USA in der Zwickmühle

Der Protegé Kosovo erhebt gegen den NATO-Verbündeten Montenegro Gebietsansprüche

25.12.17
Werden bereits von der Bundeswehr beschützt: GI im US-Camp Bondsteel im Kosovo Bild: action press

Die USA unterhalten sowohl zum Kosovo als auch zu Montenegro enge Beziehungen. Ein Konflikt zwischen ihnen könnte eine Pax Americana in dem Raum erschweren. Eine Lösung deutet sich mit einem stärkeren Engagement der EU auf dem Balkan an.

Im christlichen Montenegro lebt eine Minderheit von albanischen Mohammedanern. Das nimmt das Kosovo zum Anlass, gegenüber seinem Nachbarn Gebietsansprüche zu erheben. In seiner Hauptstadt Pristina sind in Schulbüchern verschiedene montenegrinische Gebiete bereits als kosovarisch ausgewiesen.
Die USA sind über die NATO Verbündeter Montenegros, aber auch am Wohlwollen des Kosovo interessiert. Dort liegt das US-Camp Bondsteel, die zweitgrößte US-Militärbasis in Europa mit etwa 5600 bis 6000 Mann Besatzung. Von dort aus wird der östliche Mittelmeer­raum funktechnisch überwacht, eine militärtechnische Maßnahme im Rahmen des Üblichen. Doch dort wurde auch bald nach den Jugoslawienkriegen ein CIA-Foltergefängnis nach dem Muster von Guantanamo eingerichtet, wie sowohl der UN-Ombudsmann Marek Nowicki als auch der Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Alvaro Gil-Robles, übereinstimmend berichteten. Nowicki wörtlich: „Eine normale, externe Kontrolle ist dort nicht möglich. In Wahrheit haben wir keine Ahnung, was dort vor sich geht.“
Doch die Ermöglichung eines örtlichen CIA-Gefängnises ist nur ein Teil des reichen Aufgabenspektrums von Bondsteel. Seit dem Bestseller „Die CIA und das Heroin“, den der US-Professor Alfred McCoy vor 45 Jahren veröffentlicht hat, ist die Verwicklung des US-Geheimdienstes ins internationale Rauschgiftgeschäft bekannt. Was nun das Kosovo und Camp Bondsteel angeht, schrieb der Analyst William Engdahl in „Global Research“, die militärische Kontrolle des Kosovo „schützt den Milliarden Dollar schweren Heroinschmuggel aus Afghanistan, der nach Angaben von Rauschgiftexperten der UNO seit Beginn der US-Besetzung auf Rekordhöhe angestiegen ist. Durch Albanien und das Kosovo führen die Hauptrouten des Herointrans­ports nach Europa.“ Die von den USA völlig abhängige Regierung des Kosovo fungiert als Partner und Schützenhelfer und hat dafür freie Hand für weitere Geschäfte wie Waffen- und Menschenhandel. Angesichts dieser intensiven Beziehungen zum Kosovo kommen dessen Zwistigkeiten mit ihrem NATO-Partner Montenegro den Vereinigten Staaten höchst ungelegen.
Ende dieses Jahres hat die US-Denkfabrik Atlantic Council einen Bericht veröffentlicht, der sich mit einer neuen Strategie Washingtons für den Balkan befasst. Danach ist es das entscheidende Ziel, eine ständige Präsenz der US-Streitkräfte in Südosteuropa herzustellen. Dazu sagt der Chef des Belgrader „Zentrums für strategische Alternativen“, Aleksandar Mitic: „Eigentlich gibt es in der Strategie der USA gar nichts Neues. Ziel ist ein rechtsgültiges Abkommen über gutnachbarliche Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo. Dann könnte das Kosovo der UNO beitreten. Damit würde es überflüssig, dass Serbien die Unabhängigkeit von Pristina anerkennt. Außerdem würde so der Einfluss Russlands und Chinas in Belgrad verringert. In diesem Fall bedeutet also ‚historische Aussöhnung‘, dass sich Belgrad mit der Unabhängigkeit des Kosovo abfindet, der Nato beitritt und auf besondere Beziehungen zu Russland verzichtet.“
Das wird von Serbien abgelehnt. Dort wird vielmehr gefordert, die USA sollten damit aufhören, über serbisches oder ehemals serbisches Territorium zu verfügen. Dazu gehöre auch ihre Einflussnahme zugunsten der Albaner im Kosovo. Desweiteren verlangen die Serben den Fortbestand der Republika Srpska und verwahren sich dagegen, dass ihnen die Alleinschuld an den Jugoslawienkriegen der 90er Jahre gegeben wird. Au­ßerdem sollen die USA auf ihre Versuche verzichten, Serbien gegen den Willen seiner Bürger in die NATO aufzunehmen. Und schließlich sollen die USA die aktive Rolle Russlands und Chinas auf dem Balkan hinnehmen, so die Haltung Belgrads.
Noch also gibt es serbischen Widerstand gegen eine Pax Americana auf dem Balkan. Wie in vergleichbaren Fällen vorher könnte den noch nicht der NATO angehörenden Balkanstaaten ein Beitritt durch eine Aufnahme durch die EU versüßt werden. Bei einem stärkeren Engagement der EU auf dem Balkan ergäben sich vielleicht auch für die rund 800 Bundeswehrsoldaten im Kosovo größere Betätigungsfelder, als lediglich das Camp Bondsteel zu bewachen, wie das bislang der Fall ist, und die USA würden personell, materiell und finanziell entlastet.    Florian Stumfall


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Kommentare

Hein ten Hof:
3.01.2018, 13:52 Uhr

Das ist interessant, 800 Bundeswehr Soldaten bewachen Camp Bondsteel, vermutlich mit Foltergefängnis.
Handelt es sich dabei wie im alten Rom um Auxiliar Truppen?

Die Bundeswehr bewacht also zusätzlich zum Mohnanbau in Afghanistan auch die Verteilung der Drogen.
Wer bezahlt diese Soldaten? Die neuen Römer oder der ungefragte deutsche Steuerzahler?

Wird Deutschland auch im Kosovo verteidigt, wie am Hindukusch?

Der Anfang des Artikels: "Im christlichen Montenegro lebt eine Minderheit von albanischen Mohammedanern" hätte vor dem unseligen Jugoslawien Krieg lauten können: Im christlichen Kosovo lebt eine Minderheit von albanischen Mohammedanern.
Das Ergebnis ist bekannt, mit BuWe Unterstützung.


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