Schloss Ludwigsburg in Vorpommern

Großer Jubel – Rettung für das Pommernschloss – der Landtag Mecklenburg-Vorpommern stimmte am 20. Juni 2019 dem Kauf und der damit verbunden Sanierung zu

28.06.19
Pommernschloss Foto: Förderverein/Peters 21.6.2019

Schloss Ludwigsburg, malerisch am Greifswalder Bodden gelegen, wurde zwischen 1577 und 1592 von Herzog Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast für seine Gemahlin Hedwig Sophie erbaut, die es bis zu ihrem Tode im Jahre 1631 nutzte. Es ist ein einzigartiger Spiegel pommerscher Geschichte, sowie ein Zeugnis der pommerschen Herzogsgeschichte. Wenn auch die Architektur von außen nüchtern anmutet, sucht sie doch ihresgleichen: So ist es für Nord- und Mitteleuropa höchst ungewöhnlich, dass ein Renaissanceschloss den Grundriss eines lateinischen Kreuzes bildet. Auf deutscher Seite ist es das einzige fast im Original erhaltene Schloss, das die Pommernherzöge errichten ließen. 

Häufig wechselnde Besitzer bauten das Schloss sowohl innen wie außen um. Besondere Zeichen gesetzt wurden in der Zeit als der schwedische Oberstleutnant Friedrich Ernst Sebastian von Klinkowström im Jahr 1776 Ludwigsburg erwarb. In diese Periode fiel der zweite, innere Umbau des Schlosses mit einer herausragenden künstlerischen Gestaltung. 1778 wurde hier der Maler und Schriftsteller Friedrich August von Klinkowström geboren und das Schloss wurde später Begegnungsort der Maler Klinkowström, Caspar David Friedrich aus Greifswald und Philipp Otto Runge aus Wolgast.

Doch Klinkowström geriet in finanzielle Schwierigkeiten und verkaufte im Jahre 1810 Ludwigsburg und weitere Besitzungen an den angesehenen Greifswalder Kaufmann Johann Philipp Hermann Weissenborn. Jetzt begann eine Zeit des Aufbaus und der Entwicklung des Anwesens zu einem angesehenen Gutshof. Das Schloss und Gut blieben bis 1945 im Familienbesitz der Weissenborns. Sie waren ständig bemüht, den wertvollen Besitz zu erhalten und zu pflegen. Als Vermächtnis wurde dieser Gedanke von Generation zu Generation weitergegeben. Dann brachte das Kriegsende und die nachfolgende Bodenreform 1945 für Schloss Ludwigsburg ein jähes Ende, das auch nach und nach den Verfall bedeutete. Besonders die Innenräume haben sehr gelitten und sind derzeit in einem sehr schlechten Zustand. Trotz allem ist die Stuckdecke im ersten Obergeschoss des Schlosses – die auf rot-weißen Streifen phantasievolle Menschen, Tiere und Pflanzen abbildet – hinsichtlich ihres Alters, um 1650 geschaffen, wohl einmalig in Vorpommern.

1991 gingen Teile der Besitzung wieder an die Familie Weissenborn über. Mit Hilfe eines später gegründeten sehr aktiven Fördervereins, der den Komplex zunächst pachtete, und später weitere Nebengebäude aus dem Besitz der LPG/ BVVG kaufte, gelang es, das Dach  des Schlosses zu sanieren und andere Baumängel zu sichern, um weiteren Verfall zu verhindern. Unermüdlich wurde daran gearbeitet, das wertvolle Objekt zu erhalten und vor allem einer neuen Nutzung zuführen zu können. 

Im Mai 2002 eröffnete eine ständige Ausstellung zur Geschichte des Schlosses und zur Gutshofanlage. Das Schloss konnte nun besichtigt werden, außerdem fanden immer wieder Veranstaltungen auf dem Gelände statt.

Licht am Ende des Tunnels war sichtbar, als im Dezember 2017 die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern die Sanierung von Schloss Ludwigsburg unter bestimmten Bedingungen beschloss, der Bund sollte auch beteiligt werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages beschloss im November 2018 die Sanierung des Schlosses Ludwigsburg mit 20 Millionen Euro zu fördern, verlangte jedoch als Voraussetzung, dass das Land Eigentümer des gesamten Areals wird. Es stand jetzt noch die Zustimmung des Landtags aus.

Seit dem 20. Juni 2019 ist es nun amtlich, der Landtag M-V hat dem Antrag der Landesregierung zugestimmt, das Zentrum der Schloss- und Gutshofanlage Ludwigsburg (Schloss, Beamtenhaus, Speichergebäude) für einen symbolischen Preis zu erwerben, um es anschließend grundlegend zu sanieren. Die Entscheidung der Abgeordneten ist einstimmig gefallen.

Dr. Sascha Ott, der Vorsitzende des Fördervereins ist über die Entscheidung der Landesregierung überglücklich und dankt allen von Herzen, die sich seit Jahren für Ludwigsburg eingesetzt haben: „Ludwigsburg ist ein wichtiges Symbol unserer pommerschen Identität. Ich bin stolz, dass wir nun endlich auf der Zielgeraden angekommen sind. Nun steht der Rettung des letzten Pommernschlosses nichts mehr entgegen. Heute verdienen viele Menschen ein großes Dankeschön. Ich danke allen Abgeordneten, die die jahrelangen Bemühungen des Fördervereins politisch unterstützt haben und die nunmehr endgültig den Weg für eine grundhafte Sanierung der einzigartigen Schloss- und Gutshofanlage freigemacht haben.“

Der Förderverein, so Ott, werde fortbestehen und sich beratend in den mehrjährigen Sanierungsprozess einbringen. Zudem wolle der Förderverein – unter Beachtung der mit den Baumaßnahmen verbundenen Einschränkungen – auch weiterhin Räumlichkeiten auf der Schloss- und Gutshofanlage nutzen, um mit seinen Veranstaltungen auch künftig den ländlichen Raum zu beleben. So stehen in der laufenden Saison im August Konzerte der irischen Harfenistin Hilary O’Neill und des Bundespolizeiorchesters Berlin auf dem Programm.

Nicht betroffen von der Eigentumsübertragung an das Land sind zahlreiche weitere Flächen der Anlage, darunter der historische Rinderstall. Das 1858 errichtete, ca. 80 Meter lange Gebäude konnte in den Jahren 2013 bis 2015 durch eine Notsicherung vor dem Einsturz bewahrt werden. Der Rinderstall solle ebenfalls noch in diesem Jahr von Familie Weissenborn vollständig an den Förderverein übergehen, so Ott, damit auch dieses Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. „Es bleibt noch viel zu tun“, blickt Ott voraus. „Weiterhin gilt dabei das Motto: Schloss Ludwigsburg geht uns alle an!“

Info: http://www.ludwigsburg-mv.de

 

Brigitte Stramm

 

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