Riad greift nach Kosovo

Wachsender Einfluss von Saudis und Türken in der Balkanrepublik

19.06.17

Wegen Werbung für den Dschihad in Syrien und dem Irak, Anstiftung zum Hass, Propagierung von religiöser Intoleranz sowie schließlich Steuervergehen ist in der kosovarischen Hauptstadt Pristina der Chefprediger der Zentralmoschee, Shefet Krasniqi (51), verhaftet worden. Der Oberimam des Kosovo gehörte in den 1990er Jahren zu den ersten Kosovaren, die ihre Studien in Saudi-Arabien absolviert haben.
Krasniqi ist kein Einzelfall. Nach einer Meldung des „Figaro“ soll im Raum Pristina in 22 Moscheen zum Heiligen Krieg aufgerufen worden sein, sozusagen unter den Augen von EU-Soldaten und EU-Beamten, die in der Gegend stationiert sind. Das kleine Westbalkanland ist zu Europas Dschihad-Zentrale geworden. Im Kosovo hat sich der radikale saudi-arabische Staatsislam der Wahhabiten festgesetzt. Wie die Salafisten vertreten die Wahhabiten einen Steinzeitislam, der sich streng an Mohammeds 7. Jahrhundert orientiert.
Von den heute über 800 Moscheen im Kosovo stammen 240 von Geldgebern aus Saudi-Arabien, die vermittelt über Stiftungen oder Nichtregierungsorganisationen seit 1999 Geld in den Kosovo transferieren. Vor allem diese neuen Moscheen werden heute für die wahhabitische Indoktrinierung der Kosovaren verantwortlich gemacht. Während der Westen unter Federführung der Amerikaner 1999 glaubte, die Militärintervention zur Loslösung von Jugoslawien würde im Kosovo die Demokratie einführen, nutzten die Saudis die von außen eingeführte Demokratie, um ihre Version des Steinzeitislam einzuführen.
Aber die Geldgeber aus Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und Bahrein bauten nicht nur Moscheen und bezahlten die Ausbildung von Hunderten von Imamen auf der arabischen Halbinsel. Religiöse Stiftungen bezahlten auch laut der französischen Zeitung „Le Figaro“ den betreffenden Personen Bart- und Schleiergelder in Höhe zwischen 100 und 300 Euro, wenn Männer sich einen Salafistenbart wachsen ließen oder Frauen sich verschleierten.
Während es vor dem Jahre 2000 kaum verschleierte Frauen im Kosovo gegeben hatte, wird deren Zahl mittlerweile immer größer. Der Ramadan, früher Privatsache, wird nun öffentlich durchgeführt und staatlicherseits überwacht. Albanischer Nationalismus, der einst zum Aufstand der Kosovaren gegen Slobodan Miloševic geführt hatte, ist längst durch den Wahhabismus abgelöst worden.
Von der Europäischen Union hat das Kosovo seit 1999 etwa fünf Milliarden Euro Hilfsgelder erhalten, viel mehr pro Kopf als nach dem Zweiten Weltkrieg die etwa 16 Milliarden US-Dollar Marshallplan-Hilfe für 16 europäische Länder. Trotzdem ist das Kosovo weiterhin das ärmste Land Europas. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 30 und die Jugendarbeitslosigkeit bei 70 Prozent.
Während eine EU-Perspektive für das bettelarme Westbalkanland in weite Ferne gerückt ist, bietet Recep Tayyip Erdogan im Rahmen seiner neuen türkischen Großmachtpolitik dem Kosovo bereits Ersatz. Die einstige Kolonialmacht investiert im Westbalkan in Flughäfen, Straßen und Banken und schickt Imame in den Kosovo. Ankara fordert allerdings vom Kosovo, Schulbücher so zu korrigieren, dass die Osmanische Geschichte schöner erscheint, im­merhin setzt Erdogan gerade dazu an, eine Renaissance des Osmanischen Reiches zu vollziehen.    B.B.


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