Fremdherrschaft im Preußenhaus

Schloss Cecilienhof bereitet das Jubiläum der Potsdamer Konferenz vor – Hohenzollern gehen dazwischen

09.08.19
Hier wurde Weltgeschichte geschrieben: Konferenzsaal von Schloss Cecilienhof Bild: SPSG/Peter-Michael Bauers

Schloss Cecilienhof hat durch die Potsdamer Konferenz von 1945 Weltgeschichte geschrieben. Zum Jubiläum bereitet man dort, das mit jährlich 140000 Besuchern zu den meistbesuchten preußischen Schlössern zählt, für eine Million Euro eine opulente Sonderausstellung vor – just zu einem Zeitpunkt, da das Haus Hohenzollern Rückgabeforderungen stellt.

Am 17. Juli begann vor 74 Jahren um exakt 17.08 Uhr die Potsdamer Konferenz zwischen dem sowjetischen Herrscher Josef Stalin, US-Präsident Harry S. Truman und dem britischen Premierminister Winston Churchill, der nach den Wahlen Ende Juli von Clement Attlee abgelöst wurde. Auf der bis zum 2. August 1945 dauernden Konferenz der Alliierten ging es um die Aufteilung Europas und Asiens nach Ende des Zweiten Weltkrieges.
Hier zu verhandeln, bei wahrscheinlich ähnlich heißen Juli-Temperaturen wie heute, war eine nervenaufreibende Aufgabe. In Erinnerung geblieben sind die Korbsessel, in denen sich die drei Mächtigen ablichten ließen.
Mit einer Sonderausstellung zum 75. Jubiläum der Konferenz soll im nächsten Jahr gezeigt werden, wie Schloss Cecilienhof zu einem Ort der Weltgeschichte wurde. Eine multimediale Zeitreise soll Einblicke in die Schicksalstage des Sommers 1945 ermöglichen.
Vier Kernbereiche werden zu sehen sein. Als erstes geht es um die Berliner und Potsdamer Konferenz der „Großen Drei“, des Weiteren um die „Neuordnung Europas“, auch – und bisher weniger beachtet – um das Schick­sal Asiens und des Mittleren Ostens sowie zum Schluss um die „Welt nach 1945“.
Die schon einige Monate zuvor auf der Konferenz von Jalta auf der russischen Halbinsel Krim zu spürenden Spannungen zwischen den Großmächten mündeten nach der Potsdamer Konferenz schon bald in den Beginn des Kalten Krieges und in die Teilung Deutschlands. Und wieder war das jüngste Hohenzollernschloss hautnah an der Geschichte beteiligt. Die Mauer verlief im Garten und verdeckte die Sicht über die Havel nach West-Berlin.
Anders als bisher, soll es jetzt auch um die namenlosen Menschen gehen. Diejenigen, die mit den Auswirkungen der Politik leben mussten und solchen, die im Hintergrund der Konferenz die Dinge am Laufen hielten. Die damalige Sekretärin Churchills, Joy Hunter, kam als junges Mädchen nach Potsdam. Stiftungsmitarbeiter suchten die heute 95-Jährige in der Nähe Londons auf. Sie hat vor, auch zur Ausstellung zu kommen und liefert schon jetzt ein außergewöhnliches Zeitzeugnis für die Schau: ihr Tagebuch von damals, in dem sie detailliert die täglichen Abläufe notierte.
Fruchtbare Verhandlungen der Schlösserstiftung mit Russland, Großbritannien und den USA führten zu besonderen Leihgaben wie unbekannten Filmaufnahmen der Konferenz und persönlichen Gegenständen der Teilnehmer. Zwar nicht das Original, aber originalgetreu ist das bereits angekaufte britische Feldtelefon, das den Schreibtisch Churchills krönen wird, so Ausstellungkurator Matthias Simmich.
Brisant ist, dass genau jetzt Ansprüche des einstigen Herrscherhauses der Hohenzollern laut wurden, wo es unter anderem um ein dauerhaftes, unentgeltliches Wohnrecht in Schlossanlagen wie dem Schloss Cecilienhof, das gerade aufwendig saniert wurde, der Villa Liegnitz oder Schloss Lindstedt in Potsdam geht sowie um einen Rechtsstreit über Entschädigungen für enteignete Immobilien. Dieser sei jedoch zurzeit „ruhend gestellt“, so die brandenburgische Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil, um die parallel laufenden Einigungsgespräche nicht zu belasten.
Seit 2013 laufen Verhandlungen, in denen es um einen außergerichtlichen Vergleich geht zwischen den Nachfahren des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., dem Bund, den Ländern Berlin und Brandenburg, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie dem Deutschen Historischen Museum.
Die anfangs konstruktiven Auseinandersetzungen mit dem Hause Hohenzollern, dem Georg Friedrich Prinz von Preußen seit 1994 vorsteht, wandelten sich im Frühjahr dieses Jahres zum Konflikt. Es geht um Entschädigungen für enteignete Schlösser, Herausgabe von mehreren Tausend Exponaten aus öffentlichen Museen, Wohnrechte und Immobilien.
Darüber hinaus gibt es die Forderung zur Gründung eines Hohenzollern-Museums mit Einflussnahme der Darstellung und Mitspracherecht in den Ausstellungen, in denen die Hohenzollern als Leihgeber erscheinen. Das Haus ließ die Leihverträge bereits 2015 auslaufen. Wertobjekte könnten also jederzeit aus den Museen abgezogen werden.
Anzunehmen ist, dass die hohen Ansprüche der anwaltlichen Vertretung des Hauses in der Hoffnung begründet liegen, sich später in einer annehmbaren Mitte treffen zu können.
Das Medienecho ist enorm groß (siehe PAZ vom 26. Juli). Es liegt eine komplizierte juristische Rechtslage vor, deren Rechtsgrundlage ein Vertrag von 1925 ist über die Vermögensauseinandersetzung zwischen dem damaligen Staat Preußen und dem Haus Hohenzollern. Daraus resultierende Unklarheiten sind in der Weimarer Republik nicht eindeutig behoben worden. NS-Herrschaft, deutsche Teilung, verschiedener Umgang in den einstigen Besatzungszonen und Verhandlungen im Jahr 1992 brachten ebenfalls keine endgültigen Ergebnisse.
Am 24. Juli gab es ein erneutes Treffen mit allen Beteiligten. Die Verhandlungspositionen lagen nach dem letztem Stand der Dinge noch sehr weit auseinander.    Silvia Friedrich

„Potsdamer Konferenz 1945. Die Neuordnung der Welt“, 1. Mai bis 1. November 2020, Schloss Cecilienhof Potsdam


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