Herzog Barnim I von Pommern

Pommerns Städtegründer zum 800. Geburtstag

12.12.18
Barnim I. mit seinen 3 Gemahlinnen aus dem Stammbaum der Greifen, von Cornelius Krommeny, 1598.

Herzog Barnim I. von Pommern gehörte zu den herausragenden Vertretern des Greifenhauses. Er regierte nach der Herrschaft über Pommern-Stettin über 14 Jahre das gesamte Territorium des Landes, förderte die stärkere Besiedlung des ländlichen Raumes, ging als maßgeblicher Städtegründer in die Geschichte ein und gab letztendlich mit vielgestaltigen Maßnahmen „Pommern das Gesicht eines deutschen Landes“. Von seinem Ansehen, dass er deshalb im ganzen deutschen Reich genoss, zeugt ein überliefertes Lied des Dichters Rumelant von Sachsen.

Barnim wurde wohl im Dezember 1218 geboren. Er hatte zwei Schwestern und war der ersehnte  Erbe der Herrschaft. Die wenigen Quellen, die über ihn berichten, haben unterschiedliche Geburtsdaten zwischen 1218 bis 1220. Martin Wehrmanns „Genealogie des pommerschen Herzogshauses“ von 1937 geht sogar von 1210 aus. Als Vater ist Herzog Bogislaw II. von Pommern-Stettin nachgewiesen, dessen Familie seit 1194 den Greifen im Wappen führte, was letztlich zur Bezeichnung „Greifengeschlecht“ führte. Als Mutter gilt die Prinzessin Miroslawa, Tochter des Herzogs Mestwin I. von Pommerellen. Nach dem frühen Tod des Vaters 1220 übernahm die verwitwete Mutter die Regentschaft und Vormundschaft über den minderjährigen Sohn, dem sie eine standesgemäße Erziehung angedeihen ließ. Das reichte von der Religion über die Ausprägung zum Ritter bis zur Aneignung geisteswissenschaftlicher Kenntnisse mit der Orientierung auf die Erfordernisse für das Herzogtum. Barnim I. zeigte sich offenbar sehr lernwillig und wurde von der stolzen Mutter ab 1226 anteilig in Regierungsmaßnahmen einbezogen. Schritt für Schritt wuchs der Greifensohn in seine  Aufgaben hinein. 1233 bekam der Herzog dann von seiner Mutter die Zügel in die Hand. Er regierte fortan Pommern-Stettin. Sein Cousin Wartislaw III. regierte parallel Pommern-Demmin. Beide Pommernfürsten mussten schwierige Zeiten bewältigen. Ein Vorteil allerdings galt ab 1227. Die Dänenkönige hatten ab Waldemar I. die Oberhoheit über Holstein, Rügen-Mecklenburg sowie Pommern erlangt und waren bis zum nördlichen Estland vorgedrungen. Dagegen wehrten sich die deutschen Territorialfürsten des Nordens mit vereinten Kräften und siegten 1227 in der Schlacht bei Bornhöved. 

Pommern konnte nach der Niederlage Dänemarks die dänische Vorherrschaft abschütteln. Dafür strebten nun die Markgrafen von Brandenburg aus dem Fürstenhaus der Askanier in Anhalt nach der Oberhoheit über Pommern. Die Askanier hatten Erfolg und wurden 1231 durch Kaiser Friedrich II. mit Pommern belehnt. Daraus resultierte der jahrhundertelange Konflikt mit Brandenburg und dessen Ansprüchen. Mit Folgen. Zuerst musste Wartislaw III. Zugeständnisse an die Askanier machen. Das reichte von der Überlassung umfangreicher Ländereien über die „Anerkennung der brandenburgischen Lehnshoheit“ bis zur Vereinbarung einer „Eventualsukzession Brandenburgs“, was die Übernahme von Pommern-Demmin im Fall eines söhnelosen Todes des Herzogs beinhaltete. Damit blieb Barnim I. als eigentlicher Erbe-Anwärter aus dem Greifenhaus zunächst außen vor. Gegen diese Gefahr zog er in der Folge alle Register. Letztendlich mit Erfolg. Außenpolitisch stand das regelrechte Tauziehen mit Brandenburg im Mittelpunkt. Innenpolitisch aber setzte er parallel verschiedene Schwerpunkte. Barnim I., zu dessen Herzogtum von Pommern-Stettin auch die gesamte Uckermark gehörte, betrieb die „deutschrechtliche Kolonisation“ seines Landes mit Nachdruck, holte Siedler ins Land und verlieh vielen dadurch wachsenden größeren Siedlungen in seinem Herrschaftsbereich die Stadtrechte auf der Grundlage des magdeburgischen oder lübischen Rechts. Die diesbezügliche Palette der neuen Städte reichte von Prenzlau im Jahre 1234, Stettin, Lassan, Gartz/Oder, Anklam und Stargard in Pommern über Altdamm, Greifenhagen sowie Pölitz bis nach Ueckermünde, Gollnow und Cammin 1274. Einige bis heute überlieferte Stadtrechtsurkunden des Herzogs enthalten auch seine Siegel. Zusammen mit Wartislaw III. erhob er zudem Wolgast, Stavenhagen und Wollin zu Städten. Barnim I. kurbelte damit die Wirtschaft an, verbesserte seine Einnahmen und förderte zudem die Bildung geistlicher Stifte. Hoch im Ansehen standen bei ihm die Zisterzienser, die Grünen des Mittelalters, die nicht nur beteten, sondern die Landschaft kultivierten und Erträge erwirtschafteten. Das galt für die Zisterzienserabtei Stettin und die Stiftsgründungen Marienfließ und Ueckermünde. Im Gefolge dieser Entwicklung verschwand die alte „slawische Kastellaneiverfassung“ endgültig aus der Rechtsordnung. Pommern bekam ein deutsches Gesicht.

1250 wurde dann zur weiteren Zäsur. Unter dem anhaltenden Druck der militärisch überlegenen Askanier aus Brandenburg, die die Uckermark begehrten, ließ sich Barnim I. nach langen Verhandlungen auf ein Tauschgeschäft ein, das im Vertrag von Landin 1250 besiegelt wurde. Er trat die „Terra uckra“, das vormalige Gebiet der Ukranen und Retschanen bis zur Welse, Randow sowie Löcknitz an die Askanier ab und erhielt dafür „das halbe Land Wolgast“, das den Vertragspartnern zuvor als Mitgift zugefallen war. Barnim I. hielt so die südlichen Nachbarn von der Ostsee fern und erreichte als Vertragszugabe, dass die Askanier auf die „Eventualsukzession“ für den Fall vom söhnelosen Tod von Wartislaw III. verzichteten. Als dann sein Cousin 1264 tatsächlich söhnelos starb, konnte er ihn solchermaßen beerben und regierte in der Folge ganz Pommern, das unter ihm nach innen gefestigt wurde und nach außen gegenüber den Askaniern nach dem Vertrag von Landin sicherer war. Mehr noch. Barnim I., der nach dem frühen Tod seiner ersten Frau mit der Prinzessin Margarethe aus dem Welfenhaus der Braunschweiger Herzöge verheiratet war, wurde 1261 erneut Witwer. Jetzt heiratete er in dritter Ehe Mechthild, die Tochter des Markgrafen Otto III. von Brandenburg. Damit brachte er das Verhältnis zu den mächtigen Nachbarn im Süden in ruhigeres Fahrwasser. Ganz Pommern konnte sich fortan für einige Zeit ohne Bedrängnis konsolidieren. 

Barnim I. blieb bis zuletzt voller Tatkraft, zeugte noch kurz vor seinem Tod in dritter Ehe seinen dritten Sohn und starb am 13. November 1278 bei einem Aufenthalt in Altdamm. Der Erneuerer und Städtegründer Pommerns fand seine letzte Ruhe in der Marienkirche von Stettin, Teil des von ihm begründeten Stiftes. Neben seiner Witwe und drei Töchtern hinterließ er aus drei Ehen drei Söhne. Bogislaw IV. als erster und ältester Sohn aus der ersten Ehe beanspruchte die Nachfolge. Zunächst mit Erfolg. Doch Witwe Mechthild beanspruchte für ihre beiden Söhne Barnim II. und Otto I. die Teilhabe an der Macht. Sie zog alle Register und wurde in ihrem Ansinnen wohl auch von Brandenburg unterstützt. Aus dem Machtkampf zwischen Bogislaw IV. und Witwe Mechthild wurde dann ein ausufernder Bruderstreit, der das noch vereinte Land Pommern innenpolitisch lähmte und erst nach dem überraschenden Tod von Barnim II. 1295 in eine friedliche Einigung einmündete. Sie beinhaltete die Zweiteilung des Herzogtums zwischen Bogislaw IV. und Otto I. – Witwe Mechthild wurde nach ihrem Tod 1316 neben ihrem Mann in der Stettiner Marienkirche bestattet. 

1598 schuf Cornelius Krommeny ein Gemälde, das Barnim I. und seine drei Ehefrauen zeigt. Der Maler stammte aus den Niederlanden, fungierte ab 1574 unter Herzog Ulrich III. von Mecklenburg-Güstrow als Hofmaler und erstellte für seinen Herrn einen monumentalen Stammbaum des mecklenburgischen Fürstenhauses und auch das Barnim-Bild. Das aktuelle Wappen des Landkreises Uckermark erinnert an den Ursprung der Region mit Bezügen zu Pommern und Brandenburg. Es zeigt den brandenburgischen Adler und pommerschen Greifen.  Martin Stolzenau


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.