Zäher Anfang, mühsames Ende

Bau der Potsdamer Garnisonkirche und des Berliner Stadtschlosses wird zum Trauerspiel

04.03.18
Weil sich das Fundament der historischen

Nur wenige Wochen nach dem Start zum Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche gerät die pünktliche Fertigstellung des Projekts in Gefahr. Und auch beim Berliner Stadtschloss ist wegen mangelndem Spendenaufkommens längst nicht alles in trockenen Tüchern.

Mit einem Festgottesdienst hatte die Stiftung Garnisonkirche Ende Oktober 2017 den Startschuss für den Wiederaufbau des Turms der Kirche gegeben. Seit dem Jahresbeginn herrscht auf der Baustelle allerdings weitgehende Ruhe. Wie von der Stiftung Garnisonkirche mitgeteilt wurde, gibt es technische Probleme mit dem Baugrund.
Im konkreten Fall geht es um die noch vorhandene Fundamentschicht des ursprünglichen Kirchturms. Offenbar ist zweimal der Versuch gescheitert, Bohrrohre in die mehr als vier Meter tiefe historische Fundament­schicht aus Ziegelmauerwerk und Natursteinen zu drehen. Nach Angaben der Wiederaufbaustiftung ließ sich bei einer Bohrung das Bohrrohr nur noch mit enormen Schwierigkeiten wieder aus dem Boden ziehen. Bei einem anderen Versuch einer Pfahlgründung soll das Bohrrohr sogar ganz abgerissen sein. Laut Wieland Eschenburg von der Garnisonkirchen-Stiftung läuft nach den ersten Bohrungen nun eine umfassende Überprüfung des technischen Verfahrens.
Der Zeitplan zum Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche ist eng. Eine Spezialtiefbaufirma sollte eigentlich bis Ende Mai Dutzende Gründungspfeiler für das Fundament fertigstellen. Nach dem Guss der Fundamentplatte sollte dann der Rohbau des Turms beginnen. Nach dem Baurecht des Landes Brandenburg muss der Aufbau des Turms bis spätestens 2020 abgeschlossen sein. Die Stadt Potsdam hatte die Baugenehmigung für das Projekt bereits im Jahr 2013 erteilt.
Ursprünglich waren sogar ein Baustart im Jahr 2014 und eine Einweihung des Turms im Reformationsjahr 2017 angedacht. Bislang liegen noch keine Informationen vor, wie sich der Stillstand auf der Baustelle auf die Kosten des Vorhabens auswirkt.
Auch das Projekt zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ist vor Kurzem in die Schlagzeilen geraten. Unter Berufung auf einen Bericht des Bundesbauministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages hat das Magazin „Spiegel“ über Probleme beim Spendenaufkommen und bei der Einhaltung des Zeitplans berichtet. Das wiederaufgebaute Berliner Stadtschloss soll im Jahr 2019 als ein Museumszentrum unter dem Namen Humboldt-Forum eröffnet werden. Vorgesehen ist, die Rekonstruktion der Barock­fassade sowie der Kuppel des Schlosses allein mit Spendengeldern zu finanzieren. Nach dem jetzigen Stand der Dinge reicht das Spendenaufkommen dafür offenbar aber nicht aus, sodass entgegen der ursprünglichen Absicht die Gefahr besteht, die Finanzlücke mit Steuergeldern zu schließen.
Bis vergangenen Oktober sind demnach erst 43,3 Millionen Euro an Spenden eingegangen. Der Förderverein Berliner Schloss e.V. hat insgesamt ein Spendenaufkommen von 105 Millionen Euro zugesagt: 80 Millionen Euro sollen für die Rekonstruktion der Barockfassade an Spendengeldern gesammelt werden. Weitere 25 Millionen an Spendenmitteln sollen die Wiederherstellung der historischen Schlosskuppel und dreier weiterer Innenportale des früheren Großen Schlosshofs und des Eckrondells möglich machen.
Als Reaktion auf den „Spiegel“-Artikel wies der Förderverein inzwischen auf den aktuellen Spendenstand hin. Demzufolge liegt der Gesamtspendenstand für die Schlossfassaden mittlerweile bereits bei 81,5 Millionen Euro. Der Förderverein Berliner Schloss e.V. gibt an, dass ihm 72,5 Millionen Euro an Barspenden zur Verfügung stehen. Das Volumen von Sachspenden wird mit weiteren acht Millionen Euro und der Vereins-Kassenbestand mit mindestens einer Million Euro beziffert. Laut dem Förderverein fehlen damit zum zugesagten Spendenaufkommen nur noch 23,5 Millionen Euro, die 2018 und 2019 noch zusammenkommen müssen, um die gegebene Zusage halten zu können.
Der Verein um seinen Gründer und Geschäftsführer Wilhelm von Boddien verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass seit Ende 2013 im Durchschnitt jedes Jahr mehr als zwölf Millionen Euro an Spenden für die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses eingegangen sind.    Norman Hanert


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Kommentare

Chris Benthe:
7.03.2018, 08:55 Uhr

Ja, schon wirklich eine Groteske. Für alle möglichen volksfremden Zwecke steht Geld in Milliardenhöhe bereit, werden Gesetze gebrochen, wird Rechtsbeugung in großem Stil betrieben. Dass eine völlig unsinnige,fristgebundene Bauvorschrift das Projekt Garnisonskirche bedroht, ist ungeheuerlich. Angesichts des "schwierigen" Baugrundes ist man geneigt, Manipulationen anzunehmen. Denn die Beschaffenheit des Baugrundes ist bekannt und stellt kein ernsthaftes Hindernis dar, das nicht mit modernen Bohrgeräten bezwingbar wäre. Die benötigte Spenden-Endsumme wird schon zusammenkommen, bis dahin muss, in staatspolitischem und vaterländischem Sinne, der Staat aushelfen. Keine staatliche Ausgabe ist besser angelegt als diejenige, die schon so gut wie gegenfinanziert ist, und das auch noch durch private Zuwendungen. Die Elbphilharmonie in Hamburg geriet um ein Mehrfaches teurer und wurde doch fertiggestellt, um einer elitären Wohlstandsschickeria glanzvolle,staatssubventionierte Darbietungen zu kredenzen. Der Turm der Garnisonskirche, der das Potsdamer Horizontprofil enorm aufwertet und ein großes Identifikationsmoment in sich birgt,
löst ideologisches Naserümpfen bei den "weltoffenen" Gesellschaftsexperimentatoren aus. Wieder einmal ein trauriges Kapitel Deutschland.


hans meiher:
4.03.2018, 17:03 Uhr

Nach dem jetzigen Stand der Dinge reicht das Spendenaufkommen dafür offenbar aber nicht aus, sodass entgegen der ursprünglichen Absicht die Gefahr besteht, die Finanzlücke mit Steuergeldern zu schließen.
Wer genug geld für alle Scharotzer
der welt hat,hat eben kein geld für Deutsche Kultur und Volk


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