»Ostpreußen ist Zukunft, Ostpreußen lebt!«

Mehr als 1000 Teilnehmer versammelten sich zur großen Festveranstaltung beim Jahrestreffen der Ostpreußen 2019

16.05.19
Blick auf die Bühne: LO-Sprecher Stephan Grigat bei seiner Rede

Ostpreußen hat 1945 nicht aufgehört zu existieren. Ostpreußen ist Zukunft, Ostpreußen lebt!“ Mit diesem selbstbewussten Bekenntnis traf der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), Stephan Grigat, die Stimmung der mehr als 1000 Teilnehmer der großen Festveranstaltung zum Jahrestreffen der Ostpreußen 2019 im Wolfsburger CongressPark auf den Punkt.

Zum Auftakt der Veranstaltung erinnerte Domherr André Schmeier an die große christliche Tradition Ostpreußens. Der christliche Glaube habe von Anfang der Geschichte an zu dem Land im ehemaligen Ordensstaat gehört. Auf seinem Gebiet sei der erste protestantische Staat der Welt entstanden. In Hinblick auf Vertreibung und Heimatverlust sagte Schmeier: „Man kann den Menschen alles Irdische herausreißen, den Glauben herausreißen kann man ihnen nicht.“
Als Vertreter der hohen Politik war Eckhard Pols, Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten in der CDU/CSU-Bundestagfraktion, nach Wolfsburg gekommen. Er überbrachte die herzlichen Grüße von Unnionsfraktionschef Ralph Brinkhaus und berichtete mit Genugtuung, dass seine Fraktionsgruppe in der laufenden Legislaturperiode von 35 auf 70 Mitglieder angewachsen sei.
Der Einsatz für das kulturelle Erbe der alten Ostprovinz gehe weiter. „Wir investieren wieder in Ostpreußen“, so Pols, und nannte Millionen-Investitionen ins Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg als Beispiel. Der CDU-Politiker scheute auch kritische Worte über den Umgang mit den Opfern der Vertreibung nicht. So zitierte er den Historiker Christopher Spatz, der auf dieser Festveranstaltung mit dem Ostpreußischen Kulturpreis für Wissenschaft geehrt wurde, mit der Frage, warum es immer noch keine Gedenkstätte für die Wolfskinder gebe. Jene Kinder also, die 1945 in den Wirren des Krieges von ihren Familien getrennt wurden und oft jahrelang allein oder in kleinen Gruppen ums Überleben kämpfen mussten. In diesem Sinne mahnte Pols eine Versöhnung der Deutschen mit sich selbst an.
Über die Lage der deutschen Volksgruppe im polnischen Teil Ostpreußens berichtete deren Vertreter Heinrich Hoch: „Ich kam nach Wolfsburg, um euch zu sagen, dass wir existieren!“ In seinem Grußwort gab sich Hoch insgesamt zuversichtlich, was die Entwicklung der Deutschen Minderheit in Süd-Ostpreußen angeht. Seit der Demokratisierung Polens seien im gesamten Gebiet Gesellschaften der Deutschen entstanden, der polnische Staat unterstütze die Pflege der deutschen Kultur und Sprache aktiv.
So gebe es für die Jüngsten die Möglichkeit, Deutsch an der Schule auch als Muttersprache zu lernen. 2005 hätten erst rund 100 Kinder diese Chance ergriffen. Jetzt seien es bereits 2047. Darauf, so Hoch, setze er seine „Hoffnung auf eine Wiedergeburt der deutschen Sprache in Preußen“. Ein großes Problem liegt laut Hoch in der Abwanderung der jungen Menschen aus der Region. Dies mache den Generationenwechsel in den deutschen Gesellschaften sehr schwer.
Hans-Jörg Froese, stellvertretender Sprecher der LO, würdigte in seiner Laudatio die Leistungen von Kulturpreisträger Christo-pher Spatz. Spatz hatte sich intensiv mit dem Schicksal der Wolfskinder auseinandergesetzt. Er hat in zahlreichen Interviews viele der letzten Überlebenden zu Wort kommen lassen und schließlich seine Doktorarbeit zu dem Thema verfasst.
Die große Fähigkeit des 1982 geborenen Historikers sei die Empathie, mit der er auf die Zeitzeugen zugegangen sei, so Froese.  Zwei Jahre sei er durch Deutschland gereist, um seine Gesprächspartner aufzuspüren.
Spatz wies in seiner Dankesrede darauf hin, dass das Schicksal der Wolfskinder vor 30 Jahren kaum bekannt gewesen sei und warnte: „Ohne die Erlebnisgeneration schließt sich das Fenster zum Früher.“ Die Begegnung von Mensch zu Mensch sei aber durch nichts zu ersetzen. Zwei Wolfskinder, Hannelore Neumann und Gerhard Schröder, traten in Wolfsburg persönlich zu Christopher Spatz auf die Bühne, um dem Wissenschaftler dafür zu danken, dass er ihr Schick­sal an die Öffentlichkeit gebracht habe.
LO-Sprecher Grigat stellte sich einer verbreiteten Geschichtsinterpretation entgegen, indem er den Blick darauf lenkte, dass Krieg und NS-Verbrechen keine zwingenden Gründe für die Vertreibung gewesen seien. Er zitierte hierzu den bekannten Völkerrechtler Alfred de Zayas, der darauf verwiesen hatte, dass die Rheinländer ja auch nicht vertrieben worden seien. Grenzfragen indes spielten keine Rolle mehr: „Die Ostpreußen haben die Grenzen überwunden“, so Grigat. Die ospreußische Identität sei jedoch nicht durch Flucht, Vertreibung oder Abwanderung aus der Heimat erloschen. Entscheidend für diese Identität sei das Bekenntnis, versicherte Grigat.
Die Gleichsetzung der deutschen Vertriebenen mit heutigen Migranten wies der LO-Sprecher entschieden zurück. Die vertriebenen Ostdeutschen wären „sofort und auf Knien“ in ihre Heimat zurückgekehrt, „wenn man sie gelassen hätte“. Heute gehe es den Ostpreußen um eine Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ mit Polen, Russen und Litauern. Grigat bedauerte indes jüngste Schwierigkeiten in der Kooperation mit russischen Behörden. Diese müss­ten überwunden werden, denn: „Deutschland ist es immer gut gegangen, wenn es gute Beziehungen zu Russland hatte.“
Die Festveranstaltung klang aus mit dem gemeinsamen Singen des Ostpreußenliedes („Land der dunklen Wälder“) und der Nationalhymne.      Hans Heckel
(Die Festrede von Stephan Grigat lesen Sie auf Seite 15. Die Laudatio von Hans-Jörg Froese folgt in der nächsten PAZ)


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