”Graf Zeppelin“ – Unvollendeter Flugzeugträger

Vom Hoffnungsträger der Marine in Kiel zum Ersatzteillieferanten in Stettin

08.03.19
Nach dem Stapellauf im Kieler Hafen (Foto: Archiv)

Flugzeugträger „Graf Zeppelin“
Stapellauf: 8. Dezember 1938
Bauwerft: Deutsche Werke AG, Kiel
Länge über alles: 262,5 m
Breite: 36 m
Verdrängung: 33.350 t
Baukosten: 92.700.000 Reichsmark
Besatzung/geplant: 1.760 plus Flugpersonal
Um das Ende des Flugzeugträgers ranken sich mehrere Versionen. 

Das Deutsche Schifffahrtmuseum, das sich am Hans-Scharoun-Platz in Bremerhaven zwischen dem Alten Hafen und der Außenweser befindet, behandelt neben vielen Exponaten zur Marinegeschichte auch ein besonderes Kapitel, das in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist: die Entwicklung des ersten und einzigen deutschen Flugzeugträgers. Der Koloss wurde auf Befehl der Nazis nach deren Machtübernahme entwickelt, war als Typschiff der Graf-Zeppelin-Klasse geplant und wurde in Kiel gebaut. Der Stapellauf erfolgte vor genau 80 Jahren in Anwesenheit zahlreicher Nazigrößen und wurde in den deutschen Medien damals als spektakulärer Beginn einer neuen Ära der deutschen Marine gefeiert. Als Heimathafen des Flugzeugträgers war Bremerhaven vorgesehen. Dafür wurde ein Extrakai ausgebaut und ein „ausgeklügeltes System zum Einschleusen des Riesenschiffes durch die enge Nordschleuse“ ersonnen. Für die Bestückung mit Flugzeugen war der nahe Fliegerhorst Weddewarden vorgesehen. Doch die damit verbundenen Zukunftsvisionen der Marineführung zerplatzten in der Folge an der Kriegswirklichkeit ab 1939. Der Flugzeugträger erlebte unvollendet eine sprichwörtliche Odyssee, wurde in einem Seitenarm der Oder bei Stettin in Pommern als Ersatzteillieferant für andere Kriegsschiffe der Nazimarine genutzt und am 25. April 1945 vor der anrückenden Roten Armee auf Grund gesetzt. Die Sowjetunion wiederum interessierte sich sehr für den Träger. Sie ließ ihn heben, technisch für eigene Entwicklungen untersuchen und versenkte ihn letztlich erneut in der Ostsee, wo er über Jahrzehnte unentdeckt in Vergessenheit geriet. Heute erinnern im DSM in Bremerhaven ein Modell, Fotoreihen und Texte an diese deutsche Einmaligkeit. Über den Kai, der in Bremerhaven einst für die „Graf Zeppelin“ gedacht war, werden jetzt deutsche Autos verladen für die Verschiffung in die ganze Welt. 

Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers in Deutschland begannen die Nazis unter Missachtung der Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages sehr schnell mit der Wiederaufrüstung. Für die Marine waren neben großen Schlachtschiffen und U-Booten auch Flugzeugträger für den Einsatz auf den Weltmeeren geplant. Zu diesem Zweck beauftragte die Marineführung schon früh ihre Konstruktionsabteilung damit, entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Verantwortlich für den Flugzeugträgerbau war der Diplom-Ingenieur Wilhelm Hadeler, der mit seinem Team allerdings über keine Erfahrungen im Trägerbau verfügte und deshalb Informationen über ältere britische und japanische Modelle sammelte, auswertete und dann für eine eigene Konstruktion nutzte. Hadeler leitete später nicht nur den Kriegsschiffbau in Kiel, sondern auch in Wilhelmshaven. Parallel zu den ersten Träger-Planungen erreichte die Naziführung 1935 das Deutsch-Britische Flottenabkommen und damit eine rechtliche Grundlage für eigene Kriegsschiffe. Danach wurde bei den Deutschen Werken in Kiel mit dem Bau begonnen. Den Bauauftrag für das Schwesterschiff des ersten Flugzeugträgers erhielt dann die Kieler Germaniawerft. Die Marineführung sorgte mit Druck für den schnellen Fortgang der Arbeiten und am 8. Dezember 1938 für den Stapellauf mit Schiffstaufe. Hella von Brandenstein-Zeppelin taufte den Koloss auf den Namen „Graf Zeppelin“. Die Festansprache vor der versammelten Naziprominenz mit Adolf Hitler hielt Hermann Göring, der mit dem neuen Träger von künftiger deutscher Luftüberlegenheit auf den Weltmeeren träumte. Nach der Taufe begann der Ausbau des Kolosses. Zu Kriegsbeginn war er mit einer maximalen Panzerung von bis zu 100 mm im Gürtel und bis zu 60 mm auf dem Panzerdeck zu 90% fertiggestellt. Der Träger war 262,5 Meter lang, 36,2 Meter breit und hatte einen Tiefgang von 8,5 Meter. Die Maschinenleistung lag bei 200.000 PS und sollte für eine Höchstgeschwindigkeit von 63 Km/h sorgen. Die Bewaffnung sollte neben Seezielartillerie und Flugabwehrkanonen 43 Flugzeuge unterschiedlichen Typs mit Aufklärern, Jagdflugzeugen und Sturzkampfbombern umfassen.

Der September 1939 wurde zur ersten Zäsur für den Koloss. Die NS- Führung favorisierte jetzt den U-Boot-Bau. Damit begann die Odyssee des fast fertigen Flugzeugträgers. Er wurde über Saßnitz nach Gotenhafen geschleppt, kam nach Stettin und dann wieder nach Gotenhafen und wurde zeitweise als Lagerraum genutzt. Erst nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor sorgte die Marineleitung für die erneute Überführung des einstigen Hoffnungsträgers nach Kiel, wo die nächste Bauphase mit zusätzlichen Umbauten begann. Sie dauerte bis zum 2. Februar 1943. Nach Hitlers Baustoppbefehl wurde der Träger zurück nach Stettin geschleppt. Er diente in Pommern dann als „Ersatzteillieferant für andere Kriegsschiffe der Kriegsmarine“. Nach der Versenkung durch ein deutsches Kommando und der Hebung durch die SU erschloss die Siegermacht die Technik und testete daran zusätzlich eigene Kampfmittel. 1947 kam dann das Ende. Ein Spezialkommando der Roten Armee versenkte den Träger zum zweiten und letzten Mal in einer geheimen Aktion vor der Danziger Bucht, wo er bis heute liegt und lange vergessen war. Erst im Juli 2006 entdeckte ein polnisches Forschungsschiff das Wrack 55 Kilometer entfernt vom polnischen Hafen Großendorf/Wladyslawowo in 80 Metern Tiefe. Eine Sensation. Die Bundesregierung verwies auf den letzten Eigner, dessen Rechtsnachfolger Rußland ist. Inzwischen weiß man mehr über die beim Stapellauf vor 80 Jahren einmalige Konstruktion des Konstrukteurs Hadeler. Sie brach damals gleich mehrere Rekorde. Das reichte vom leistungsfähigsten Antrieb, den 1938 ein europäisches Schiff besaß, über die spektakulären Hallendecks für Flugzeuge, die denen der Alliierten überlegen waren, bis zum ausgereiften Startwagensystem zum Start der Deckflugzeuge, das „18 Flugzeuge pro Intervall in die Luft“ bringen konnte. Aus technischer Sicht hatte Konstrukteur Hadeler eine Spitzenleistung vollbracht. Nun können sich Marineinteressenten im DSM in Bremerhaven am 1:200-Modell den ersten und einzigen deutschen Flugzeugträger erschließen. 

Das Schifffahrtsmuseum befindet sich derzeit im Teilumbau. 

Info: https://www.dsm.museum Öffnungszeit Di-So 10-18 Uhr

Martin Stolzenau

 


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Kommentare

Roter Baron:
13.03.2019, 17:23 Uhr

Was hat Sie nur geritten, diesen Artikel abzudrucken? In fast jeder Zeile „Nazi“. Eine solche Entgleisung hat in der Preußischen Allgemeinen nichts zu suchen. Außerdem enthält der Artikel sachliche Fehler. Und ist Ihnen gar nicht aufgefallen, dass der Text dem wikipedia-Eintrag zur „Graf Zeppelin“ auffallend ähnelt?
Sie haben 2008 und 2013 jeweils in der Folge 49 ausgezeichnete Artikel zu dem Thema gebracht. Dieser hier ist voll daneben.
Abgesehen von den Seiten mit der Vereinsmeierei, die sich wohl sowieso kaum einer antut, ist die Seite "Pommersche Zeitung" inhaltlich und von der Gestaltung her die mit Abstand schlechteste Seite der Zeitung und das durchgängig. So etwas sollten Sie sich und Ihren Lesern nicht zumuten.


H. Schinkel:
11.03.2019, 17:47 Uhr

Schon toll auf welchem hohen technischen Niveau das Deutsche Reich war, und das ohne Erfahrung auf dem Gebiet. Heute kann noch nicht einmal ein Toaster ohne fremde Hilfe entwickelt werden.

Deutschland hat sich abgeschafft, die Sieger haben ihre Ziele erreicht.


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