Potsdam wächst am schnellsten

Studie: Bevölkerungsentwicklung läuft besser als bei allen anderen Landeshauptstädten

12.03.17
Magnet für Touristen und Zuzügler: Potsdams beliebte Brandenburger Straße Bild: Jessica Gardner/CF

Eine aktuelle Untersuchung sagt Brandenburgs Landeshauptstadt eher negative Zukunftsaussichten voraus. Erstaunlich, denn diese Prognose steht im starken Kontrast zu der steigenden Attraktivität Potsdams für Touristen und Zuzügler.

Statistiker des Rathauses Potsdam haben erst vor Kurzem einen Vergleich der deutschen Landeshauptstädte vorgelegt, in dem ihre Stadt recht gut abschneidet. Demnach gewinnt Potsdam  bereits seit 17 Jahren kontinuierlich Einwohner dazu. So stieg im Jahr 2015  die Einwohnerzahl der Havelstadt um 2,3 Prozent. München landete mit 2,1 Prozent auf dem zweiten Platz, Erfurt wurde Dritter. Potsdam schnitt auch bei der Geburtenrate gut ab: Mit 10,63 Neugeborenen je 1000 Einwohnern landete Brandenburgs Landeshauptstadt nach Dresden, München und Hamburg immerhin auf dem vierten Platz. Ebenso positiv sieht die Ent-
wicklung bei den Arbeitslosenzahlen aus. Mit einer Quote von lediglich 6,9 Prozent liegt Potsdam hinter München, Stuttgart und Mainz ebenfalls auf dem vierten Platz aller 16 Landeshauptstädte.
Der Vergleich förderte allerdings auch Mankos zu Tage. So schneidet Potsdam bei der Wertschöpfung auffallend schwach ab. Im Schnitt erwirtschaftet jeder Erwerbstätige ein Bruttoinlandsprodukt von 57354 Euro. Damit schafft es Potsdam innerhalb der neuen Bundesländer immerhin auf Rang zwei hinter Dresden. Im Vergleich zum Spitzenreiter Stuttgart mit 95678 Euro pro Erwerbstätigem und anderen Landeshauptstädten westlich der Werra rangiert Potsdam aber nur „unter ferner liefen“. Als Grund gilt das Fehlen von produzierendem Gewerbe, in dem eine hohe Wertschöpfung stattfindet. Die Wirtschaft Potsdams wird stattdessen durch den Dienstleistungssektor geprägt. Mit  92,2 Prozent der Bruttowertschöpfung auf diesen Bereich erreicht die preußische Residenzstadt unter Deutschlands Landeshauptstädten sogar einen Spitzenwert.
Auch eine bundesweite Untersuchung von 1554 Städten und Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern, die unlängst das „Manager Magazin“ veröffentlicht hat, bescheinigt Potsdam Schwächen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich. Als Probleme werten die Experten eine Investitionsschwäche und die relativ hohe Gewerbesteuer und abermals das weitgehende Fehlen von verarbeitendem Gewerbe. Negativ zu Buche schlugen zudem der Anteil an Hartz-IV-Beziehern und die Kriminalitätsrate, ablesbar beispielsweise an den zahlreichen Diebstählen von Autos und Fahrrädern.
Allerdings kann Potsdam auch punkten: Der Anteil von Abiturienten ist überdurchschnittlich hoch. Auch die Bevölkerungsprognose fällt abermals positiv aus. Dessen ungeachtet zählen die Fachleute Potsdam ebenso wie Bottrop oder Hildesheim zur Gruppe von 500 überwiegend kleinen Städten, denen eine negative Zukunftsentwicklung bevorstehe. Angesichts der unbestrittenen Attraktivität der Stadt für Touristen und Zuzügler stellt sich die Frage, wie Potsdam mit der diagnostizierten Wirtschaftsschwäche umgehen soll. Der Versuch, aktive Ansiedlungspolitik zu betreiben, kommt womöglich zu spät: Die Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald haben in den vergangenen 25 Jahren ihr Feld abgesteckt und sich zum Magneten für Firmenansiedlungen im Berliner Speckgürtel entwickelt.
Potsdam war allerdings sehr erfolgreich darin, seine Trümpfe im Bereich des Tourismus, der Kultur und der Wissenschaft auszuspielen. Mit dem Hasso-Plattner-Institut ist am Griebnitzsee eine Ausbildungsstätte für Experten der Informationstechnologie entstanden, die mittlerweile Weltgeltung errungen hat. Auch das Filmstudio in Babelsberg konnte sich im internationalen Wettbewerb erfolgreich etablieren.
Und die nächste Potsdamer Erfolgsgeschichte zeichnet sich bereits ab:  Mit dem neueröffneten Barberini-Museum am Alten Markt (die PAZ berichtete) hat Potsdam neben seinen Preußenschlössern einen zweiten großen Besuchermagneten erhalten. Allein im ersten Monat sind 60000 Besucher in den Nachbau des Palais geströmt, um sich die Eröffnungsausstellungen „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft“ und „Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky“ anzusehen.
Der bisherige Besucheransturm auf das von Hasso Plattner gestiftete Kunstmuseum ist dermaßen stark, dass das Barberini bereits auf Augenhöhe mit den renommierten Berliner Museen gesehen wird. Von den zahlreichen Museumsbesuchern profitiert der Tourismus. Das gesamte Areal um den Alten Mark ist seit der Museumseröffnung deutlich belebter. Auch die Hotels berichten noch vor dem Beginn der eigentlichen Saison von steigenden Buchungszahlen durch den „Barberini-Effekt“.     Norman Hanert


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