Kulturkenner bricht Lanze für Russland

20.03.19

Russland und Deutschland sind trotz aller politischen Gegensätze wissenschaftlich, wirtschaftlich und kulturell miteinander verzahnt. Wenn man sich mit dem Land beschäftige, hinreise und sich selbst ein Bild vor Ort mache, werde man dieses faszinierende Land lieben lernen, so Hans-Joachim Frey, ein deutscher Kulturmanager und Leiter des Semperopernballs. Mit seinem Buch „Russland lieben lernen“  bricht er eine Lanze für das Land.
Der Sprössling einer ostpreußischen Familie hat einen fami­liären Bezug zu Russland: Sein Urgroßvater Eduard August Maaß war 1913 Pfarrer an der St. Annenkirche in St. Petersburg, der ersten lutherischen Kirche in der damaligen russischen Hauptstadt. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs veränderte sich die Lage der Deutschen in St. Petersburg. 1918 floh Familie Maaß über Riga nach Tilsit.
Über die mütterliche Linie ist Frey mit dem in Tilsit geborenen Schauspieler Armin Müller-Stahl verwandt. Die Familie erlebte die Flucht gleich zweimal: 1918 floh sie aus St. Petersburg, 1945 musste sie in Ostpreußen alles zurücklassen. Geblieben waren Kochrezepte wie Piroggen und die Wehmut über eine gute alte Zeit, aber auch Erinnerungen an die schreck­lichen Erlebnisse während der Flucht und Vertreibung. Freys Buch schmücken zahlreiche Bilder, neben erhaltenen Familienfotos auch die von Menschen, denen er im Laufe seiner Karriere begegnet ist.
Nach dem Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg absolvierte Frey einen Studiengang im Fach Kulturmanagement. Nach Erfolgen an der Semperoper kam Frey erstmals als Organisator des Nachwuchs-Gesangswettbewerbs „I Cestelli Competizione dell’opera“ mit Russen in Kontakt. In Dresden begegnete ihm die 300-jährige Verbindung zwischen Russland und Dresden auf Schritt und Tritt. Als Frey beim Dresdner Semperball 2009 erstmals Putin als Gast begrüßen durfte, hatte das Auswirkung auf seine künftige Karriere. Immer wieder reiste der Kulturmanager nach Moskau und St. Petersburg, aber auch in entlegene Orte.
Fasziniert vom Bolschoj-Theater, dem „Tempel göttlichen Tanzes, genialer Musik und gewaltiger Stimmen“, und der Begeisterung der Russen für klassische Musik und Theater entwickelte Frey sich zum „Versteher der russischen Seele“. Seit 2018 leitet Frey ein neues Kultur- und Festivalzentrum in Sotschi. Seine Vision: Sotschi soll ein „Salzburg am Schwarzen Meer“ werden.
Die überaus große Aufzählung von Berühmtheiten und Funktionsträgern, mit denen Frey zu tun hatte, sowie die schnellen Orts- und Themenwechsel überfordern und langweilen Leser, die sich mit dem Kulturbetrieb der klassischen Musik nicht auskennen. Lebendige Schilderungen, etwa wie der Alltag am Bolschoj- oder am Marijnskij-Theater aussieht, enden dagegen leider viel zu schnell.
    Manuela Rosenthal-Kappi


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