Wenn die Currywurst klimaneutral wird

Erderwärmung hin oder her – Vollkommen überhitzt erscheinen derzeit vor allem die Köpfe der selbsternannten »Klimaretter«

09.06.17
Angebot in einem Bonner Imbiss: Für jede Currywurst werden 20 Quadratzentimeter

Klimawandel oder Klimaschwindel? Ein Glaubenskrieg ist ausgebrochen, und wie immer im Krieg bleiben zuerst die Wahrheit und der gesunde Menschenverstand auf der Strecke.

In den Jahren zwischen 535 und 545 nach Christus sank die globale Durchschnittstemperatur um drei Grad. Verantwortlich hierfür waren Naturkatastrophen im Pazifikraum. Davon wussten die Menschen rund ums Mittelmeer aber nichts. Deshalb machte der prominente christliche Missionar und spätere Bischof Johannes von Ephesos die „Zügellosen“ und „Verschwender“ unter seinen Zeitgenossen für die Kältewelle sowie alle daraus resultierenden Hungersnöte und Seuchen verantwortlich – womit er quasi den Prototypen des „Klimasünders“ kreierte. Und auf den wartete natürlich der Henker. So lautete das Gesetz von Kaiser Justinian I., dem weltlichen Oberhaupt des byzantinischen Reiches.
Derart streng will heute offiziell niemand mehr sein, abgesehen von Richard Parncutt. Der Professor für Systematische Musikwissenschaft an der Karl-Franzens-Universität in Graz meinte unlängst: „Die Todesstrafe ist angemessen für einflussreiche Leugner der Erderwärmung“, denn es sei „prinzipiell in Ordnung …, jemanden umzubringen, um eine Million andere Menschen zu retten“. Gleichzeitig sollten die Verurteilten aber die Chance auf Begnadigung zu lebenslanger Haft haben, wenn sie ihren Thesen abschwören und sich verpflichten, aus dem Gefängnis heraus Forschungen zum Beweis der globalen Erwärmung zu betreiben. Glücklicherweise stand der wackere Musikus mit diesen Phanta-sien (noch) alleine auf weiter Flur und musste seinerseits widerrufen, um den Lehrstuhl zu behalten.
Anders sieht es hingegen aus, wenn jemand die „Klimaleugner“ – ein unsinniger Begriff, denn „geleugnet“ wird ja nur die These vom menschengemachten Klimawandel und nicht das Klima als solches – mit „Geschichtsrevisionisten“ vergleicht, die den Holocaust oder zumindest dessen Dimensionen bestreiten: Diese Art der Scharfmacherei ist mittlerweile schon eher salonfähig. Das beweist unter anderem ein kaum kritisiertes Editorial von Klaus Liedtke, vormals Chefredakteur von „National Geographic Deutschland“. Der schrieb, man solle „Unbelehrbare“ vom Schlage der „Evolutionsgegner“ und Zweifler am Klimawandel genauso konsequent juristisch verfolgen, wie jene, die den nationalsozialistischen Massenmord an den Juden in Frage stellen. Damit forderte er praktisch langjährige Haftstrafen für „Klimaleugner“ – von der parallelen sozialen Vernichtung der „Volksverhetzer“ ganz zu schweigen.
Durch die heimtückische Semantik, welche dem Begriff „Klimaleugner“ innewohnt, werden viele ängstliche Gemüter eingeschüchtert, woraus dann die Bereitschaft resultiert, sich in quasireligiöser Weise zur These vom Klimawandel zu „bekennen“ und an der Austreibung des Satans – pardon: des „Killergases“ Kohlendioxid – zu beteiligen. Denn dabei muss am Ende jeder mitwirken, schließlich enthält die menschliche Ausatemluft über 100 Mal mehr CO2 als die umgebende Atmosphäre. Zu dieser, letztlich nur mittels 100-prozentigem Luftanhalten aus der Welt zu schaffenden Erbsünde kommen dann außerdem unsere sonstigen Aktivitäten, bei denen noch mehr von dem „schädlichen Karbon“ produziert wird. Aber hier besteht ja zumindest die Chance, Verzicht zu üben oder durch „klimaneutrales“ Verhalten Buße zu tun. Dazu gehört der Kauf von modernen Ablassbriefen. „Kompensation“ heißt nun das Zauberwort: Wenn bei irgendwelchen Handlungen CO2 entsteht, dann ist eine finanzielle Abgabe fällig, welche den Ausstoß des Gases anderswo – theoretisch – obsolet macht. Das läuft natürlich auf eine Umverteilung von Vermögen hinaus, was der Chefvolkswirt des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung (PIK), Ottmar Edenhofer, auch lauthals begrüßt. Wer also „klimaneutral“ zu leben versucht, reduziert nicht etwa seinen persönlichen CO2-Ausstoß, sondern kauft sich lediglich davon frei, wobei offen bleibt, ob das Geld tatsächlich immer bei der richtigen Adresse landet oder am Ende letztlich doch nur wieder in die Taschen der ewig gleichen Absahner fließt.
Darüber denken freilich die wenigsten Leute nach, welche nun das Klima schützen wollen, wann immer dies geht und sie es sich leisten können – angefangen mit dem Einkauf im neuerdings kli-maneutralen Aldi-Süd und endend bei „karbonfreien“ Umzügen. Allerdings treibt das Bestreben, den eigenen „CO2-Fußabdruck“ zu minimieren, inzwischen etliche skurrile Blüten.
So bietet der Bonner Erivian-Imbiss klimaneutrale Currywürste an. Für jede einzelne derselben sollen dann 20 Quadratzentimeter (!) Regenwald aufgeforstet werden – gegen einen Zusatzobolus, versteht sich. Nach diesem Prinzip kann heute eigentlich fast alles „klimaneutral“ abgewickelt werden: vom Autofahren über das Drucken, Fliegen, Grillen und Heizen, die Internetnutzung sowie Urlaubskreuzfahrten bis hin zum Postversand oder der Produktion von Wein. Ja, sogar ein klimaschonendes Geschlechtsleben ist möglich, wie uns die US-Amerikanerin Stefanie Iris Weiss in ihrem Erfolgswerk „Eco-Sex“ verriet. Wie das geht? Nun, weniger Blumen schenken, „natürlich“ verhüten, fair gehandelte Reizwäsche tragen und wohnortnahes koitieren, um Benzin zu sparen. Desgleichen ist die Benutzung veganer Kondome Pflicht. Und natürlich gehören auch Öko-Vibratoren dazu, welche nicht von umweltschädlichen Batterien angetrieben werden, sondern ihre lustspendende Kraft durch das Aufladen vermittels Handkurbel erhalten. Das einzige, was zum Überleben des Planeten in dieser Hinsicht jetzt noch fehlt, ist das klimaneutrale Bordell, aber Bio-Puffs scheinen bisher keine Liebhaber gefunden zu haben.
Ansonsten könnte die Lösung natürlich ebenso darin bestehen, weitgehend auf Sex zu verzichten. Dann gäbe es deutlich weniger Nachwuchs, was die Zahl der CO2-Produzenten reduzieren würde. Nicht vergessen: Jeder Mensch pustet pro Jahr stattliche 380 Kilogramm des „Klimakillers“ in die Gegend! Alternativ dazu böten sich auch klimaneutrale Kriege an, um die Öko-Bilanz durch eine „nachgelagerte Bevölkerungsreduzierung“ aufzubessern, doch militärische Konflikte ohne Kollateralschäden in Form von Treibhausgasen sind offenbar genausowenig realisierbar wie Freudenhäuser, die kein Kohlendioxid freisetzen.
Ob das ganze umständliche und oftmals auf strenge Selbstkasteiung hinauslaufende „klimaneutrale“ Treiben am Ende tatsächlich geeignet ist, die Erde oder wenigstens deren Klima zu retten, muss freilich offen bleiben. Denn so solide fachlich untermauert, wie immer behauptet wird, kommt die These vom menschengemachten Klimawandel aufgrund der Emission von Treibhausgasen nämlich gar nicht daher. Das zeigt eine Untersuchung der kanadischen Journalistin Donna Laframboise. Mit 80 Helfern überprüfte sie alle 18531 „wissenschaftlichen Quellen“ im vierten großen Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC. Dabei zeigte sich, dass 5587 der Texte, welche angeblich aus der Feder „führender Experten“ stammten, amateurhafte Elaborate von Studenten oder Umweltaktivisten ohne jedwede einschlägige akademische Ausbildung waren. Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

Christian R.:
20.06.2017, 22:43 Uhr

Man kann sich bis zum jüngsten Tage darum streiten ob der Klimawandel menschengemacht ist. Als gesichert gilt dass die Versäuerung der Meere durch CO2 eine neue Angelegenheit ist und objektiv messbar ist. Korallensterben in diesem Ausmasse ist eine Neuerscheinung. Das Absterben der Kleinstlebewesen im Ozean ist schon gefährlich genug für unsere Nahrungskette. Ausserdem mag ich gerne Fisch essen.

Aber eins stimmt: Die ganzen Umweltorganisationen versteifen sich viel zu sehr auf CO2. Dabei gibt es noch unzählige andere Faktoren die mindestens genauso gravierend sind, aber politisch unkorrekt zu bennen.

* Überbevölkerung und der damit verbundenen Destabilisierungen und Kriege und Flüchtlingsströme
* Waldrodung gerade auch in armen Ländern, wiederum dank Überbevölkerung.
* Rohstoffknappheit. Unsere ganze Zivilisation hängt von seltenen Erden und Petrochemie, Stahl, Beton ab.
* Überfischung der Meere, wiederum weil wir zu viele Menschen sind und Fisch für viele die eine Hauptnahrungsquelle ist.

CO2, menschengemacht oder nicht, ist nur EINES von vielen Problemen. Anstatt zu versuchen unseren Lebensstandard total zu vermiesen, sollten wir lieber die Anzahl der Menschen insgesamt verringern. Es wird so oder so geschehen. Freiwillig oder unfreiwillig. Wir haben die Wahl. Theoretisch jedenfalls.


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