Die weltweite Verfolgung von Christen nimmt zu

Besonders gefährdet sind die Gläubigen in Gesellschaften mit anderen prägenden Religionen und in Diktaturen

18.12.19
Foto: pa

Es war kein gutes Jahr für die Christen dieser Welt. Immer mehr von ihnen müssen Einschränkungen ihrer Glaubensfreiheit bis hin zu offener Verfolgung erleiden. Dies geht aus dem aktuellen Weltverfolgungsindex (WVI) des christlichen Hilfswerks „Open Doors“ hervor, der diejenigen 50 Länder auflistet, in denen Christen am stärksten drangsaliert werden.
Besonders betroffen sind die Gläubigen derzeit in hinduistisch, buddhistisch und islamisch geprägten Gesellschaften sowie in Diktaturen, vor allem in kommunistischen. So stehen im aktuellen Index Nordkorea, Afghanistan, Somalia, Libyen, Pakistan, Sudan, Eritrea, Jemen, Iran, Indien, Syrien und Nigeria an der Spitze.
Die drei großen aktuellen Trends sind einerseits die Zunahme der staatlichen Drangsalierung, vor allem in Asien. Besonders verschlechtert hat sich die Situation in China. Laut „Open Doors“ sollen die etwa 100 Millionen Christen im Lande „nach den am 1. Februar 2018 eingeführten Vorschriften für religiöse Angelegenheiten ihre Treue zu Jesus Christus durch eine kompromisslose Loyalität zur Kommunistischen Partei ersetzen“.
Der zweite große Negativtrend ist die zunehmende Brandmarkung von Christen als Anhänger einer „fremden Religion“ durch ultra-nationalistische Strömungen. So gilt das Christentum in Ländern wie Indien nicht nur bei radikalen Randgruppen als „westlich“ und „fremd“. Seit Jahren schon ist der Kampf gegen religiöse Minderheiten ein Hauptanliegen der regierenden hindu-nationalistischen Partei BJP von Premier Modi. In der Folge müssen christliche Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Wohltätigkeitsorganisationen schließen. Zudem griffen hinduistische Mobs zuletzt rund 100 Kirchen sowie mehr als 12 500 Gläubige an.
Der dritte Großtrend ist die Verbreitung des extremistischen Islam über den Nahen Osten hinaus in die Region Subsahara-Afrika. Hier zeigt sich, dass der „Islamische Staat“ (IS) trotz seiner Gebietsverluste in Syrien und Irak noch lange nicht geschlagen ist. In Somalia und im Norden Nigerias betreiben Anhänger des IS mit großer Brutalität die ethnische Säuberung von christlichen Dörfern und Gemeinden. Auch in Ägypten greifen IS-Kämpfer Christen mit tödlichen Anschlägen auf Kirchen und gezielten Ermordungen an.
Bereits im September beklagte Christof Sauer, Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule in Gießen, in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) die Zunahme von Gewalt gegen Christen. Dabei nannte er unter anderem die Schließung von 4 000 Kirchen in Angola und von 6.000 Gotteshäusern in Ruanda. In Mosambik köpften Gewalttäter zehn Menschen, um die übrige Bevölkerung zu vertreiben und das Land übernehmen zu können.
Sauer erwähnte auch, dass die Christen ihrerseits andere religiöse Minderheiten selten angreifen würden, und wenn, „dann oft gegen den Willen der Kirchenführer“. Das wirft die Frage auf, wie die Christen generell mit dem Problem umgehen sollen.
Natürlich wird kein vernünftiger Mensch fordern, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Eine Spirale der Gewalt würde niemandem helfen, am wenigsten denjenigen Christen, die ohnehin schon unter immensem Druck stehen. Doch wäre es zumindest ein starkes Zeichen, wenn all diejenigen, die sonst immer dabei sind, wenn hierzulande einheimische Extremisten Ausländer attackieren, auch einmal lautstark die weltweite Gewalt gegen die Schwestern und Brüder im Glauben anprangern würden. Warum nicht einmal eine Demonstration vor den Botschaften derjenigen Länder, die einen Spitzenplatz im Weltverfolgungsindex haben?
Wir alle freilich könnten, wenn wir zu Weihnachten in die Kirche gehen, daran denken, dass das Christsein auch zweitausend Jahre nach Jesu Geburt keinesfalls selbstverständlich ist. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein besinnliches Fest.

René Nehring


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Kommentare

Annegret Kümpel:
27.12.2019, 22:27 Uhr

Bisher habe ich nur einen Politiker gehört, der sich zur Vernichtung der Christen geäußert hat. Boris Johnson. Von den Pfaffen kein Wort in den "Weihnachtsbotschaften". Traurig!


sitra achra:
23.12.2019, 14:48 Uhr

Sind es in D nur gewalttätige Einzeltäter oder Randgruppen, geht die Vernichtungsaggression gegen Christen in muslimischen Ländern vom Staat oder von der islamischen Religionsgesellschaft aus, ist also systemisch.
Diese Tatsache wird ideologiegebunden von der westlichen Gesellschaft ignoriert.
Selbst der Papst schleimt sich trotz dieses schleichenden Genozids an seinen Schäfchen an die muslimischen "Brüder" an.
Daher bleiben die Opfer der muslimischen Hassverfolgung gänzlich ohne Schutz.
Wie verkommen sind denn diese unsolidarischen westlichen Ignoranten? Sie machen sich der Beihilfe zum Massenmord schuldig.
Merkwürdig, dass sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können...


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