Wenn Warschau zündelt

Ein heikles Spiel: Wer Reparationen fordert, provoziert Grenzdebatten

09.08.17
Vertrauen beschädigt: Polens Verteidigungsminister Antoni Macierewicz (l.) und PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski

Die neuesten polnischen Reparationsforderungen sind zwar lächerlich. Dennoch können sie einigen Schaden anrichten.

Führende Vertreter der polnischen Regierungspartei PiS haben von Deutschland Reparationen wegen des Zweiten Weltkriegs gefordert, so auch Verteidigungsminister Antoni Macierewicz, ein enger Vertrauter von PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski.
Berlin wies die Forderungen postwendend zurück. Polen habe bereits 1953 endgültig auf derlei Forderungen verzichtet und dies nach dem Ende der sowjetischen Vorherrschaft mehrfach bekräftigt. Schon im vergangenen Jahr hatte daher der damalige Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier entsprechende Drohungen seitens Kaczynski mit den Worten abgeschmettert, die Reparationsfrage sei „rechtlich und politisch abgeschlossen“.
Was die polnische Seite zu derlei abenteuerlichen wie aussichtslosen Vorstößen motiviert, da­- rüber kann nur spekuliert werden. Möglicherweise handelt es sich um eine Retourkutsche. Von deutschen wie anderen (west-)euro- päischen Politikern waren (auch finanzielle) EU-Sanktionen als Druckmittel ins Gespräch gebracht worden, um Polen zur Aufnahme von Asylsuchern zu drängen. Dies wurde an der Weichsel als Erpressung und Anmaßung empfunden.
Dessen ungeachtet stellt die neuerliche polnische Provokation eine gewaltige Dummheit dar. Die PiS-Politiker beschwören die Gespenster der Vergangenheit herauf und beschädigen so das Vertrauen zwischen beiden Völkern.
Zwar haben die deutschen Vertriebenenverbände klipp und klar auf alle Rückgabeansprüche auf die Deutschland entrissenen Ostgebiete verzichtet. Dennoch haben die polnischen Forderungen umgehend eine verblüffend ausge- dehnte Debatte über die (historisch erledigte) Ostgrenzenfrage in Leserbriefspalten und Internetforen auch großer deutscher Leitmedien entfacht.
Hintergrund ist, dass die Anerkennung des Verlustes der historischen Ostgebiete von nicht wenigen Deutschen als größte Reparationsleistung der Geschichte angesehen wird. Darüber hinaus gehende Forderungen erscheinen hier als Anlass, über die betreffenden Gebiete erneut zu reden.
Dies könnte wiederum auf polnischer Seite Befürchtungen nähren, die deutschen Nachbarn hätten sich womöglich doch nicht so endgültig mit der heutigen Grenze abgefunden, wie sie es vertraglich und in unzähligen Erklärungen zugesichert haben. Der Teufelskreis des Misstrauens wäre eröffnet.
Soweit dürfen es die besonnenen Geister beiderseits der Grenze nicht kommen lassen. Deutschland ist Polens wichtigster Nachbar, für Deutschland ist Polen die zumindest zweitgrößte Nation, an die unser Land direkt grenzt. Berlin wie Warschau sollten ihr Verhältnis weder mit lächerlichen Reparationsforderungen noch mit anmaßenden Tönen in der Asylfrage vergiften. Hans Heckel


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Kommentare

Jan Kerzel:
15.08.2017, 19:18 Uhr

Die Grenze zwischen der Bundesrepublik und Polen ist völkerrechtlich verbindlich festgelegt. Deshalb braucht man darüber nicht diskutieren. Die Möglichkeiten einer Korrektur sind längst verspielt und vorbei, bzw.waren überhaupt nicht gewollt. Reparationsforderungen sind ein spezielles Anliegen von Jaroslaw Kaczynski. Wieso soll er es nicht probieren? Zu verlieren hat er bei der Sache nichts,und vielleicht schaut am Ende doch was dabei heraus. Geld ist scheinbar in Berlin genug da, von daher kann man als ausländischer EU-Politiker schon mal ins Grübeln kommen. Als größter EU-Netto-Empfänger weiß Polen, dass Nehmen seliger ist, denn Geben.


Hein ten Hof:
15.08.2017, 14:09 Uhr

Nachfolgendes aus politonline.ch
Nicht, dass man denkt ich hätte mich in dieses Thema verbissen, nachfolgende Aussagen sind einfach mehr als interessant.

>>1916, nach militärischem Raumgewinn im Osten, proklamierten die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn im November 1916 die Gründung eines selbstständigen Königreichs Polen (Zweikaisermanifest) aus zuvor russischen Gebieten. [8] Damit wurden die Friedensverhandlungen mit Zar Nikolaus II. und Rasputin, die keinen polnischen Staat mehr dulden wollten, unmöglich gemacht. Mit Kriegsende 1918 entstand auf dem Gebiet des Königreichs Polen die ›Zweite Polnische Republik‹. Diese begann unverzüglich, die Nachbarn mit Krieg zu überziehen.<<

>>Dem polnischen Armeegeneral und Ministerpräsidenten von 1981 bis 1985, Woijech Jaruzelsiki (1923-2014) [11], verdanken wir einen Einblick in die patriotische Seele vieler Polen. In seinen Erinnerungen ›Mein Leben für Polen‹ schildert er seine Erfahrungen vor Kriegsbeginn 1939: »Wir sind eine Macht. Wir sind ein großes Land …… Einmal drangen wir in der Tschechoslowakei ein und nahmen die Region Teschen in Besitz [im Oktober 1938, W.E.]. Dann richteten wir ein Ultimatum an Litauen, das sich zurückziehen mußte. Überall Defilees und Paraden, eine ständige Zurschaustellung von Macht. Und vor allem eine dauernde Geringschätzung der Kräfte des Gegners. …… Die Bolschewiken zählen sowieso nicht, eine Armee auf tönernen Füßen. Und außerdem haben wir mächtige Verbündete im Westen …… Doch damals wünschten wir uns diesen Krieg herbei ….. und wir würden diesen Deutschen zeigen, mit wem sie es zu tun hatten.« [12]. Heute, so Jaruzelski 1991 bei Abfassung seiner Erinnerungen, »erscheint uns das unerhört, und wenn ich daran denke, schäme ich mich.«

Jaruzelski ist ja nun nicht irgendwer! Sollte man nicht dieses Bekenntnis in Stein meisseln und jedem "Überfall Propagandisten" um die Ohren schlagen, damit dieser aufwacht aus seinem Kollektiv Wahn.


Hein ten Hof:
11.08.2017, 15:23 Uhr

Nachfolgendes aus dem Buch:
"Polen und die Fälschungen
seiner Geschichte"
Else Löser
Kann online geladen werden.

<<Seit Jahrzehnten gibt es im polnischen Volk ein böses Sprichwort, dasjenige von der ewigen Feindschaft zwischen Polen und Deutschen.

Es heißt: Póki ?wiat ?wiatem, Polak Niemcowi nie bedzie bratem. In der Übersetzung heißt das so: Solange die Welt bestehen wird, wird der Pole niemals des Deutschen Bruder sein.
Ein wahrlich böses Wort, für das es im deutschen Sprachgebrauch nichts entsprechendes gibt. Hier kommt die ganze Wucht des polnischen Hasses zum Ausdruck.
Woher kommt dieser gnadenlose Haß? Ist er denn geschichtlich begründet? Nein, ganz und gar nicht.

Dem deutschen Wesen ist ein so abgrundtiefer Haß fremd. Deutscherseits war man auch stets bereit, Brücken zu bauen und in jeder Weise zu helfen. Das können wir immer wieder feststellen bis auf den heutigen Tag, wo wir erleben, daß diejenigen, die uns von Haus und Hof vertrieben, die uns geplündert und zum Teil auch gemordet haben, bei uns Hilfe suchen und auch Hilfe finden. Mit Milliardenbeträgen stützen wir die Mißwirtschaft der Polen, die deutsche Bevölkerung spendet tausende Tonnen Lebensmittel. Mir liegt ein Schreiben der "Komisja Charytatywna Episkopatu Polski" aus Kattowitz vom 10. April 1981 vor. Darin bestätigt der Weihbischoff Czeslaw Domin als Vorsitzender der Caritativen Kommission der Polnischen Bischofskonferenz, daß bereits 700 Tonnen Lebensmittel für die Menschen seiner Heimat eingegangen sind. Er bestätigt auch, daß ihm bewußt sei, daß er auf die Hilfe aus Nachbarländern angewiesen sei. Die Hilfe, die sie weitergeben durften, sei jedoch wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Das soll heißen, gebt mehr. Und wir geben.>>
Zu erwähnen vielleicht, dass die verbliebene deutsche Bevölkerung in Polen NICHTS von diesen Hilfen bekam.

<<Aber Polen ist kein caritativer Fall. Polen ist nicht unverschuldet in Not geraten etwa durch Erdbeben, Überschwemmung oder Hurrikane oder gar durch Übervölkerung der Gebiete. Nicht Naturkatastrophen sind schuld an der jetzigen Lage in Polen, sondern die sprichwörtliche polnische Wirtschaft, die Unfähigkeit der führenden Schichten und deren Korruption in jeder Hinsicht. Polen ist ja nicht arm an fruchtbarem Boden, denn es hat mit Teilen Ostpreußens, Ostpommerns, Ostbrandenburgs, Schlesiens und Danzigs fast 103.000 Quadratkilometer in Besitz genommen, die zum größten Teil Kornkammern Deutschlands waren. Allein die Gebiete Westpreußen und Provinz Posen müßten Überschußgebiete sein, wie sie es früher waren. Es hat mit der Übernahme der deutschen Gebiete in polnische Verwaltung, mit dem oberschlesischen Kohlen und ErzRevier, ebenso mit blühenden Industrien und Häfen, alle Voraussetzungen für eine gesunde Wirtschaft. Aber ein Volk, das Tausende Tonnen Kartoffeln und Getreide zu Wodka verarbeitet und ihn konsumiert, ist natürlich nicht bereit und nicht fähig, zu arbeiten,um für seinen Lebensunterhalt selber aufzukommen.<<

Auch von Else Löser: "Das Bild des Deutschen in der polnischen Literatur."

Film online: <<Rassistisch motivierte, polnische Verbrechen an Deutschen von 1681 bis 1939>>

Es wird vergessen und versucht zu unterschlagen, dass Polen Ende August 1939 mobil gemacht hat, im Grunde genommen eine Kriegserklärung.

Beim Mauerfall gab es etliche die meinten man möge die Mauer abreissen aber weiter östlich wieder aufbauen. Die kannten wohl die Pappenheimer.


Arnold Schlacht:
10.08.2017, 19:45 Uhr

Kann sein, dass die Forderungen AUCH davon beeinflußt sind, sich gegen die Pseudoflüchtlingsaufnahme zu wehren. Da sollte man sich aber eher an Brüssel wenden. In dem Punkt würde ich PL sogar unterstützen.

Oder es geht um die Kritik an der Justizorganisation. Als ob das in Deutschland anders wäre. Wenn der Justizminister von der SPD ist und es gibt eine Richterstelle zu besetzen. Es gibt 3 Kandidaten. Einer von der SPD, einer von der CDU und einer AfD-nah. Wer wird es wohl? Ganz bestimmt nicht der letzte. Soviel zur Unabhängigkeit.

Ein anderer Grund für die Reparationsforderungen könnte einfach sein: "Es mangelt Geld im Sack." (Wilhelm Busch).


Marcus Junge:
9.08.2017, 23:26 Uhr

"Die PiS-Politiker beschwören die Gespenster der Vergangenheit herauf und beschädigen so das Vertrauen zwischen beiden Völkern.
Zwar haben die deutschen Vertriebenenverbände klipp und klar auf alle Rückgabeansprüche auf die Deutschland entrissenen Ostgebiete verzichtet. Dennoch haben die polnischen Forderungen umgehend eine verblüffend ausge- dehnte Debatte über die (historisch erledigte) Ostgrenzenfrage in Leserbriefspalten und Internetforen auch großer deutscher Leitmedien entfacht."

1. Welches Vertrauen?

2. Diese Verbände haben damit Verrat begangen, wie üblich und in "guter" BRD-Tradition.

3. "Historisch erledigt" - Nein, in ewiger Wühlarbeit und endloser Indoktrination durch die staatlichen Machtinstrumente Schule - Uni - Medien künstlich erzeugt. Nur ein einziges Idiotenvolk auf diesem Planeten läßt derartiges mit sich machen und ist auch noch stolz darauf der Geisterfahrer zu sein. Churchill sagte ähnliches schon bezüglich der nach dem 1. Weltkrieg geraubten Gebiete: "Hätte man derartiges mit England gemacht, es hätte sofort den nächsten Krieg gegeben."

4. So so, "entrissen" wurden sie. Na dann ist ja nicht so schlimm. Eine Formulierung würdig für die FAZ.


Jan Hus:
9.08.2017, 22:03 Uhr

Als erstes würde ich mal die Grenze für die Polen dicht machen. Was die Polen in den grenznahen Gebieten stehlen und gestohlen haben, ist über die Jahrzehnte derart gigantisch, daß es einer zweiten Beraubung der Ostgebiete nahe kommt.
Würde man nach Polen rufen: "Alle gestohlenen Autos raus.", würden die Straßen dort halb leer sein. Deutsche dürfen sich aber gegen diesen Aderlaß nicht wehren, da wir eine endlose Schuld haben. Ich Pfeife drauf!


Jürgen Umfahr:
9.08.2017, 16:20 Uhr

Völlig zu Recht beginnen die Deutschen, sich wieder an Schlesien, Pommern, Ost- und Westpreußen zu erinnern. KEINE Bundesregierung besitzt die Legitimation, einen Verzicht auszusprechen - solange es noch keinen FRIEDENSVERTRAG gibt.

Aber welches moralische Recht hat ein Staat wie die BRD, welcher Millionen von Außereuropäern tatkräftig nach Europa schleust, damit sein eigenes Volk an den Rand des Unterganges bringt und darüber hinaus diese Fremden auch noch anderen Staaten aufnötigt? Welches Recht besitzt so ein irre selbstzerstörerisches Land, irgendein Gebiet zurückzufordern? Das ist doch unter jeder x-beliebigen nichtdeutschen Verwaltung immer noch besser aufgehoben!


Siegfried Hermann:
9.08.2017, 13:21 Uhr

Warum soll eine Reparationsfrage nicht gestellt werden,
einschließlich der sofortigen Rückgabe der DEUTSCHEN Ostgebiete samt Danzig und Memelland!?

Wenn,
dann aber auch das Leid der Millionen Vertriebenen Deutschen NACH und VOR den WK_II drüber reden und Sühne leisten, Pachtgebühren für 70 Jahre "in polnischer Verwaltung übertragene Gebiete" FORDERN und vor allem die SCHULDFRAGE klären!!!
Da würden die Polen aber ganz, ganz klein aussehen, wenn das Plündern, t geschätzter 100.000 ermordeter Volksdeutscher zu Sprache kommt und
JEDE Konfliktbeilegung durch DEUTSCHER Reichs-Seite auch wegen des polnischen Korridors und der Danzig-Frage von polnischer Seite systematisch torpediert worden sind und eisern mit britischer Kriegsvorbereitung und Beteiligung voran getrieben worden sind.

Adolf hat nicht umsonst ++ZURÜCK++ geschossen gesagt.

Solange wir eine US-Kolonie sind, wird die Wahrheit bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und der Mythos Auschwitz bis zum Skt-Nimmerlein-Tag gepredigt.

Dieser gesamte Komplex Ostgebiete und Schuldfrage des WK-II und Flutung durch Sozialsysteminvasoren sind 2 völlig verschiedene Baustellen.

Wenn,
dann bitte die Forderungen und Rechnungen an Brüssel und den dahinter stehenden Finanzoligarchen schicken. Die Polen sollten bedenken, dass die normalen Bürger beider Staaten im selben Boot sitzen und von den selben bunten Herrschaften geplündert und ausgeraubt werden.
Nicht Zwist, sondern Einigkeit macht stark!


Hans-Joachim Nehring:
9.08.2017, 07:17 Uhr

Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Wenn Pan Jaroslaw Kaczynski der Meinung ist, mit dem Säbel rasseln zu müssen, muss er eine deutliche Antwort erhalten. Mit seinen Wahnvorstellungen gefährdet er ein friedliches Auskommen, wie es sich für Nachbarn in Europa gehört. Im Gegensatz zu Frankreich sind solche anmaßenden Töne und Träume u.a. auch von einem Großpolen nicht geeignet, die Verständigung der europäischen Völkerfamilie zu fördern.


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