Von nun an geht’s bergab

17.07.19

Von Daimler über Bayer, ThyssenKrupp und Lufthansa bis hin zur Deutschen Bank sorgen Deutschlands große börsennotierte Unternehmen derzeit vorwiegend mit schlechten Nachrichten für Aufsehen. Aus der Vielzahl von Meldungen über einen härter gewordenen Wettbewerb, Fehler in der Unternehmensführung und globale Handelsstreitigkeiten kommt der jüngsten Gewinnwarnung des Chemiekonzerns BASF eine besondere Bedeutung zu.
Statt eines leichten Gewinnplus kündigte das Ludwigshafener Unternehmen an, dass das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern in diesem Jahr um bis zu 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen könnte.
Gemessen am Umsatz ist BASF der größte Chemiekonzern der Welt. Das Unternehmen ist breit aufgestellt und gilt als gut geführt. Viele Beobachter sehen BASF wie überhaupt die Chemiebranche als einen zuverlässigen Frühindikator für die Konjunktur. Der Chemiehersteller beliefert die Baubranche genauso wie die Autoindustrie. Bekommen diese Abnehmer chemischer Produkte Probleme, dann spürt die Chemieindustrie dies alsbald in ihren Auftragsbüchern.
BASF selbst verwies auf weltweite Wachstumseinbußen in der Automobilindustrie. In China, dem größten Automobilmarkt der Welt, ging die Produktion der Autohersteller im ersten Halbjahr 2019 mit einem Minus von rund 13 Prozent besonders stark zurück. Hinzu kam eine witterungsbedingt schwache Entwicklung des Agrarsektors in Nordamerika. Anders als vom Konzern angenommen, hat sich der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Handelspartnern bislang nicht entschärft.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) ist nur verhalten optimistisch, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte noch deutlich bessert. Verbandschef Hans Van Bylen wies auf den Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China, den Brexit und den Iran-Konflikt als Risiken für den globalen Handel hin.
Unter Hinweis auf die globalen Unsicherheiten wurden inzwischen auch vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Erwartungen für das Exportgeschäft heruntergeschraubt. Letztes Jahr ging der DIHK noch von einem Plus von 2,5 Prozent bei den deutschen Ausfuhren aus, mittlerweile ist die Erwartung für 2019 auf ein Prozent abgesenkt worden.
Der zyklische Wechsel von Phasen des wirtschaftlichen Aufschwungs mit Zeiten eines Abschwungs ist eigentlich eine Normalität des Wirtschaftslebens. Die sich nun abzeichnende Abkühlung der Weltwirtschaft wird allerdings von einigen besonderen Risiken begleitet. Halten die Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten, China und der EU weiter an, dann könnte eine Deglobalisierung der Handelsbeziehungen einsetzen. Zum anderen befindet sich die Geldpolitik wichtiger Zentralbanken seit der letzten Finanzkrise noch immer im Ausnahmezustand. Normalerweise versuchen Notenbanken in Abschwungphasen, mit Zinssenkungen die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Dieser Weg ist mit der Geldpolitik negativer Zinsen verbaut oder nur noch begrenzt möglich. Die vielerorts hohe Staatsverschuldung schränkt auch die Möglichkeiten ein, über eine Defizitfinanzierung à la John Maynard Keynes einen Wirtschaftsabschwung abzukürzen.    Norman Hanert


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