Erste Sicherungen durchgebrannt

Spanische Sparkassenkunden verlieren Teile ihrer Anlagen – Einlagensicherung greift hier nicht

12.04.13
Vor allem spanische Rentner sind betroffen: Auch deutsche Ruheständler investieren gern in Inhaberschuldverschreibungen und Nachranganleihen, weil sie als sicher gelten und ein wenig mehr Rendite bringen Bild: pa

Allen Dementis zum Trotz mehren sich europaweit die Zeichen, dass marode Banken künftig auch mit Kundeneinlagen saniert werden sollen. Statt als Lösung für die Bankenkrise könnte sich das Vorhaben schnell als Brandbeschleuniger entpuppen, der die Euro-Zone noch schneller zum Einsturz bringt.

Nicht nur die Kunden zypriotischer Banken dürften das Jahr  2013 in unguter Erinnerung behalten. Im Windschatten des Hick-Hacks um das Rettungspaket für Zypern hat Spaniens Regierung einen Schritt unternommen, der fast noch drastischer ausfällt als die umstrittene Lösung, die auf Zypern gefunden wurde. In weit größerem Umfang als auf der Mittelmeerinsel sollen in Spanien Gläubiger von angeschlagenen Banken zur Sanierung herangezogen werden. Rund 200000 Eigentümer von sogenannten „Preferentes“ (Vorzugsbeteiligungen) werden zwischen 38 und 61 Prozent ihrer Geldanlage verlieren. Allein im Fall des Pleiteinstituts Bankia wird es 100000 Kunden – häufig Kleinanleger, darunter viele Rentner – treffen, die nun 38 Prozent ihrer angelegten Gelder in den Wind schreiben können. Auch mit Blick auf das Volumen braucht sich die spanische Variante einer Bankensanierung nicht hinter der Zypern-Lösung zu verstecken. Insgesamt will Madrid mit der Aktion mehr als sechs Milliarden Euro zusammenbekommen.
Für die betroffenen Spanier hat der Schritt drastische Folgen. Im Gegensatz zu Bankeinlagen unter 100000 Euro bürgt der Staat nicht für die „Preferentes“. Erst jetzt dürfte vielen Betroffenen klar geworden sein, worauf Hans-Werner Sinn vom Münchner ifo Institut im Zusammenhang mit der Zypern-Krise angespielt hat: „Wer nicht weiß, dass ein Sparer der Gläubiger seiner Bank ist, der tut mir leid.“
Die Tatsache, dass Kunden mit ihren Einlagen Kreditgeber ihrer Banken sind und im Notfall auch als Gläubiger haften, dürfte der Masse der Bevölkerung kaum bewusst sein. Die jüngsten Ereignisse in Zypern und Spanien werden dies nun ändern. Ordnungspolitisch ist das Verfahren, alle Bankengläubiger einzubeziehen, allemal sauberer, als wie bisher marode Banken und deren Investoren auf Kosten der Steuerzahler herauszuhauen.
Freilich gilt auch der Umkehrschluss: Wenn Bankkunden künftig genauso wie professionelle Investoren haften sollen, dann werden sie sich zunehmend auch wie Anleger verhalten. Trotz Einlagensicherungsfonds und staatlichen Garantieversprechen für Sparvermögen wird künftig auch „Otto Normalverbraucher“ genauer hinschauen, welcher Bank er sein Geld anvertraut. Tut er dies nicht, läuft er Gefahr, mit Girokonto und Sparbuch für die  Sanierung von Zockerbuden zu haften.
Allen Dementis zum Trotz mehren sich die Hinweise, dass weder Zypern noch Spanien „Sonderfälle“, sondern nur Vorreiter waren und dass der Rückgriff auf Kundenguthaben zum Standardmodell werden soll. Aufschlussreich ist hier ein Interview, das  Bundesbank-Präsident Jens Weidmann unlängst im Deutschlandfunk gegeben hat. Es gebe „Arbeiten auf europäischer Ebene an einem Abwicklungsregime“, so der oberste Bundesbanker. Weidmann weiter:  Banken sollen „verursachergerecht abgewickelt werden können“, ohne eine Gefahr für das Finanzsystem darzustellen. Zwar sprach sich Weidmann dafür aus, dass zunächst einmal die „Eigentümer der Banken in die Haftung genommen werden, dann die Fremdkapitalgeber“ und erst  ganz am Ende der Haftungskette die Einleger. Wenig vertrauenserweckend klingt in diesem Zusammenhang allerdings seine Erklärung, dass Bank-Guthaben unter 100000 Euro „möglichst nicht angetastet“ werden sollen. Mit anderen Worten: Es ist keineswegs ausgemacht, ob künftig nicht auch kleinere Sparguthaben herangezogen werden. Fraglich ist allerdings, wie lange dieses Modell von Bankensanierung überhaupt funktionieren kann. Unter den konkreten Bedingungen wird sich unter den Banken der Euro-Zone schnell die „Spreu vom Weizen“ trennen, werden  Kunden im Zweifel ihre Einlagen von schwachen Banken abziehen.
Profiteure der Entwicklung werden solide erscheinende Banken im Kern der Euro-Zone sein.  Im Klartext bedeutet das noch mehr Kapitalflucht aus der Euro-Peripherie als bisher. In der Folge könnte der Bankensektor einiger Krisenländer regelrecht austrock-nen, erneut einspringen müsste dann die EZB.
Diese Gefahr wird nun sogar noch weiter angeheizt – durch einen weiteren, im Laufe der Zypernkrise begangenen Tabu-Bruch. Erstmalig in der Geschichte des Euro sind Kapitalverkehrskontrollen verhängt worden, die gemäß Maastricht-Vertrag eigentlich untersagt sind. Das Verbot, über sein Geld frei verfügen und es auch ins Ausland überweisen zu können, dürfte langfristig eine ebenso verheerende Wirkung entfalten, wie der Zugriff auf Kundeneinlagen zur Banksanierung. Die Botschaft ist eindeutig. Ein Euro, der auf einer zypriotischen Bank liegt, ist im Ernstfall weniger wert, als ein Euro, der etwa auf einem Bankkonto in Deutschland liegt. Setzt sich diese Erkenntnis in den südlichen Euro-Krisenländern erst einmal in der breiten Masse durch, könnte dies leicht zum Brandbeschleuniger in der Krise werden. Nicht von ungefähr warnt der US-Ökonomen Doug Casey in seinem renommierten Informationsdienst „Casey-Report“ inzwischen davor, dass Zypern „der Funke gewesen sein könnte, der das Fass Dynamit, auf dem das weltweite Finanzsystem steht, anzündet“.  Zypern habe gezeigt, so Casey, dass die Regierungen durchaus bereit und in der Lage sind, Geld auf Bankkonten zu konfiszieren, um das Bankensystem am Leben zu halten.  
 Norman Hanert


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Kommentare

Paul Barsch:
18.04.2013, 21:42 Uhr

Weg mit der EU jahreland dem Treiben der Banken zugeschaut und sogar noch mit gemacht. Der Bürgerkrieg in Europa ist nicht mehr aufzuhalten und darauf warten nur die Islamisten.


Christian Zimmermann:
18.04.2013, 00:46 Uhr

"wird künftig auch „Otto Normalverbraucher“ genauer hinschauen, welcher Bank er sein Geld anvertraut." Wie soll das funktionieren - sich einen Mitarbeiterstab von Ökonomen zulegen? Geld wird aus den Banken flüchten und alles wird zusammenbrechen:nach dem ersten Bankrun wird nix mehr ausgezahlt und das Geld ist pfutsch. Alles weg. Da werden Leute sich die Lichtsäulen von oben anschauen dürfen.


Hartmut Lau:
14.04.2013, 20:52 Uhr

Jeder Bankkunde war und ist schon immer der Darlehensgeber fuer "Seine" Bank. Ihr Kredit an die Bank ist gut fuer die 1 % Hinterlegung an die Bundesbank, damit mit dem Faktor 99 Geld aus dem Nichts ( Fiat Geld, Giralgeld) geschoepft werden kann.
Diese Geschaeftsmodell ist so genial, denn mit der staatlichen Legitimation , sprich Geetzeskraft, aus mathematischen, naturgesetzliche Gruenden die Massenenteignung nebst Verelendung ganzer Volkswirtschaften zwingend erfolgen.Es ist ein staatlich erlaubtes Schneeballsystem.
Wer das nicht will, der ist gefordert, sich dafuer einzusetzen, dass der Zins im Geldsystem absolut entfernt werden muss.
Weiter ist es im Schuldgeld System nicht moeglich, Schulden zu bezahlen, denn wuerden diese bezahlt werden,gibt es danach kein Geld.

All diese Folgen im Schuldgeldsystem, konnten nur aus der Unkenntnis und der falschen Lehren an den Schulen, Praxis werden. Ich kann nur hoffen, dass nach dem Crash, ein Geldsystem installiert wird, wo die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden.


Baumann Andé:
13.04.2013, 13:08 Uhr

Das verzinste Geldsystem ist in seiner Endphase - das versteht das Volk nur noch nicht. Nach dem totalen, finalen und mathematisch logischem Ende könnt ihr dann nachdenken, was schlauer sein wird.
Das gleiche Zins-Schneeballsystem von vorne starten nud binnen 80 Jahren wieder knallen lassen, oder eine neue Lösung suchen.
www.wissensmanufaktur.net
PLAN B ist DIE Lösung.


Zander Schröer:
13.04.2013, 05:48 Uhr

Das ungedeckte Schuldgeld zeigt nun sein wahres Gesicht, dass man nicht ewig nur Geld aus dem Nichts erschaffen kann um dieses System mit seinem ewigen Wachstum am laufen zu halten.
Gut das es bald zu Ende gehen wird..


Frank Frei:
13.04.2013, 04:15 Uhr

Wenn ich mehr Geld "verleihe" als ich wirklich besitze, dann komme ich in den Knast. Bei den Banken nennt man sowas Bilanzverlängerung. Wer dass nicht kapiert, bleibt ewiger Zinsskalve.


sitra achra:
12.04.2013, 19:08 Uhr

Wie lange soll dies "Spielchen" denn noch weiterbetrieben werden?
Irgendwann wird der Strom abgestellt.


Jörn Gebert:
12.04.2013, 19:00 Uhr

Man darf in der gegenwärtigen Situation kein Bargeld besitzen. Nur Gold, Silber und gute Gold/Silberaktien - die allerdings über die Banken verwaltet werden. Ja sicher, es handelt sich um Sondervermögen auf das im Bankinsolvenzfall nicht zugegriffen werden darf. Aber wer weis, wie dass im Caos des kommenden Zusammenbruch abgewickelt wird. Daher können Goldaktien nur eine Beimischung sein. Aber in jedenfall sollte mein kein Bargeld horten, lieber Goldmünzen verkaufen wenn man ein Anschaffung tätigen will.


Peter Schlüdt:
12.04.2013, 16:02 Uhr

Die Kunden tun gar nichts, obwohl der gesunde Menschenverstand es einen erwarten lassen würde.

Die hocken da, sind beschäftigt, abgelenkt, ignorant usw. und lassen den Dingen ihren Lauf.

Siehe Griechenland:
- 25% der Abhebungen von 2012, wurden jetzt wieder eingezahlt.
- Nicht mal 5% der Zyprioten haben reagiert, als die Banken wieder öffneten

Hoffnungslos. Die Leute wollen ihr Geld auf die Bank tun und damit das System am leben halten, das sie nur betrügt und ruiniert.


Karsten Voges:
12.04.2013, 07:17 Uhr

'wird künftig auch „Otto Normalverbraucher“ genauer hinschauen, welcher Bank er sein Geld anvertraut. Tut er dies nicht, läuft er Gefahr, mit Girokonto und Sparbuch für die Sanierung von Zockerbuden zu haften.'

Auf die eine oder andere Weise werden die Menschen auf diese Veränderungen reagieren. In den meisten Fällen geht es aber noch einfacher: Menschen, die ein Giro-Konto haben, nutzen dies in der Regel für den Zahlungsverkehr und nicht zur Erwirtschaftung einer Rendite. Bei den am Markt angebotenen Giro-Konten handelt es sich rechtlich um ein Darlehen, weswegen die Kunden bei Einlagen automatisch Gläubiger sind. Es wird daher Zeit, daß die Kunden Produkte nachfragen, bei denen das Konto eben nicht automatisch ein Darlehen ist, sondern der Zahlungsverkehr auf Kommissionsbasis abgewicklet wird. Damit ist es nicht mehr Teil der Konkursmasse. Da die Bank die Einlagen bei einem solchen Produkt dann nicht weiterverleihen darf, werden sich natürlich die Kontoführungsgebühren erhöhen. Eine überschaubare Erhöhung, sofern durch ausreichende Konkurrenz ein freier Markt vorhanden ist. Sollten solche Produkte trotz starker Kundennachfrage nicht oder nur zu stark überhöhten Konditionen angeboten werden, müßten die Kartellbehörden sich die Situation vielleicht mal genauer anschauen.


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