Der fünfte Beatle

Was wie das fünfte Rad am Wagen klingt, war im Fall von Klaus Voormann eine wichtige Ergänzung

21.12.18
Ein junggebliebener Hamburger Jung: Klaus Voormann wurde dieses Jahr 80 Bild: pa

Die beiden Weltkarrieren des „fünften Beatle“: Klaus Voormann blickt auf 60 Jahre seines Schaffens zurück.

Als fünfter Beatle bezeichnet zu werden, findet Klaus Voormann nicht ganz treffend. Doch kaum jemand hat über so einen langen Zeitraum mit allen Bandmitgliedern der erfolgreichsten Band der Welt musiziert. Bereits durch die Gestaltung des Schallplatten-Covers „Revolver“ von 1966 hatte sich der Künstler, der dieses Jahr  80 Jahre alt wurde, einen Fixplatz in der Musikgeschichte gesichert.
Ein morgendlicher Anruf von John Lennon höchstpersönlich hatte Klaus Voormann 1966 den Auftrag seines Lebens gebracht, für den er im Folgejahr seinen ersten Grammy, die höchste Auszeichnung im Musikbusiness, einheimste. Das Design des BeatlesAlbum „Revolver“ gilt als ein Meilenstein in der Musikszene – und ist bis heute Voormanns künstlerisches Erkennungszeichen.
Dabei hatte er sich zunächst ein Cover, das auch die Erwartungen der Fans und der Beatles selbst erfüllen sollte, gar nicht zugetraut. Er habe Zweifel gehabt, verriet Voormann kürzlich in Hamburg bei einer Kurz-Ausstellung, bei der es um sein künstlerisches Werk ging. „Das kann ich nie und nimmer“, sagte er. Doch der damals 28-Jährige konnte sehr wohl, was seine vier Freunde aus Liverpool wollten. „Mit Sicherheit ist das Cover Artwork des Albums Revolver mein Meisterstück“, weiß der geborene Berliner.
Und er konnte noch viel mehr. Mindestens 100 weitere Plattencovers folgten, von Auftraggebern wie den Bee Gees bis hin zur Death-Punk-Band Turbonegro. Doch vielen Menschen ist die Bandbreite seiner gesamten grafischen Arbeit nicht bekannt. Sie ein wenig bekannter zu machen, dazu sollte seine Ausstellung im Rahmen des Reeperbahn-Festivals im November beitragen. Die Schau im Hamburger Stadtteil St. Pauli, also an dem Ort, wo die Karriere der Beatles in den frühen 60er Jahren begann, präsentierte 72 Reproduktionen bekannter Werke und viele bislang nicht gezeigte Exponate aus 60 Jahren Schaffenswerk auf überdimensionalen Kunstbannern und Modulwänden, ergänzt durch Film- und Bild-Projektionen.
Doch Voormann, der in Hamburg an der Meisterschule für Gestaltung studiert und dort auch als grafischer Designer und Illustrator gearbeitet hatte, war als Musiker ebenso gefragt. Dabei war es eher Zufall, der ihn – obgleich seit seiner frühen Jugend auch ein begabter Klassikpianist – sein großes Talent als Bassist erkennen ließ. Ein Zufall, der in der Begegnung der noch unbekannten Beatles 1960 im Hamburger Kaiserkeller nahe der Reeperbahn lag. Voormann, der nach dem Ausstieg des frühen Beatles-Bassisten Stuart Sutcliffe dessen Bass kaufte, überzeugte die anderen schnell mit seinem musikalischen Talent. Als er sich als neuer Beatle ins Spiel brachte, erteilte ihm John Lennon eine Absage. Doch das sollte seiner Freundschaft mit den Pilzköpfen, deren Frisur übrigens eine Erfindung von Voormanns Freundin und Studienkollegin Astrid Kirchherr war, keinen Abbruch tun.
Fünf Jahre später, im Erscheinungsjahr des Albums „Revolver“, stieg Voormann bei dem Musiker Manfred Mann ein. Es folgten zahlreiche internationale Engagements. So spielte er auf Lou Reeds Album Transformer als Bassist mit. Als Studiobassist hat er unter anderem auch mit Carly Simon, Harry Nilsson, Randy Newman und B.B. King gearbeitet.
Zudem führte die Freundschaft mit den Beatles dazu, dass er bei zahlreichen Soloprojekten von John Lennon, Ringo Starr und George Harrison den Bass spielte. Voormann war auch 1969 Gründungsmitglied von John Lennons Plastic Ono Band und an den Langspielplatten „Imagine“, „Ringo“ oder „All Things Must Pass“ sowie dem „Concert for Bangla Desh“ beteiligt.
Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Los Angeles kehrte er 1979 nach Deutschland zurück und wurde Musikproduzent. Auch in dieser Funktion reüssierte er und verhalf der Band Trio 1982 mit deren Hit „Da Da Da“ zu einer steilen Karriere. Darüber hinaus arbeitete Voormann mit Künstlern wie Marius Müller-Westernhagen, Nena und Heinz Rudolf Kunze zusammen.
Mitte der 1990er Jahre gestaltete er noch einmal ein Beatles-Cover und verlieh der Beatles-Anthology seine unverwechselbare Handschrift. 1999 schuf er einige Grafiken für Paul McCartneys Album „Run Devil Run“. Am 29. November 2002 nahm er am Gedenkkonzert für George Harrison, der ein Jahr zuvor verstorben war, in der Londoner Royal Albert Hall teil.
2003 machte er sich mit seinem Buch „Warum spielst du ,Imagine‘ nicht auf dem weißen Klavier, John?“ auch als Autor einen Namen. Darin schrieb Voormann über seine Zeit mit den Beatles und auch viele andere Begegnungen sowie über das Leben in der internationalen Musik-Szene.
Sein spätes Debüt als Solomusiker gab Voormann erst 2009 mit „A Sideman’s Journey“. Dabei spielten auch viele seiner alten Weggefährten mit, die er als „Sideman“ auf ihrer „Journey“ begleitete. In die Fußstapfen des Revolver-Albums begab sich Voormann, als er 2012 das Artwork für das Album „Who is jo King?“ der Band Fools Garden gestaltete. Am 22. September desselben Jahres wurde Klaus Voormann im Rahmen des 32. Lahnsteiner Bluesfestivals der nach Louis Armstrong benannte Bluespreis „Blues-Louis“ verliehen.
Drei Monate vor seiner kürzlich gezeigten Ausstellung stand Voormann gemeinsam mit einem alten Freund wieder auf der Bühne: So trat er bei einem Konzert von Ringo Starr and his All Star Band als Überraschungsgast auf. Natürlich in jener Stadt, wo alles begann.    Michael Link


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