Opfer der DDR

Drei Historiker decken auf

12.07.17

Wer im Berliner Umland wohnt, findet an vielen Orten im Wald, entlang des Berliner Mauerwegs, Stelen mit Fotos der Gesichter, der Lebens- und Fluchtgeschichten der an dem jeweiligen Ort auf der Flucht zu Tode Gekommenen. Immer handelt es sich um Opfer einer Zeit, als die Mauer die Stadt Berlin in zwei Teile spaltete. Mögen auch die Biografien, Gegebenheiten und Umstände zum Thema „Tote an der Berliner Sektorengrenze“ weitgehend erforscht sein, so fehlte bis heute eine Publikation, die sich der Opfer vor der Errichtung der Mauer in Berlin annahm.
Die Historiker Gerhard Sälter, Johanna Dietrich und Fabian Kuhn legen mit ihrem Werk „Die vergessenen Toten“ eine umfangreiche Darstellung des Themas vor. Welche Schwierigkeiten es ihm erschwerten, sich dem Thema zu nähern, machen sie in ihrer Einleitung deutlich. So sind unter anderem waren viele Unterlagen bereits vor 1989 vernichtet worden. Auch wird unter dem Punkt Kategorienbildung verdeutlicht, dass es nicht einfach war, in den Wirren Nachkriegsberlins und seines Umlands eindeutig zu unterscheiden, wer ein Todesopfer des DDR-Grenzregimes geworden war und wer nicht. Zu unklar waren noch die Sektorengrenzen, zu jung noch das Kontrollsystem, zu undeutlich die Vorschriftenlage.
Anliegen der Autoren war es,  eine vollständige Dokumentation der Opfer des DDR-Grenzregimes zu erstellen. Anhand biografischer Daten berichten sie davon, wie Menschen in der Zeit zwischen Teilung und dem Mauerbau Berlins allein zur Zementierung der gesellschaftlichen Ordnung und Durchsetzung der SED-Macht zu Opfern wurden..
39 Personen kamen zwischen 1948 und 1961 unmittelbar im Grenzraum zu Tode. Die Umstände, die zu ihrem Ableben führten, wurden mithilfe umfangreicher Quellen aufgearbeitet. So wurden hierfür Bestände der Bundes- und Landesarchive in Freiburg, Koblenz und Berlin herangezogen, aber auch Quellen des Berliner Landeskriminalamtes, der Staatsanwaltschaft und der Polizeihistorischen Sammlung Berlins.
Für den Leser berührend ist es, die Lebensgeschichten der jeweiligen Person zu verfolgen. Und es stellt sich wiederholt die Frage nach dem „Warum?“. Weshalb mussten hier so viele Menschen so sinnlos sterben?     S. Friedrich

Gerhard Sälter, Johanna Dietrich, Fabian Kuhn: „Die vergessenen Toten. Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin von der Teilung bis zum Mauerbau (1948–1961)“, C.H. Links Verlag, Berlin 2017, gebunden, 312 Seiten, 30 Euro


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Kommentare

Hans-Joachim Nehring:
12.07.2017, 12:22 Uhr

Es sind nicht nur die vergessenen Toten an der Berliner Mauer. Hierzu gehört auch mein Freund Meinhard Kattenberg, welcher sich weigerte auf "Grenzverletzer" zu schießen, im Militärgefängnis Bautzen zum Krüppel geschlagen wurde und das 40. Lebensjahr nicht erreichte.


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