Sicherer als Fahrradfahren

Reisen per Flugzeug ist ungefährlicher denn je – Aber neue Gefahrenquellen tun sich auf

16.01.18
Mittlerweile der Normalfall: Flugpassagie haben wohlbehalten ihr Ziel erreicht Bild: Imago

Obwohl sich der Flugverkehr seit den 1980er Jahren mehr als verdreifacht hat, ist die Anzahl der Unfälle kontinuierlich gesunken. Vergangenes Jahr kamen bei neun tödlichen Unfällen 32 Reisende ums Leben, weniger als je zuvor. Keiner der Unfälle ereignete sich in Europa. 2016 waren noch weltweit bei 19 Flugzeugunglücken 325 Menschen gestorben.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verunglückten in den vergangenen vier Jahren pro einer Milliarde zurückgelegter Kilometer im Flugzeug 0,3 Menschen, im Zug 2,7 und im Auto 276. Statistisch gesehen erleidet ein Mensch erst nach 14000 Jahren Flug einen Unfall. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugunfall zu sterben, liegt nach Berechnungen des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) heute bei eins zu 127,5 Millionen. In den 70er Jahren waren es noch eins zu 264000.
In den vergangenen Jahren konnte die Flugsicherheit durch eine Vielzahl von Maßnahmen drastisch erhöht werden. So müssen sich die Fluggesellschaften ihren Sicherheitsstandard mittlerweile durch Audits der International Air Transport Association (IATA) zertifizieren lassen. Wie die „Frankfurter Neue Presse“ kurz vor dem Jahreswechsel berichtete, werden diese Vorgaben rigoros umgesetzt. Zuletzt habe es die Avior Airlines erwischt. Seit Ende November dürfen die Flugzeuge der Gesellschaft aus Venezuela weder in der Europäischen Union landen noch starten. Genauso wenig wie alle Fluggesellschaften aus Kirgisien und Sierra Leone oder die indonesische Spirit Aviation Sentosa oder die Air Service Comores der Komoren. In allen diesen Fällen gab es seitens der Europäischen Kommission Berichte über „gravierende Sicherheitsmängel“ bei der Vorflugkontrolle, die bisher nicht abgestellt wurden. Oder es fielen „belegte Mängel hinsichtlich internationaler Sicherheitsnormen“ auf. In einigen Fällen notierte Brüssel auch „Informationen über belegte Unfälle oder schwere Störungen, die auf latente systematische Sicherheitsmängel hinweisen“.
Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und die damit verbundenen internationalen Standards seien äußerst wichtig, betont der BDL. Seit die „Schwarze Liste“ in Brüssel geführt wird, wurden 172 Fluggesellschaften aus 16 Staaten wegen mangelnder Sicherheitsaufsicht ausgesperrt. Sechs Unternehmen bekamen ein Flugverbot, weil es erhebliche Bedenken gibt, ob sie die üblichen Standards für einen sicheren Flugverkehr einhalten.
Achim Figgen, stellvertretender Chefredakteur des Zivilluftfahrt-Fachmagazins „Aero International“, räumt in diesem Zusammenhang gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit dem Vorurteil auf, das Alter einer Maschine spiele eine große Rolle: „Wenn das Flugzeug regelmäßig und den Vorschriften entsprechend gewartet wird, kann es unter Sicherheitsaspekten auch nach 25 oder 30 Jahren noch betrieben werden.“
Nichtsdestoweniger sollen eine Modernisierung der weltweiten Luftflotten und eine zunehmende Automatisierung im Cock­pit dafür verantwortlich sein, dass die meisten Luftfahrt-Unfälle heute weniger auf technisches denn auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Jan-Arwed Richter, Mitbegründer des Hamburger Flugunfallbüros JACDEC, begründet die gute Sicherheitsbilanz aber auch zumindest teilweise mit einer verbesserten Ausbildung der Besatzungen. Allerdings belaste ein zunehmender Arbeitsdruck durch intensivere Arbeitszeiten mehr als früher die Besatzungen. „Viele Piloten sind übermüdet, das ist schon ein Thema“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
„Sicherheit hat für alle am Luftverkehr Beteiligten oberste Priorität“, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow dem „Tagesspiegel“. „Jedes Unglück, jeder Beinaheunfall und jede Unregelmäßigkeit werde genauestens untersucht. Das mache die Luftfahrt sicherer, weil die entsprechenden Konsequenzen aus den Untersuchungsergebnissen gezogen würden. Auch im Bereich der Sicherheit, zum Beispiel bei der Abwehr gezielter äußerer Gefahren, stiegen die Anforderungen immer weiter an.“
In einer Studie des Versicherungsunternehmens Global Corporate & Speciality, das zur Allianz-Gruppe gehört, wird allerdings darauf hingewiesen, dass es keinen Grund gibt, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. So müss­ten die Fluggesellschaften in Zukunft weltweit vermehrt Cyberattacken fürchten und ihr Personal darauf vorbereiten. Cyberattacken könnten sich zur „Waffe der ersten Wahl“ gegen die Luftfahrtindustrie entwickeln, da ihr Geschäftsmodell mittlerweile nahezu vollständig von Computersystemen abhänge.    Peter Entinger


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