Keine Ehre für deutsche Soldaten

Markus Meckel politisiert den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

12.06.15
Vietnam Veterans Memorial in Washington: Dort ist jeder einzelne Soldat namentlich verzeichnet, „gleichgültig, zu welchem Truppenteil er gehört hat – und ob er nun Agent Orange gestreut hat oder nicht – alle werden aufgeführt und geehrt“ Bild: Shadman15

„Gedenken ohne zu ehren“, hieß das Thema einer Podiumsdiskussion des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK). Dessen Präsident Markus Meckel (SPD) nutzt sein Amt zunehmend für geschichtspolitische Initiativen und polemische Zuspitzungen. Bei der Podiumsdiskussion erntete er auch Widerspruch.


In der Einladung zur Podiumsdiskussion im Zeughauskino des DHM in Berlin wurde behauptet: „In der deutschen Öffentlichkeit ist eine politische Unsicherheit und ein Unbehagen im Umgang mit den deutschen Kriegsgräberstätten zu erkennen. Es resultiert aus der Angst, dass Gedenken an deutsche Kriegstote die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg relativieren könnte.“ Weiter hieß es in dem Text: „Wie aber kann eine Erinnerung, wie kann ein Gedenken aussehen, die beides ernst nimmt – dass es sich um unsere Väter und Großväter handelt und dann eben um das Bewusstsein dieser unfassbaren Verbrechen. Wie wollen wir uns der toten Soldaten erinnern?“
Diskussionsleiterin Simone Erpel vom DHM fragte Meckel, wo er denn ein solches „Unbehagen“ in der deutschen Öffentlichkeit über das Gedenken an die Kriegs­toten feststelle? Darauf antwortete er ausweichend: „Wir haben im Verband jüngere Mitglieder – wenn auch nicht so wahnsinnig viele – die sich damit auseinandersetzen und thematisieren: Wie gehen wir damit um, dass diese Verbrechen geschehen sind. Wir können doch deutsche Soldaten nicht ehren.“ Einige jüngere VDK-Mitglieder kann man jedoch nicht mit der „deutschen Öffentlichkeit“ gleichsetzen; der Verdacht drängt sich auf, Meckel wolle vor allem ein eigenes Unbehagen artikulieren. So erklärte er auch, sein Vater sei als Wehrmachtoffizier in Minsk gewesen. „Ich frage mich natürlich“, fügte er hinzu, „was hat er dort gemacht.“ Er hoffe, dass sein Vater „nicht an unmittelbaren Verbrechen“ beteiligt gewesen sei. „Aber ich weiß es nicht“, so Meckel, „und kann dann aber doch nicht ganz unberück­sichtigt lassen, dass in der belarussischen Bevölkerung zwischen einem Drittel und einem Viertel der Bevölkerung umgebracht worden ist und den Krieg nicht überlebt hat.“
Meckel präzisierte während der gesamten Diskussion nicht, wo und auf welche Weise seiner Ansicht nach deutsche Kriegstote gegebenenfalls unangebracht „geehrt“ würden. Er wies nur mehrfach darauf hin, dass auf deutschen Kriegsgräberstätten zum Beispiel auch Angehörige der Waffen-SS oder der berüchtigten Polizeibataillone oder des SS-Sicherheitsdienstes beerdigt seien. Das ist nicht neu. Doch was soll aus der Feststellung folgen? Dazu sagte Meckel nicht viel, außer dass er darüber mit den europäischen Nachbarn ins Gespräch kommen wolle. Er kündigte eine ganze Reihe von VDK-Veranstaltungen „zu unserer Erinnerungs- und Geschichtspolitik“ an. Dafür sei eigens ein neues VDK-Referat in Berlin geschaffen worden.
Der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) warnte vor Pauschalurteilen und mangelnder Differenzierung. Wenn man die Gefallenen „alle so aussortieren“ würde, „müssten wir auch Günther Grass aussortieren. Man muss aufpassen, was man da tut“, warnte er an die Adresse Meckels.
„Als mein Vater schon im KZ saß“, fügte er hinzu, „hat die SS versucht, mich einzuziehen, weil ich ein großer, starker, blonder 16-Jähriger war. Meine Mutter hat gesagt, sie können den nicht haben, sein Vater ist im KZ – damit war der Punkt erledigt. Wenn das nicht so gewesen wäre, wäre ich der SS vielleicht gar nicht entgangen.“ An Friedhöfen könne man ja eine „Generalinformation aufstellen“ mit Hinweisen, wenn dort auch Tote lägen, die sich in besonderer Weise schuldig gemacht hätten, schlug von Dohnanyi vor.
Die Deutschen hätten durch die NS-Zeit ein gebrochenes Verhältnis zu ihrer Geschichte. Dabei hätten sie nach 1945 auch die Kriegsgräber des Ersten Weltkrieges vernachlässigt. Von Dohnanyi verwies auch darauf, wie in anderen Ländern Gefallene geehrt werden. Napoleons Aggressionskriege hätten fünf Millionen Tote gekostet, geehrt werde Bonaparte im höchsten Ehrenplatz Frankreichs, dem Invalidendom. Auf dem Vietnam-Denkmal in Washington sei jeder einzelne Soldat namentlich verzeichnet, „gleichgültig, zu welchem Truppenteil er gehört hat – und ob er nun Agent Orange gestreut hat oder nicht – alle werden aufgeführt und geehrt“.
Professor Krzysztof Ruchniewicz von der Universität Breslau erklärte, in Polen habe man sich mit deutschen Kriegsgräbern lange Zeit schwer getan. Ähnliches gelte für die sowjetischen Kriegsgräber, da durch die Sowjets nach 1945 eine neue Okkupation erfolgt sei. Doch auch diese Toten hätten ein Anrecht darauf, dass an sie erinnert werde.
„Was bei uns geschieht“, kritisierte von Dohnanyi, „ist eine Verachtung von Geschichte, weil wir uns selber nicht trauen.“ Dabei weise die deutsche Geschichte auch Glanzpunkte auf. „Wir müssen mit unserer Geschichte ehrlicher werden“, forderte er, „dann werden wir auch wieder selbstbewusster. Und wenn wir selbstbewusster werden, dann werden wir auch ein besserer Nachbar in Europa.“    Michael Leh


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Kommentare

Mathilda Vogt:
16.06.2015, 15:59 Uhr

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Unser Schaden: unsere heldenhaften Soldaten, die meisten davon erst nach der Kapitulation vernichtet; unsere Heimatvertriebenen unsere ausgebombten und zerstörten Menschen. Millionen und Abermillionen. Die "Kollateralschäden" dauern an - soweit zum Schaden. Und der Spott? Er kommt daher in Kreaturen ala Meckel (jetzt hätte ich beinahe noch Merkel geschrieben). Wie können solche Menschen Oberhand gewinnen? Wie kann ein Meckel VDK-Vorsitzender werden?
Aber so ist es. Sie, die Umerzogenen der Besatzer, unterlaufen systematisch unser Volk, um des Feindes Werk der endgültigen Zersetzung und Zerstörung der deutschen Kultur und damit des deutschen Volkes zu erledigen. Darauf sind dann auch noch stolz. Ich bin mir sicher, dass der Vater dieses Mackel sich im Grab umdreht.


sitra achra:
14.06.2015, 23:54 Uhr

Aus dem Volksbund wurde ein Hassbund. Weiter so, Markus!
Ehre, wem Ehre gebührt.
Nein, unsere Helden haben nichts falsch gemacht.
Ehre, Verehrung und Liebe sei ihnen in alle Ewigkeit beschert!
Da reut einen die Ungnade der späten Geburt.


Hans-Joachim Nehring:
13.06.2015, 11:22 Uhr

Nach seiner Nichtwiederwahl in den Deutschen Bundestag wurde Markus Meckel (SPD) Präsident des Bundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Hat man hier nicht wieder einen roten Bock zum Gärtner hofiert, um die edlen Absichten des Bundes, die dem Gedenken deutscher Gefallener gewidmet sind, in ein Umdenken für europäische Gefallene umzulenken. Jedes Land widmet seinen Kriegstoten ein ehrendes Gedenken. Warum soll dieses in Deutschland nicht möglich sein?
Wer bezahlt eigentlich das sicher nicht kümmerliche Gehalt dieses Meckel, auch wenn der Bund Deutscher Kriegsgräberfürsorge von vielen Spenden deutscher Bürgerinnen und Bürger lebt. Kann mir nicht vorstellen, dass Polen, Russen bzw. Tschechen den Bund mit nennenswerten finanziellen Mitteln unterstützen.


W. Scholz:
13.06.2015, 02:02 Uhr

Ich möchte Hr.n Fürste recht geben mit dem suhlen in der selbstbereiteten Schande. Man muß sich mal vorstellen, daß ein Bauer beim pflügen Knochen hochförderte. Es wurde festgestellt daß es kein aktuelles Mordopfer ist sondern auf dem Gelände eines der berüchtigten Rheinwiesenlager war. Die Dt. Kriegskräberfürsorge sagte sie wäre nicht zuständig für tote Soldaten im Inland. Dann wollte er die Knochen auf eigene Kosten bergen lassen und ein Gedenkkreuz errichten. Das verbot das Landratsamt weil das eine Störung eines Bodendenkmals sei. Das auspflügen der Knochen wäre aber keine Störung des Denkmals. Diese Hirnakrobatik verdient den Friedensnobelpreis. Das geht in einer Reihe mit Begin, EU, Obama etc..
Ich möchte in dem Zusammenhang nur mal an die schamlose Reaktion der Polen erinnern beim Vertreibungszentrum in Berlin. Solange sie dachten es gänge nur um die Zeit nach ´45 war alles in Butter. Aber als es hieß es geht um die Vertreibungen seit 1900 - also auch um die Zeit in Polen seit 1920-39 war der Spaß vorbei, da ging die Hetze los. Tschechei, Slovakei und Ungarn haben von vornherein gesagt: Interessiert uns nicht - macht was ihr wollt.
Daß der Mekel so affig ist wundert mich nicht. Er ist halt ein Gutmensch der kein Problem mit aktuellen Kriegsverbrechen hat - besonders nicht wenn es die Besatzer betrifft - aber deutsche Kriegsopfer sind immer böse, ganz böse, furchtbar böse. Scheißegal was die Geschichte zeigt - der Deutsche ist immer böse (s.a. mein Kommentar: Vereinte Kräfte gegen US-Hegemonie). Anschleimerei (siehe aktuelle Einstellung der NSA Untersuchung - ekelhaft) bringt nie Punkte, ganz im Gegenteil der Schleimer steht mit dem Verräter auf einer Stufe, ganz ganz unten.
Da schämt man sich doch ein Deutscher zu sein bei diesen antideutschen Armleuchtern.


Dietmar Fürste:
12.06.2015, 08:08 Uhr

Der Trick der Geschichtsfälscher und linkslastiger Polemiker besteht darin, an Vorgänge und Handlungen im Krieg den Maßstab des Zivilrechts anzulegen.

So werden z.B. vom Feind unterstützte Partisanen entgegen der Haager Landkriegsordnung nachträglich zu Helden verklärt, während sie - ganz nach Belieben - heutzutage als Terroristen bezeichnet werden.

Das erste Opfer in einem Krieg ist immer die Wahrheit, heißt es. Und die Sieger schreiben die Geschichte (neu).

Allein schon die Thematisierung dieser Veranstaltung ist eine Beleidigung für alle Gefallenen Deutschlands, die eingezogen wurden und in der Überzeugung, ihre Heimat und ihre Familien verteidigen zu müssen, gekämpft haben.

Es sind die wohl bestallten Inhaber der Deutungshoheit darüber, wer geehrt werden darf und wer geschmäht wird. In Übereinstimmung mit den von den Siegern erlassenen Regeln, denen sie letzten Endes dienen.

Einfach widerlich, sich in dieser selbst bereiteten Schande zu suhlen und mit Schaum vorm Mund mit den alten, längst widerlegten Lügen skrupellos weiter zu argumentieren.


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