Steuern auf UN-Hilfsgüter

23.10.17

Rizokarpaso auf der Halbinsel Karpasia ist eine der wenigen Enklaven in Nordzypern, in der noch Zyperngriechen leben. In der etwa 5500 Einwohner zählenden Stadt leben heute 310 meist hochbetagte Zyperngriechen. Sie blieben 1974, als die türkischen Siedler hereinstürmten und sich die Häuser der Griechen nahmen. 20000 christliche Griechen und Libanesen in den maronitischen Dörfern westlich von Kyrenia waren trotz der Invasion zunächst geblieben. Heute sind sie noch ein paar Hundert.
Die türkische Verwaltung hat ihnen das Leben immer schwerer gemacht. Ihre Kirchen wurden geschlossen und geschändet, das Recht, den eigenen Besitz zu nutzen, und das Erbrecht wurden beschnitten. Obwohl Menschen­rechts­organisationen dieses Vorgehen kritisierten, gehen die Repressalien bis heute weiter.
In Rizokarpaso stellen heute die türkischen Siedler, die nach der Besetzung des nördlichen Teils der Insel hauptsächlich aus den armen Gebieten Anatoliens kamen, die Bevölkerungsmehrheit – so wie überall in Nordzypern. Bis zu 300000 Türken hat die Türkei nach Zypern umgesiedelt, um das Gebiet endgültig zu türkisieren. Sogar die einheimischen Türkisch-Zyprer, die seit dem 16. Jahrhundert mit den osmanischen Eroberern auf die einst rein christliche Insel geströmt waren, sind heute eine Minderheit geworden. Ihre Zahl schrumpfte auf heute 80000, zum Zeitpunkt der Besatzung waren es noch 118000.
Seit der Teilung der Insel kam jede Woche ein Konvoi der Vereinten Nationen, um an die 350 noch verbliebenen griechischen Zyprer und Libanesen Lebensmittel und Medikamente zu verteilen. Dieser regelmäßige Konvoi entspreche einer seit mehr als 40 Jahren geltenden Vereinbarung beider Seiten, hieß es seitens der UNO. Jetzt wurde wegen erstmals erhobenen Zollforderungen der Konvoi abgesagt. Nur Medikamente wurden geliefert.
Nach dem Scheitern der Gespräche zur Wiedervereinigung Zyperns im Juli dieses Jahres wegen der Weigerung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan seine Truppen aus dem Nordteil abzuziehen, hat sich die Lage auf der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel erstmals seit Jahren wieder verschärft. Es gibt kaum noch Kontakte zwischen den politischen Führungen der griechischen und der türkischen Zyprer. Die kleinste und am wenigsten geschützte Minderheit, die letzten Zyperngriechen im Norden der Insel, sollen jetzt dafür als Sündenböcke herhalten.
Der griechisch-zypriotische Präsident Nicos Anastasiades verurteilte das Verhalten, das die Bemühungen zur Wiederherstellung des Vertrauens zwischen den beiden Gemeinschaften untergräbt. Aber Tahsin Ertugruloglu, der Außenminister der Türkischen Republik Nordzypern, die von keinem Staat außer der Türkei anerkannt wird, sagte in New York, seine Regierung lasse sich nicht davon abbringen, ab dem 1. dieses Monats Steuern auf Hilfsgüter zu fordern. Er begründete diesen Schritt mit der „Reisefreiheit“, welche die Zyperngriechen im Nordteil der Insel hätten.
Die letzten Griechen im Norden haben mehr als 40 Jahre Erfahrung mit Schikanen, Erniedrigungen und Entrechtung vonseiten der türkischen Besatzer erlebt. Sie werden ihre Heimatdörfer nicht mehr verlassen. Der Präsident der Republik Zypern kündigte bereits an, gegen diese Maßnahmen, die das letzte Vertrauen zerstören könnten, bei der EU, dessen Mitglied die Republik Zypern ist, und bei der UNO zu klagen.    Bodo Bost


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