Deutsche Namibier leisten Widerstand

Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (DELK) lehnt es ab, sich EKD-Schuldbekenntnis anzuschließen

10.01.19

Bei der Niederschlagung des Herero-Aufstanden von 1906 bis 1908 in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, beteiligten sich auch Pfarrer der Rheinischen Missionsgesellschaft. 2017 legte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dazu ein Schuldbekenntnis ab, doch die deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (DELK) weigert sich bis zum heutigen Tag, sich diesem Schuldbekenntnis anzuschließen.
Die lutherische Christuskirche der namibischen Hauptstadt Windhuk gilt als wichtiges Wahrzeichen und Touristenziel der 1889 von dem gebürtigen Luxemburger Curt von François zwischen den verfeindeten Völkern der Herero und Nama (Hottentotten) gegründeten Hauptstadt der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Die Herero und Nama waren die beiden damals größten Völker des Landes. François gründete die neue Hauptstadt zunächst als militärische Feste bewusst auf den Ruinen einer zerstörten Missionsstation, um weiteren kriegerischen Aktivitäten der beiden Völker vorzubeugen. Beide Völker bekriegten sich nicht mehr, begannen vielmehr sich zu verbünden und erhoben dann gegen die Kolonialherren die Waffen. Nach einer Reihe von Morden an deutschen Landwirten schlug die deutsche Kolonialmacht mit aller Macht zurück und trieb Tausende von Angehörigen der beiden Völker in die Omahekewüste, in der viele zwischen 1906 und 1908 verdursteten.
Das Kaiserreich hatte damals von der Missionsleitung der Rheinischen Mission in Wuppertal-Barmen ein deutliches Bekenntnis zum deutschen Kampfeinsatz verlangt und dieses auch bekommen. 1910 wurde als Dank für die Niederschlagung des Aufstandes die Christuskirche von Windhuk gebaut. An einer großen Wandtafel der Kirche wurden die Namen der 2000 gefallen deutschen Soldaten und ermordeten Zivilisten Südwestafrikas verewigt. Obwohl die deutsche Kolonialzeit bereits 1915 und die Kolonialverwaltung Südafrikas 1990 zu Ende ging, dient die Christuskirche bis heute der kleinen deutschen lutherischen Gemeinde als Kirche.
Im Luther-Gedenkjahr 2017 hatte sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für den „Völkermord an den Nama und He­re­ro“ für die ehemalige Kolonialmacht Deutschland, die das gleiche bereits 2015 gemacht hatte, entschuldigt. Die 1960 gegündete Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in Südwestafrika, die seit 1992 den Namen „Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia (DELK)“ führt, hat sich jedoch jetzt von diesem Schuldeingeständnis distanziert. Ihr Landesbischof Burgert Brand sagte im Deutschlandfunk: „In der Stellungnahme der EKD hat man manchmal den Eindruck, als seien wir eine ,Täterkirche‘. Und dann gebe es eine ,Opferkirche‘, ich lehne diese Unterscheidung grundsätzlich ab. Die DELK ist gegründet worden, lange nachdem die Kolonialgeschichte vorbei war.“
Anders als die große Mehrheit der EKD-Mitglieder, die nie in Namibia waren, hat Brand, der 1959 im namibischen Swakopmund geboren wurde, fast sein ganzes Leben in diesem Land verbracht. Lediglich seine theologische Ausbildung hat er in Südafrika absolviert. Während der Unabhängigkeitswerdung Namibias 1989 bis 1995 war er Pastor in Windhuk und einigen Landgemeinden. Seit Beginn 2015 ist er Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia (DELK), die 5300 Mitglieder hat.
Die lutherischen Deutsch-Namibier fühlen sich von den Kritikern aus Deutschland zu Unrecht an den Pranger gestellt. Bischof Brand will die Kolonialverbrechen des Deutschen Reiches sowie die Verbrechen der ehemaligen Befreiungsbewegung und langjährigen Regierungspartei SWAPO, die viele ihrer kritischen Mitglieder während des Unabhängigkeitskrieges in Angola gefoltert und ermordet hatte, zusammen behandeln. Vor allem weigert man sich, den Krieg gegen Herero und Nama mit dem Holocaust zu vergleichen, wie das Vertreter dieser beiden Völker getan haben. Bischof Brand wirft der EKD auch vor, nicht bedacht zu haben, dass die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia (DELK) keine Landeskirche der EKD mehr ist, sondern „eine eigenständige und unabhängige namibische Kirche“.
Lutherische Mission im südlichen Afrika gab es bereits vor der deutschen Inbesitznahme des Landes 1884. Missionare der Rheinischen Mission bauten bereits ab 1842 Missionsstationen, Schulen und Handwerksbetriebe in dem weiten, nur dünn besiedelten Land. Auch die ersten deutschen Siedler waren bereits als Angehörige von Missionaren vor den Kolonialtruppen in das Land gekommen. Die Mission war sehr erfolgreich, denn Namibia ist heute mit fast 90 Prozent Christen, drei Viertel davon Protestanten, mit das christlichste Land Afrikas.
Es gibt heute drei evangelische Kirchen. Die Evangelical Lutheran Church in Namibia (ELCIN) im Norden des Landes und die Evangelical Lutheran Church in the Republic of Namibia (ELCRN) im Zentrum und Süden des Landes haben beide den Unabhängigkeitskampf der schwarzen Mehrheitsbevölkerung gegen Südafrika unterstützt. Aus den Reihen dieser beiden Großkirchen werden die Forderungen der Vertreter der Nama und Herero nach Entschädigung an die deutsche Regierung unterstützt. Die namibische Regierung hat sich bislang zu den Entschädigungsforderungen nicht geäußert, heute bilden die Herero und Nama nur noch zehn Prozent der namibischen Bevölkerung, das Volk der Ovambos aus dem Norden des Landes stellt heute die Mehrheit der Bevölkerung, Deutsche stellen noch gerade ein Prozent.    B.B.


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Kommentare

Hans Stahlke:
12.01.2019, 16:17 Uhr

Die vor der deutschen Schutztruppe flüchtenden Eingeborenen waren auf dem Weg in britisches Kolonialgebiet, auf Einladung der Engländer. Die meisten kamen auch an,-verdurstet sind, wenn überhaupt, nur Wenige!

Sie flüchteten wohl hauptsächlich von ihren Anführern dazu gebracht, die natürlich Bestrafung erwarteten.

Nachdem bei dem von England inszenierten "Aufstand" etliche grausame Massaker verübt worden waren, wie sie bei primitiven Stammeskulturen normal waren (u.a. auch schon bei den antiken Germanen, den nordamerikanischen Indianerstämmen usw.)

Wobei sich übrigens nach zeitgenössischen Berichten besonders die Frauen der Herero und Hottentotten hervortaten, - auch etwas, das so garnicht zur gegenwärtigen Ideologie der "Edlen Wilden" und dem überzogenen Radikal-Feminismus mit seinen Phantasien von der besseren Hälfte der Menschheit passt.

Dasselbe noch im 20. JH beim "Kabila-Aufstand" im Kongo. Bei dem die Schwarzen mit Kriegsbemalung und teilweise mit Schild und Speer antraten; außerdem glaubten sie durch Zauber der Medizinmänner kugelfest zu sein.

Peter Scholl-Latour, der auch bei diesen Kämpfern war und berichtete (und erklärte, dabei das erste Mal in seinem gefährlichen Berufsleben, u.a. als Soldat in Indochina, wirklich Angst gehabt zu haben), beschloß übrigens sein Buch "Afrikanische Totenklage" mit einem Zitat aus einem Roman von Joseph Conrad: "The horror, the horror!"

Nebenbei bemerkt gab es nach Niederschlagung des Herero-Aufstands erregte Debatten im Reichstag und Kaiser Wilhem erschien nicht zur Begrüßung der heimkehrenden Soldaten der Schutztruppe. Paßt nun wieder nicht ins Schuldkult-Bild von den bösen Preußen, nicht wahr?

Wie auch immer, die heutige Herero-Legende ist im Prinzip nichts neues unter der Sonne. Wie Voltaire schon sagte, ist "...Geschichte die Lüge, auf die sich die Historiker geeinigt haben!"

Die der jeweiligen Zeit und Nation, sollte man hinzufügen.


Siegfried Hermann:
10.01.2019, 00:24 Uhr

Der verlogene, ideologisch-fanatische "Endsieg-Schuldkult-Mythos der "Täter"-Deutschen", der beiden Amtskirchen bis hinab auf unterster Funktionärsebene ist mittlerweile unerträglich geworden und bar jeder Realität und Fakten.

Fakt ist, dass die netten Briten die Aufstände erst ideologisch, dann logistisch und mit Waffenlieferungen möglich gemacht haben.
Fakt ist auch, dass die schwarzen Aufständischen mit ihren Familien ohne Ortskenntnisse (!) durch die Wüste zogen und das Risiko eingingen zu verdursten, als sich den deutschen Schutztruppe zu ergeben. Das hätte zumin. die Frauen und Kinder gerettet!

Die Weißen in Namibia haben also jedes Recht sich diese widerlichen Schuldzuweisungen und vor allem Reparationen, sprich, Geldforderungen (!), worum es eigentlich nur geht, von sich zu weisen.


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