Sechs sind noch im Rennen

Wer die Kandidaten sind, die Theresa May als Premierminister und Vorsitzender der Tories beerben wollen

24.06.19
Brexit-Hardliner: Boris Johnson, der als Ex-Außenminister für Negativschlagzeilen sorgte, gilt als aussichtsreichster Kandidat Bild: Imago images/i Images

Bis Juli wollen die konservativen Torries die Nachfolge Theresa Mays als Vorsitzende ihrer Partei und als Premierminister ihres Landes geregelt haben. Die Zahl der Bewerber ist groß, hat sich nach der ersten Wahlrunde im britischen Unterhaus allerdings bereits von zehn auf sechs verkleinert.

Sechs Kandidaten sind noch im Rennen. In mehreren Abstimmungen müssen die Abgeordneten der Regierungspartei sich in den kommenden Wochen entscheiden. Die Bewerber mit den wenigsten Stimmen scheiden jeweils aus dem Rennen. Die Tory-Abgeordneten wählen jeweils donnerstags und dienstags, bis das Feld auf zwei Kandidaten geschrumpft ist. Zwischen diesen beiden entscheiden sich dann die rund 160000 Parteimitglieder.
Notwendig geworden ist die Neuwahl, weil Theresa May Anfang dieses Monats als Parteichefin zurückgetreten ist, nachdem sie in ihrer Partei über Monate keinen ausreichenden Rückhalt für ihren Brexit-Kurs erhalten hatte. Nach den britischen Gepflogenheiten wird der Vorsitzende der Regierungspartei automatisch auch Premierminister.
Prominentester Kandidat ist der frühere Außenminister Boris Johnson. Er gilt als Topfavorit, obwohl er in der Vergangenheit viele Negativschlagzeilen produziert hat. Johnson gehört zum Lager der Brexit-Hardliner. Seine Kampagne startete er mit der Forderung nach Steuererleichterungen für Wohlhabende. In der Fraktion hat er bislang die meisten Unterstützer, aber auch viele Gegner. Er hat den Vorteil, dass ihm viele zutrauen, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Konservativen abgewendet haben, zurückzugewinnen.
Sein härtester Kontrahent ist sein Nachfolger im Außenministerium Jeremy Hunt, der als Vermittler gilt. Er hat sowohl ins Lager der Brexit-Hardliner als auch zu den moderaten Tories gute Drähte. So konnte sich Hunt nicht nur die Unterstützung von Verteidigungsministerin Penny Mordaunt sichern, einer scharfen EU-Kritikerin, die lange selbst als Kandidatin gehandelt worden war, sondern auch die EU-freundliche Arbeitsministerin Amber Rudd stellte sich hinter ihn. Dass der Brexit für ihn alternativlos ist, machte Hunt aber bereits deutlich. Die konservative Partei könne bei den nächsten Parlamentswahlen niemals gewinnen, wenn die Abgeordneten den Brexit nicht durchsetzen könnten. Hunt fügte hinzu, „so gut wie jeder einzelne“ seiner Kollegen sei er  „verpflichtet“, das Referendumsergebnis von 2016 durchzusetzen.
Im Gegensatz zu Johnson wirbt Hunt aber um diplomatisches Geschick: „Wenn wir einen ultraharten Ansatz verfolgen, werden wir eine ultraharte Antwort erhalten. Sie werden sich einfach weigern und wir werden am 31. Oktober so weit sein wie jetzt, und nichts wird sich geändert haben. Bei den dann anstehenden Parlamentswahlen werden wir vernichtet, wenn wir kein gutes Ergebnis erreicht haben.“
Auch der ehemalige Brexit-Minister Dominic Raab hat sich offiziell um die May-Nachfolge beworben. Er steht ebenfalls für einen scharfen Brexit-Kurs. Einen Austritt ohne Abkommen hält er für „vertretbar“, allerdings ist er im Lande bisher nicht sonderlich beliebt.
Aber der interne Wahlkampf kann durchaus noch für Überraschungen sorgen. So zählte Innenminister Sajid Javid längere Zeit zum engeren Favoritenkreis. Doch Kritik an seiner Politik ließ seine Chancen im Machtkampf sinken, mittlerweile gilt er gar als Wendehals. „Wir müssen den Brexit umsetzen“, schrieb der Politiker kürzlich im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Sohn eines Busfahrers aus Pakistan war ursprünglich gegen den EU-Austritt, wechselte aber die Seiten.
Umweltminister Michael Gove war früher ein Brexit-Hardliner. Mittlerweile ließ ihn der Hass auf seinen Dauerrivalen Johnson zu einem Exit-Befürworter werden. Er gilt als absoluter Außenseiter, ist parteiintern aber gut vernetzt.
Einen ganz schweren Stand hat der einzige „Europäer aus Leidenschaft“. Rory Stewart folgte auf Penny Mordaunt als Entwicklungshilfeminister, und er ist der einzige Kandidat, der ein zweites Referendum fordert. Doch mit diesem Ansinnen steht er alleine auf weiter Flur.
    Peter Entinger


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