Die Kosten gehen in die Billionen Dollar

09.12.19
Gemeinsam gegen den Terror: US-Soldaten im Einsatz mit irakischen Polizeikräften Foto: pa

Neun Tage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 proklamierte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, den „Krieg gegen den Terror“, der andauern sollte, „bis jede terroristische Gruppe von globaler Reichweite gefunden, gestoppt und geschlagen ist“. Daraufhin starteten die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten nacheinander die Operationen „Enduring Freedom“, „Freedom’s Sentinel“, „Iraqi Freedom“, „New Dawn“ und „Inherent Resolve“ in Afghanistan und Pakistan sowie dem Irak und Syrien. Daneben wurde der „Krieg gegen den Terror“ noch in rund 80 weiteren Ländern geführt – teils mit offenen, teils mit verdeckten Aktionen.
Was das bisher gekostet hat, ist umstritten. Das Pentagon selbst sprach im März davon, dass jeder US-Steuerzahler bis Ende 2018 im Durchschnitt mit 7623 US-Dollar belastet worden sei – das ergäbe dann insgesamt 1,497 Billionen Dollar. Allerdings gehen die meisten Experten von sehr viel höheren finanziellen Aufwendungen aus.
Um zu realistischeren Zahlen zu kommen, initiierten das Watson Institute for International and Public Affairs an der Brown University in Providence (Rhode Island) und das Frederick S. Pardee Center for the Study of the Longer-Range Future der Boston University im Jahre 2011 das Costs of War Project. Eine von dessen drei Leiterinnen ist die Politologie-Professorin Neta C. Crawford, die jetzt einen Bericht vorlegt, der die vermutlichen Ausgaben im Zeitraum zwischen 2001 und dem Ende des Finanzjahres 2020 auflistet.
Die involvierten Ministerien haben sich alles andere als transparent gegeben und viele der Aufwendungen für den „Krieg gegen den Terror“ in ihrem Basis-Budget versteckt. Das betrifft beispielsweise die Mittel für den Unterhalt der zirka 800 Militärstützpunkte der USA mit rund 600 000 Gebäuden und Einrichtungen weltweit. Schwer ist zu entscheiden, welche auch ohne den „Krieg gegen den Terror“ als nötig erachtet worden wären und welche im Zusammenhang mit ihm aufgebracht wurden.
Im Falle des Verteidigungsministeriums gehen die Mitarbeiter des Costs of War Project von zusätzlichen finanziellen Aufwendungen in Höhe von 2,862 Billionen Dollar aus. Davon verschlangen die Operationen in Afghanistan und Pakistan 978 Milliarden und die Kriegführung im Irak und Syrien ab 2003 880 Milliarden. Weitere Kosten entstanden dem Pentagon unter anderen infolge der deutlichen Anhebungen des Soldes und der Pensionszahlungen für die Angehörigen der US-Streitkräfte, durch die der plötzlich spürbar riskanter gewordene Militärdienst ab 2001 attraktiver gemacht werden sollte. Desgleichen stiegen die Ausgaben für die medizinische Betreuung der aktiven Soldaten durch die gesundheitlich oft prekären Einsätze außerhalb der USA und aufgrund von Verwundungen. 100-prozentig genaue Angaben hierzu sind jedoch nicht erhältlich – manche der Erhöhungen hätten wegen der Inflationsrate auch so erfolgen müssen.
Gleichermaßen in den „Krieg gegen den Terror“ involviert ist das US-Außenministerium, denn es kontrolliert die United States Agency for International Development (USAID), welche die Entwicklungszusammenarbeit mit dem Ausland koordiniert und in diesem Zusammenhang auch Spionage betreibt oder auf klandestine politische Einflussnahme setzt. Hierfür wurden Kosten in Höhe von 131 Milliarden Dollar errechnet, die sich teilweise in solchen Positionen wie „Nothilfe“ verbergen. Das heißt, es gibt keine formelle Unterscheidung zwischen Zusatzaufwendungen im Zusammenhang mit der Unterstützung des Auslands bei Naturkatastrophen, Epidemien und ähnlichem sowie dem Antiterrorfeldzug. Dazu kommen weitere 925 Milliarden für Fremdkapitalzinsen, da die kriegsbedingten Ausgaben des Pentagons und des State Department teilweise über Kredite finanziert wurden und werden.
Ein weiterer wichtiger Akteur ist das unter dem Eindruck des 11. September 2001 geschaffene US-Heimatschutzministerium (DHS), das für die Terrorbekämpfung auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten verantwortlich zeichnet. Diese erforderte laut dem Costs of War Project inzwischen 1,054 Billionen Dollar. Wobei es auch hier wieder problematisch war, zwischen den Kosten für den normalen Grenzschutz und Ausgaben, die ausschließlich aus der Terrorabwehr resultieren, zu differenzieren.
Zum Schluss führt Crawford noch jene 437 Milliarden Dollar aus dem Budget des Kriegsveteranenministeriums (VA) an, mit denen die Behandlung und Pflege der dauerhaft geschädigten ehemaligen Teilnehmer am „Krieg gegen den Terror“ bislang finanziert wurden. Die diesbezüglichen Kosten stiegen von Jahr zu Jahr, da der Kreis der Betroffenen immer größer wurde, weil es aufgrund der Fortschritte der Militärmedizin bei der Erstversorgung in den Kampfgebieten mehr Überlebende als in früheren Kriegen gibt.
Addiert man die in dem Bericht genannten Zahlen, ergibt sich die gigantische Summe von 5,409 Billionen Dollar für die Antiterrorkriegführung der USA im Zeitraum von September 2001 bis Ende September 2020. Dazu kommt eine weitere Billion für die zukünftige Versorgung der Invaliden in den Finanzjahren 2021 bis 2059 – so die Schätzung der Kriegskosten-Experten.

Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

j foxxly:
10.12.2019, 15:47 Uhr

Irrtum! All die Kriege und noch mehr, haben die Käufer von Rohstoffen auf der ganzen Welt bezahlt. Rohstoffe werden bekanntlich mit $ bezahlt. Diese Dollar´s müssen, oder haben die Rohstoffkäufer zuvor von den usa, oder Umweg, gekauft. Die USA profitiert von jeden Rohstoffkauf 100% durch ihr frisch gedrucktes Geld, ohne eigene Leistung!


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