Merkel besucht Stasi-Gefängnis

Kanzlerin lobt das Engagement der Gedenkstätte Hohenschönhausen gegen Linksextremismus

20.08.17
Berlins Kultursenator Klaus Lederer („Die Linke“) fehlte beim Rundgang: Hubertus Knabe (r.) öffnet beim Rundgang die Tür zu den Hofgangzellen. Links neben Angela Merkel Staatsministerin Monika Grütters Bild: Leh

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zwei Tage vor dem 54. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer die Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen besucht. Auf einer Kundgebung am Brandenburger Tor hat die „Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft“ (UOKG) am 13. August an das erlittene Unrecht unter der SED-Diktatur erinnert.

Merkel hat eine Stunde lang die ehemalige zentrale Untersuchungshaftanstalt des DDR-Staatssicherheitsdienstes in Berlin-Hohenschönhausen besucht. Als Kanzlerin hatte sie die Gedenkstätte bereits einmal im Jahr 2009 besichtigt. Jetzt wurde sie von ihrer Kulturstaatsministerin und Berliner CDU-Vorsitzenden Monika Grütters sowie dem örtlichen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Pätzold begleitet.
Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke), der durch sein Amt auch Vorsitzender des Stiftungsrats der Gedenkstätte Hohenschönhausen ist, begrüßte sie kurz bei ihrer Ankunft, nahm aber nicht an Merkels Rundgang teil. Der Historiker und Direktor der Gedenkstätte, Hubertus Knabe, hat in seinem sehr lesenswerten Buch „Die Wahrheit über Die        Linke“ vermerkt, Lederer „kommt als braver Strahlemann daher“. Zugleich erinnerte Knabe daran, dass Lederer zum Beispiel als damaliger Berliner Landeschef der „Linke“ gemeinsam mit seiner Parteifreundin Petra Pau in einer Anzeige zum Tod von Markus Wolf, dem ehemaligen Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke, schrieb: „Wir trauern um unseren Freund und Genossen, einen streitbaren Kämpfer, der aufrecht durch sein Leben ging.“
Nach üblen Erfahrungen mit dem früheren „Linke“-Kultursenator und Ex-SED-Funktionär Thomas Flierl hatte der geradlinige und streitbare Hubertus Knabe letztes Jahr auch in einem Gastbeitrag im Berliner „Tagesspiegel“ davor gewarnt, erneut einen Vertreter der „Linke“ zum Kultursenator zu ernennen.
Merkel erklärte in Hohenschönhausen vor der Presse, sie sei „auch sehr froh, dass hier in der Gedenkstätte Arbeit gegen Linksradikalismus geleistet“ werde. „Ich glaube“, fügte sie hinzu, „dieser Ort ist besser als viele andere dafür geeignet, das auch sehr authentisch tun zu können.“ Die von Hubertus Knabe geleitete Gedenkstätte bietet als wohl einzige Institution in Deutschland spezielle Seminare für Schüler und Lehrer über Linksextremismus an. Dazu gehört das Modellprojekt „Linke Militanz in Geschichte und Gegenwart. Aufklärung gefährdeter Jugendlicher über Linksextremismus und Gewalt.“ Die Teilnahme ist für Jugendliche, Schulen und andere Bildungseinrichtungen kostenlos. „Die Seminare können in der Gedenkstätte, bei vorhandenen Kapazitäten aber auch bundesweit direkt an der Einrichtung durchgeführt werden“, heißt es in einer Information.
Die Kanzlerin legte am Gedenkstein für die Opfer kommunistischer Ge-waltherrschaft im ehemaligen Stasi-Gefängnis gemeinsam mit dem früheren politischen Häftling Arno Drefke einen Kranz nieder. Danach besichtigte sie die Dauerausstellung „Inhaftiert in Hohenschönhausen: Zeugnisse politischer Verfolgung 1945-1989“.
Der ehemalige Häftling in Hohenschönhausen und Bautzen, Mike Fröhnel, schenkte der Bundeskanzlerin einen Schlüssel des Bautzener Gefängnisses. Merkel erklärte, sie werde den Schlüssel im Kanzleramt „an entsprechender Stelle ausstellen“.
Bei dem Rundgang mit Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe wurde die Bundeskanzlerin auch über die geplanten Baumaßnahmen und Renovierungsarbeiten informiert. Ab Mai bis voraussichtlich Herbst 2019 soll die Gedenkstätte für 8,8 Millionen Euro denkmalgerecht saniert werden. Die Kosten tragen je zur Hälfte der Bund und das Land Berlin.
Im Jahr 2016 zählte die Gedenkstätte rund 455 000 Besucher, die Hälfte von Ihnen Schüler. Für 2017 wird mit
470000 Besuchern gerechnet. Die geplanten Sanierungsarbeiten betreffen unter anderem die Freigangszellen, das Haftkrankenhaus und die Werkstatthöfe, in denen Gefangene Zwangsarbeit leisten mussten. Die Sanierung betrifft über 800 Räume. Tapeten, Bodenbeläge und Wandanstriche sollen ebenso restauriert werden wie Türen und Gitter. Es soll auch neue moderne museale Bereiche und Seminarräume geben.
Merkel erklärte: „Das Unrecht, das in der DDR geschehen ist, das hier auch viele Menschen persönlich in schrecklicher Weise erfahren mussten, darf nicht in Vergessenheit geraten.“ Die Bundesregierung und Berlin würden sich weiter dafür engagieren, „diesen Ort der Erinnerung offenzuhalten“. Sie sei „sehr betroffen“, dass im vergangenen Jahr wegen der großen Nachfrage sogar viele Führungen abgesagt werden mussten. „Fast 50000 Menschen mehr hätten hierherkommen können“, erklärte sie. Deshalb werde man prüfen, „ob wir noch andere Möglichkeiten haben, um Menschen diesen Kontakt mit der Vergangenheit, diesen sehr authentischen und damit auch sehr schmerzhaften und sehr bewegenden Kontakt zu ermöglichen“.
Auf der gemeinsamen Kundgebung des Fördervereins der Gedenkstätte und der UOKG am 13. August am Brandenburger Tor forderte Hubertus Knabe, auch das ehemalige Gefängnis der Volkspolizei in der Keibelstraße am Alexanderplatz „endlich für die Öffentlichkeit zugänglich“ zu machen. Der „Schönfärberei“ der DDR-Diktatur müsse „entschieden der Kampf angesagt werden“. Auf der Kundgebung sprachen auch der UOKG-Vorsitzende und Vizepräsident des Brandenburger Landtags, Dieter Dombrowski, sowie der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn.      Michael Leh


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Kommentare

sitra achra:
20.08.2017, 12:09 Uhr

Schon anerkennenswert und menschlich sympathisch, dass IM Erika das Verbrecherische ihres ehemaligen Systems einsieht und Abscheu davor öffentlich zum Ausdruck bringt.
Nun muss sie nur den zweiten Schritt tun und den Faschisten von der Antifa und den Terroristen vom schwarzen Block ein für allemal das Handwerk legen.
Das würde die Glaubwürdigkeit ihrer Reue unter Beweis stellen.
Ansonsten, wohlfeiles Lippenbekenntnis.
Ach ja, es ist Wahlkrampf...


Michel ut Jasmund:
20.08.2017, 11:39 Uhr

Ein tolles Bild: Merkel vor dem Einschluss in ihrer Zelle. Hoffentlich bekommt diese Frau*In für ihr "Lebenswerk" auch lebenslänglich.


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