichen Hochschulpakt, über den der Bund jährlich Milliardenbeträge in die Hochschulförderung gesteckt hat, brauchen wir endlich einen Berufsbildungspakt.“
In einigen Bundesländern setzt die Politik bereits gezielte Maßnahmen ein, um das Handwerk attraktiver zu machen. Die Handwerksbetriebe in Hamburg wollen beispielsweise künftig verstärkt um Abiturienten werben. Damit soll der anhaltende Fachkräftemangel zumindest teilweise gemildert werden, sagte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bei der Präsentation des Masterplans Handwerk in der vergangenen Woche.    
    Peter Entinger


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Kommentare

Arnold Schacht:
24.10.2017, 18:53 Uhr

Gibt es denn auch Aufschluss darüber, wie sich die Arbeitslosigkeit über die studierten Fächer verteilt? Ich kann mir vorstellen, bei den MINT-Fächern liegt sie nahe Null. Bei dem Gender-Schwachsinn sieht das wohl anders aus?!


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