»Wirklich schön war’s«

Die Deutsche Minderheit in der Republik Polen feierte in Breslaus Jahrhunderthalle ihr VI. Kulturfestival

04.10.18
Mit etwa 5000 Besuchern gut gefüllt: Breslaus rund 6000 Sitzplätze aufweisende Jahrhunderthalle Bild: Hahnkamp

Am 22. September strömten die Mitglieder der Deutschen Minderheit in der Republik Polen nach Breslau. Der Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) hatte zum bereits VI. Kulturfestival in die Jahrhunderthalle eingeladen. Dort erwarteten die Gäste ein reiches kulturelles Programm, Informationsstände von Organisationen der Deutschen Minderheit und Partnerorganisationen sowie ein Begleitprogramm.

Traditionell setzt sich das Kulturfestival der Deutschen in der Republik Polen aus fünf Elementen zusammen. Das erste vor dem eigentlichen Festival ist eine Heilige Messe auf Deutsch im Breslauer Dom, die in diesem Jahr vom Oppelner Bischof Andrzej Czaja und dem Gleiwitzer Bischof Jan Kopiec zelebriert wurde. Bischof Kopiec betonte in seiner Predigt den Wert der Deutschen Minderheit für Polen und die Notwendigkeit gegenseitiger Wertschätzung.
Bernard Gaida, der Vorsitzende des VdG, schloss in seiner Rede in der Jahrhunderthalle direkt daran an und hob die Bedeutung des Dialogs hervor: „Wir sind die einzige nationale Minderheit in Polen, die so sehr an den Dialog glaubte, dass sie an den demokratischen Wahlen offen teilgenommen hat.“ Der Dialog werde, so Gaida, innerhalb der Republik Polen, bei den deutsch-polnischen Beziehungen und auch auf europäischer Ebene immer schwieriger, den Brückenbauern würden Steine in den Weg gelegt. Unterstützung für ihre Arbeit sicherte der Deutschen Minderheit in der Republik Polen der Staatssekretär im deutschen Innenministerium Stephan Mayer zu, denn „sie ist Botschafter eines guten Zusammenlebens zwischen Deutschen und Polen“.
Nach den Grußworten präsentierten sich die Tanz-, Gesangs- und Musikgruppen der Deutschen Minderheit und weiterer Gäste. Neben Klängen des Blasorchesters BSA Brass gab es Tangomusik auf zwei Akkordeons, das Beatboxduo Mando und ChloroPhil aus Berlin sowie ein Duo aus Xylophon und Klavier zu hören. Zum größten Chor des Kulturfestivals hatten sich vier Chöre der Deutschen Minderheit aus der Oppelner Region vereint. Die deutsche Volksgruppe im südlichen Ostpreußen vertrat lediglich der Chor der Neidenburger Gesellschaft mit ihrer Vorsitzenden Sybina Wylengowska. Als Star der Veranstaltung konnte Stefanie Hertel gewonnen werden, die zum Abschluss die Stimmung noch einmal in die Höhe trieb.
Neben einigen Werkstätten für junge Gäste des VI. Kulturfestivals zog vor allem das Treffen mit Zeitzeugen „1945 – unsere Geschichten“ viele Interessierte an, darunter Staatssekretär Mayer und den deutschen Abgeordneten im polnischen Parlament, Ryszard Galla. Renata Zajaczkowska, die langjährige Vorsitzende der Deutschen Minderheit in Breslau, Richard Urban aus Himmelwitz und Elfryda Mikołajec aus Ratibor schilderten bildhaft, teilweise drastisch ihre persönlichen Erlebnisse des Kriegsendes 1945 und die Schwierigkeiten der Folgezeit wie erzwungene Namensänderungen und das Verbot, Deutsch zu sprechen. Von jungen Menschen gesammelt, ins Internet gestellt sowie teilweise als Buch und CD veröffentlicht werden solche Erinnerungen im Rahmen des Projekts „Archiv der erzählten Geschichte“ des Hauses der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz. So entsteht ein Fundus, auf den auch Historiker zurück­greifen. Erstmals wurden dieses Jahr auch Zeitzeugen im südlichen Ostpreußen befragt. Einer von ihnen, Otto Tuschinski von der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit AGDM, ergänzte bei der Veranstaltung mit seiner Wortmeldung die schlesischen Erinnerungen um den ostpreußischen Blickpunkt.
Für Informationen zur Deutschen Minderheit in der Republik Polen, aber auch ihrer Partnerorganisationen, ist die um den zentralen Saal der Jahrhunderthalle verlaufende Lobby sehr gut geeignet. Dort präsentierten sich an Ständen einzelne Regionen, aber auch Jugendorganisationen wie der Bund der Jugend der Deutschen Minderheit (BDJM) oder die Jugendgruppe Ermis bei der AGDM und Partner wie das Institut für Auslandsbeziehungen oder das Goethe-Institut. Für das leibliche Wohl der Gäste wurde mit warmem Essen sowie Kaffee und Kuchen in den Wandelhallen ebenfalls gesorgt.
Damit die Gäste rundum zufrieden waren und die Veranstaltung reibungslos ablief, war viel Arbeit im Hintergrund notwendig. Das weiß vor allem Hauptorganisatorin Monika Wittek vom VdG. Sie beendete das VI. Kulturfestival nach langem, verdientem Applaus des Publikums mit einem tiefen Aufatmen: „Wirklich schön war’s. In drei Jahren wieder.“    
    Uwe Hahnkamp


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