D-Day, der Anfang vom Ende

Streitmacht ohne Beispiel: Die alliierte Invasion in der Normandie

03.06.19
Ein bombastischer Aufwand an Material- und Personal: Die Landung der Westalliierten an der Küste der Normandie vor 75 Jahren Bild: Imago

D-Day wurde zum Kürzel eines folgenschweren Datums des Zweiten Weltkrieges. In der englischen Sprache bezeichnet D-Day allgemein den Tag einer militärischen Operation, entsprechend dem Tag X. Die Landung der Westalliierten am 6. Juni 1944 an der Küste der Normandie lief tatsächlich unter dem Codenamen „Operation Overlord“.
 
Nach langen Überprüfungen war die französische Küste des Ärmelkanals östlich von Cherbourg als Landeplatz für die Invasion ausgewählt worden. Vom D-Day bis zum 12. Juni landeten 6400 Schiffe, sie brachten 326000 Soldaten, 104000 Tonnen Material und 54000 Fahrzeuge. Bis zum 30.  uni war die Zahl der angelandeten Soldaten auf 850000 Mann gesteigert. Damit wurde jene zweite Front eröffnet, auf welche die Sowjets seit 1941 immer wieder gedrungen hatten.
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der USA wurden britische und US-amerikanische Streitkräfte unter ein gemeinsames Kommando gestellt. Seit März 1942 wurde an den Plänen für eine Operation Sledgehammer gearbeitet und noch im selben Jahr verworfen. Als erkennbar wurde, dass eine große Invasion nicht mehr vor 1943 möglich sein würde, plante man eine Generalprobe für den D-Day. An dieser Operation Jubilee waren 237 Schiffe beteiligt. Für kurze Zeit sollte die französische Stadt Dieppe besetzt werden. Die Operation startete am 18. August 1942. Ein Verband wurde am nächsten Morgen von einem deutschen Konvoi entdeckt und gemeldet, die Invasoren wurden erwartet. Nach sehr schweren Verlusten zogen sich die Alliierten zurück.
Der britische Premier Winston Churchill und der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt setzten nunmehr den Mai 1944 als Termin für die Invasion fest. Noch im März 1943 plante man eine Landung an den Stränden bei Caen. Über einen Brückenkopf sollten französische Häfen genommen werden. Die Pläne erwiesen sich aber als zu ehrgeizig und die Briten zogen sich aus dem Planungsstab zurück. Allerdings wurden einige der Überlegungen in die Planung der späteren Operation Overlord übernommen.
Der Transport von Menschen und Material stellte die Planer vor erhebliche Probleme. Vor allem fehlte es an Landungsschiffen, britische und US-amerikanische Werften waren voll ausgelastet. Gleichzeitig wurden neue Waffen für eine nasse Landung entwickelt. Dazu gehörten schwimmfähige Panzer, Dreschflegel-Panzer zur Minenräumung und Panzer mit Flammenwerfern. Auch im Detail wurde die Landung akribisch vorbereitet. Über die British Broadcasting Corporation (BBC) forderte die Admiralität die Briten auf, persönliche Urlaubsfotos und Postkarten der französischen Küste einzusenden. Neun Millionen Fotos gingen ein. Daraus und aus gesammelten Sand- und Gesteinsproben erstellte man ein Profil der Küste. Da die vorhandenen Landkarten der Normandie absolut veraltet waren, überflog man die Landungsabschnitte. So entstand eine „D-Day Invasion Map“, die in 18 Millionen Exemplaren gedruckt wurde. Im Juli 1943 landeten zehn Mitglieder einer Spezialeinheit, deutschsprechende Soldaten in deutschen Uniformen. Sie hatten, wie auch andere Aufklärer, den Auftrag, die deutschen Verbände auszukundschaften, Hindernisse und Verteidigungsanlagen zu melden. So entstand nach und nach ein detailreiches Bild von der für die Landung vorgesehenen Küste.
Mit erheblicher Energie tarnten und täuschten die Westalliierten. Fingierte Funksprüche, fiktive Einheiten und vorgebliche private Nachrichten von Soldaten sollten die Deutschen glauben lassen, die Invasion finde an einem vollkommen anderen Küstenabschnitt in Frankreich oder gar in Norwegen statt. Diese Vermutungen bestärkten enttarnte deutsche Spione, die als Doppelagenten fungierten.
Wegen widrigen Wetters musste der D-Day mehrfach verschoben werden. Das Wetter hatte sich nicht wesentlich gebessert, als der alliierte Oberkommandierende, General Dwight D. Eisenhower, den Termin auf den 6. Juni festsetzte. Damit wurde die massivste Invasion in der bis dahin bekannten Geschichte ausgelöst. Über 6000 Schiffe steuerten auf die Küste zu. Aus der Luft sicherten sie 4190 Jagdflugzeuge sowie 3440 schwere und 930 leichtere Bomber. Sie wurden begleitet von 1360 Truppentransportern und Frachtmaschinen. 11590 Flugzeuge waren im Einsatz. 170000 Soldaten kämpften für die Eroberung der Küste der Normandie. Der Streifen, auf dem der Angriff erfolgte, war nur 98 Kilometer breit. Er erstreckte sich auf das Gebiet zwischen Sainte-Mère-Église und Ouistreham. Die US-Amerikaner landeten in den Abschnitten mit den Codenamen Utah und Omaha Beach, in den Abschnitten Gold, Juno und Sword Beach gingen Briten und Kanadier an Land.
Luftlandedivisionen hatten den Auftrag, an den Flanken Brücken und Batterien zu zerstören. Damit sollte die Verteidigung durch Panzerverbände verhindert werden. Alle Ziele konnten erreicht werden, wenn auch teilweise mit schweren Verlusten.
Die Deutschen traf die Invasion unvorbereitet. Auch wegen des schlechten Wetters hatten sie nicht mit ihr gerechnet. Viele Generäle waren abwesend, Generalfeldmarschall Erwin Rommel, Oberbehehlshaber der Heeresgruppe B und mit der Überwachung der Verteidigungsmaßnahmen am Atlantikwall beauftragt, feierte mit seiner Frau deren 50. Geburtstag. Zwar meldeten am 5. Juni ab 22 Uhr Radarstationen Störungen und ungewöhnlich starken Schiffsverkehr, dennoch glaubte man nicht an eine Invasion. Nur in Rommels Hauptquartier wurde Alarmbereitschaft ausgelöst, begrenzt auf einen kleinen Abschnitt. Und der betraf nicht die Küste, der sich die Armada näherte. Erst als die Landungsboote vor der Küste waren, wurden sie entdeckt. Nicht durch das Radar, sondern durch den von ihnen verursachten Lärm.
Verwirrung, Chaos, laufende Fehleinschätzungen kennzeichneten die Reaktion der deutschen Befehlshaber. Noch am Morgen nach den Landungen wurde an Rommel gemeldet: „Es ist möglich, dass es sich um Ablenkungsangriffe handelt.“ Bis zum Mittag gab es keine geordnete Koordination. Den Alliierten war die Landung, unter teilweise sehr schweren Verlusten, gelungen. Und die Fehleinschätzungen hielten an. Als Adolf Hitler über die Invasion informiert wurde, meinte er: „Die Nachrichten können gar nicht besser sein. Solange sie in England waren, konnten wir sie nicht fassen. Jetzt haben wir sie endlich dort, wo wir sie schlagen können.“    Klaus J. Groth


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Kommentare

hans meiher:
9.06.2019, 19:55 Uhr

War der späte Endsieg tatsächlich möglich ?


"Nazi Stealth Jet Could Have Won War for Hitler"

War der späte „Endsieg" tatsächlich möglich? Eine Computersimulation des U.S.-Luftfahrtkonzerns Northrop Grumman sagt: Ja!

Warum ist dieses Thema heutzutage noch wichtig? Haben wir inzwischen nicht ganz andere Schwierigkeiten zu bewältigen? Europäer ebenso wie Amerikaner? Natürlich! Und alle zusammen haben wir jeden Grund, die unguten Geschehnisse der Vergangenheit zu vergessen, um gemeinsam den Blick nach vorne zu richten!

Ein Punkt aber rechtfertigt nochmals einen Blick zurück; und das ist die Frage, ob unsere Väter und Großväter, für die Jüngsten mittlerweile schon Urgroßväter, tatsächlich so irregeleitet waren, einen längst aussichtslos gewordenen Kampf bis zum letzten Augenblick weiterzuführen – oder ob ihr Vertrauen auf einen noch möglichen Endsieg doch gerechtfertigt gewesen sein könnte? Das ist nicht in erster Linie eine historische Frage – sondern eine menschliche. Es geht einfach darum, in welchem Selbstgefühl die noch lebenden Kriegsteilnehmer ihr eigenes Leben sehen können – und welchen Blick auf deren Handeln die nachgefolgten Generationen haben. In der zurzeit offiziellen Geschichtsschreibung wird das keinen Niederschlag finden, wie wahr und klar es auch immer sein möchte. Doch das kann sich einmal ändern. Bis dahin soll es wenigstens für die Geschichtsbewußten eine Möglichkeit geben, sich korrekt zu orientieren. Das ist der Grund, warum die National-Zeitung sich immer wieder einmal auch mit Motiven befaßt, die in der Vergangenheit liegen.
Weiter mit den link
http://www.causa-nostra.com/Einblick/War-der-spaete-Endsieg-tatsaechlich-moeglich--e1107a02.htm


Siegfried Hermann:
7.06.2019, 13:13 Uhr

Keine Frage war das Unternehmen Overlord die größte überhaupt und akribisch beste vorbereitete Landungsmission der Militärgeschichte und hatte bis dahin alles weit in den Schatten gestellt, was es zuvor gab.
Dagegen war Pearl Habor ein Kindergeburtstag.
Allerdings
muss ich dahin gehend widersprechen, dass unser Generalstab alles andere als konfus war. Rommel selbst hat bei seiner ersten Inspektionsreise durch die Normandie sehr genau ++vorher++ gesagt wo, sogar wann und mit welcher
militärischen Stärke zu rechen war.
Ihm war bewusst, dass eine Festungsanlage wie in Calais in so kurzer Zeit unmöglich war zu bauen und auf das Konzept Montgomerys in El Alamein gesetzt.
Das ganze hätte auch deutlich noch mehr Verluste der Landungstruppe gegeben, wenn nicht massiver Verrat im deutschen Oberkommando in Paris, Missachtung, bewusste Falschmeldungen, Ignoranz gegenüber der Deutschen Abwehr (die bestens im Bilde war!), Borniertheit und das störrische Verhalten des Führers selbst, alles selber entscheiden zu wollen, geführt.
Vollendes wäre die Invasion gescheitert, wenn die "Wunderwaffen", die A4, Me-262, Ar 234-C, Horten IX, Wasserfall-Taifun-FlaRa, Ruhrstahl X-4, Königstiger, Panther-II, Nachtsichtgeräte und Boote vom Typ XXIII rechtzeitig und in ausreichender Menge zur Verfügung gestanden hätten.
Der nächste Landungstermin in Frühjahr 45 wäre komplett anders verlaufen.

Mahlzeit!
Und Frohe, geistreiche Pfingstfeiertage


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