Prügel, Beleidigungen, Demütigungen

Gewalt prägt viele homosexuelle Beziehungen – In der Öffentlichkeit ein absolutes Tabuthema

13.01.18

Es soll ein schöner Nachmittag werden. Zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Anneli besucht Patricia ein Straßenfest. Beide sind zu diesem Zeitpunkt seit eineinhalb Jahren zusammen. Patricia ist Mitte vierzig, Anneli Ende dreißig. Die eine arbeitet in der Finanzbranche, die andere im sozialen Bereich. In ihrer Beziehung suchen sie Geborgenheit, Stabilität und Sicherheit, erzählen sie später einer Paarpsychologin. Sie möchten zusammen alt werden.
Möglicherweise prügeln sie sich vorher auch tot. Der Besuch des Straßenfestes endet im Fiasko. Beide trinken zu viel. Anneli fühlt sich missachtet, Patricia unterdrückt. Ein Wort gibt das andere. Wutentbrannt fahren beide auf verschiedenen Wegen nach Hause. Daheim eskaliert die Situation. Aus dem Krieg der Worte wird ein brutales Handgemenge, bei dem keine Gefangenen gemacht werden. Ohrfeigen werden verteilt und Haare ausgerissen. Schließlich fliegen die Fäuste. Irgendjemand ruft die Polizei. Die Beamten erteilen Anneli einen Platzverweis. Die Frau reagiert nicht darauf. Sie versucht sich an den Polizisten vorbei zu drängen, um wieder auf Patricia loszugehen. Als das nicht gelingt, greift sie die Beamten an, verteilt Schläge und Tritte. Daraufhin werden ihr Handschellen angelegt. Sie muss die Nacht in einer Zelle verbringen. Zum Zeitpunkt des Interviews mit der Psychologin ist ein Gerichtsverfahren gegen sie anhängig. Beide Frauen überlegen, wie sie es abwenden können. Man hat sich wieder vertragen. Die Hämatome sind verheilt. Patricia weiß, dass auch sie nicht unschuldig ist. In einem öffentlichen Lokal hat sie neulich ein Glas nach Anneli geworfen.
„Beide sind tief verunsichert und hegen ein tiefes Misstrauen gegenüber der Partnerin. Zugleich fühlen sie sich im Moment der Tat ohnmächtig und nicht befähigt, ihr Verhalten zu kontrollieren“, urteilt die Psychologin, die über den Fall in einer Studie berichtet.
Bestürzung und auch Mitleid weckt ihre Beschreibung. Häme von Seiten der „normalen“ Mehrheit, die der „guten alten“ Mann-Frau-Beziehung den Vorzug gibt, ist sicherlich nicht angebracht. Dennoch ist die private Tragödie von Anneli und Patricia ein Fall für die Öffentlichkeit, denn sie ist beispielhaft. Häusliche Gewalt ist in vielen homosexuellen Partnerschaften ein großes Problem. Zwar lautet die offizielle Sprachregelung, wie sie die Funktionäre der lesbisch-schwulen Bewegung verbreiten, dass sie in gleichgeschlechtlichen Beziehungen etwa ebenso häufig sei wie in heterosexuellen. Wissenschaftliche Studien, vor allem aus den USA, zeichnen aber ein anderes Bild. Sie liefern dramatische Zahlen. Das gilt vor allem für lesbische Partnerschaften. Wenn Frau und Frau zusammenleben, ist das Risiko, Gewalt zu erleben, doppelt so hoch wie einer herkömmlichen Beziehung zwischen Mann und Frau. Die Gefahr, im „Ehebett“ vergewaltigt zu werden, ist zehnmal höher. Prügel, Beleidigungen, Demütigungen, sexuelle Nötigung und alle anderen Möglichkeiten, seinem Partner körperliche und seelische Verletzungen beizubringen, kommen vor. Das homosexuelle Gegeneinander bietet zudem Gemeinheiten, die im heterosexuellen Streitgeschehen nicht möglich sind. Regelmäßig werde damit gedroht, den HIV-Status des Partners offenzulegen oder diesen zu outen, sei es am Arbeitsplatz, sei es bei den Eltern, weiß die Frankfurter Sozialwissenschaftlerin Constance Ohms, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema beschäftigt.
In der schwul-lesbischen Szene hat sie eine große Hilflosigkeit festgestellt damit umzugehen. In der breiten Öffentlichkeit gehört es zu den sorgfältig beschwiegenen Tabuthemen. Werden in Film und Fernsehen homosexuelle Partnerschaften dargestellt, turteln Er und Er beziehungsweise Sie und Sie meist in einer Wolke rosafarbenen
Glücks, aus der allenfalls mal eine putzige Kissenschlacht zu vermelden ist. Die Diskussion um die „Ehe für alle“ hätte möglicherweise eine andere Richtung genommen, wäre die Wahrheit bekannter. Bestürzend ist auch die Vorstellung, dass Anneli, Patricia oder andere in eine zerstörerische Zweisamkeit verstrickte Menschen ein Kind adoptieren und großziehen.
Bei den häuslichen Brutalitäten lesbischer Paare geht aber noch ein anderes Klischee zu Bruch: das vom Mann als notorischem Täter und der Frau als sein Opfer. Dass dieses Bild die Vorgänge in vielen „trauten“ Heimen verzerrt und verfälscht, wissen Kriminologen und Soziologen allerdings schon lange. Sie gehen davon aus, dass auch
in heterosexuellen Beziehungen ebenso viele Frauen wie Männer handgreiflich werden. Da die Öffentlichkeit mit Verachtung statt mit Mitleid auf einen geprügelten Gatten reagiert, werden die blauen Flecken und blutigen Kratzer fast immer schamhaft verschwiegen.
Dass Männer keineswegs das gewalttätigere Geschlecht sind, bestätigen auch Zahlen des Bundeskriminalamtes über Einsätze im homosexuellen Milieu. 2015 registrierten Polizisten in eingetragenen lesbischen Lebenspartnerschaften 344 Fälle von Körperverletzung. Bei den schwulen Männern waren es nur 136. Vergewaltigung und sexuelle Nötigung wurden ausschließlich aus Frau-Frau-Beziehungen gemeldet.
    Frank Horns


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Kommentare

Bianca Appelmann:
17.01.2018, 21:42 Uhr

Ich möchte allen die Doku "The Red Pill" von Cassie Jaye ans Herz legen (kann man ganz leicht im Netz finden). Das Thema Beziehungsgewalt geht alle Menschen an, auch Frauen, selbst wenn wir nicht gewalttätig sind oder Opfer von Gewalt wurden. Wir sind schließlich auch Mütter von Söhnen oder werden es eventuell noch.


Klaus Mueller:
16.01.2018, 22:12 Uhr

anscheinend eine gute Zeitung hier. Ist man gar nichtr mehr gewohnt. Kompliment.


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