Nach dem Fall Aleppos

Der Syrienkrieg wird nicht enden, aber er ändert sich

08.01.17

Der Verlust von Aleppo ist ein harter Schlag für die syrischen Rebellen, die auf die Unterstützung von Ländern wie der Türkei, den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien setzten und nun das Vertrauen ihrer Sponsoren verlieren könnten. Das heißt nicht etwa, dass die Rebellion und der Krieg nun bald vorbei seien. Stattdessen werden sich Art und Intensität der Auseinandersezung ändern.
In den von Baschar al-Assad zurückeroberten Gebieten könnten bald die Russen und die Iraner die Kontrolle übernehmen, um zu verhindern, dass sich dort Oppositionsnester neu bilden. Viele sunnitische Syrer werden diese Truppen als Besatzungstruppen ansehen. Daraus könnte irgendwann ein neuer Konfliktherd entstehen. Die Rebellion gegen Assad wird sich nach dem Verlust von Aleppo weiter radikalisieren, das heißt islamisieren. Viele Rebellen in Nordsyrien sind bereits zum Islamischen Staat (IS) übergelaufen und verstärken dessen Reihen.
Es scheint, dass die Russen und Assad den geschlagenen Kämpfern der Al-Nusra-Front nur den Abzug aus Aleppo nach Idlib gewährt haben, um irgendwann gegenüber dem Westen atgumentieren zu können, auch diese Provinz von den Terroristen befreien zu müssen. Das dürfte jedoch noch dauern, denn nach der Kraftanstrengung in Aleppo sind die Kräfte Assads und der Russen so erschöpft, dass jetzt erst einmal eine Verschnaufpause notwendig ist. Nach fünf Jahren macht sich auf allen Seiten eine gewisse Kriegsmüdigkeit breit, außer beim IS, der seinen Kämpfern nichts weniger als das Paradies im Jenseits verspricht.
Die Rebellen haben keine signifikante geografische Basis mehr. Mit dem Verlust von Aleppo haben sie die letzte große syrische Stadt verloren. Geblieben ist ihnen vor allem die Provinz Idlib, wohin die geschlagenen radikalen Moslems aus Aleppo abgezogen sind.
Aber Idlib wird von einer Vielzahl von Milizen, Gruppen und Fraktionen mit starken radikalen islamischen Einflüssen kontrolliert, die mehr gegeneinander als miteinander kämpfen. Die syrische Rebellion litt von Anfang an unter den Rivalitäten und Interessengegensätzen der arabischen und westlichen Unterstützer der Gegner des „Meisters von Damaskus“.
Da gibt es die Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA), die von der Türkei unterstützt werden und die derzeit weiter nordöstlich von Aleppo gegen den IS und die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG kämpfen. Obwohl die FSA ursprünglich gemeinsam mit den Kurden gegen die Regierung von Assad angetreten war, unterstützen sie die Türkei in deren Streben nach einer türkisch beherrschten Pufferzone in Nordsyrien, die klar gegen die Kurden gerichtet ist, die dort einen eigenen Staat errichten wollen. Die für Assad wie für den Westen und die Türkei gefährlichste Gruppe sind die radikalen Moslems des Islamischen Staates, die Damaskus sowie der internationalen Koalition unter Führung der USA und den türkischen Truppen in Nordsyrien trotzen.
Die Aufständischen sind auch noch im Süden Syriens aktiv, in den Regionen Daraa und Quneitra. Dort bleibt Ihr Handlungsspielraum jedoch sehr begrenzt, weil sie dem Gutdünken des jordanischen Königs unterworfen sind, der die Grenze für sie öffnet und schließt, wie er will, und der nicht vergessen hat, dass es 1970 Hafiz al-Assad war, der das Königreich beim Palästinenseraufstand davor gerettet hat, Ostpalästina zu werden.    Bodo Bost


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