Die Schere öffnet sich immer weiter

Die Zahl der Schüler wächst, die entweder beim Abitur durchfallen oder aber sehr gute Noten bekommen

05.04.19
Auch ihre Anzahl hat zugenommen: Junge Menschen, die sich der Abiturprüfung stellen Bild: pa

Während seit einigen Wochen freitags Tausende Schüler mit dem Wohlwollen von Politik und Medien die Schule schwänzen, um für eine veränderte Klimapolitik zu demonstrieren, sorgen neue Zahlen für Aufsehen, denen zufolge immer mehr junge Menschen entweder das Abitur nicht schaffen oder aber mit sehr guten Noten ablegen.

Während im Abiturjahrgang 2009 laut Kultusministerkonferenz noch 2,39 Prozent der Schüler durchfielen, waren es 2017 schon 3,78 Prozent. Für 2018 liegen noch nicht aus allen Bundesländern Zahlen vor, die Tendenz zeigt allerdings, dass in vielen Ländern die Durchfaller-Quote abermals angestiegen ist. Besonders hoch ist sie in Mecklenburg-Vorpommern, wo 2017 etwa jeder 14. Abitur-Prüfling scheiterte. Experten kritisieren, dass Schüler schlechte Leistungen vor dem Abitur zu einfach ausgleichen könnten – in der Prüfung dann aber nicht mehr.
Susanne Lin-Kitzing, die Bundesvorsitzende des Philologenverbands, vermutet hinter dem vermehrten Durchfallen ein prinzipielles Lernproblem. So seien es Schüler schlicht nicht gewohnt, sich über einen längeren Zeitraum kontinuierlich auf eine Prüfung vorzubereiten. „Was ich will, ist, dass gute Leistung gut bewertet wird, sehr gute Leistung sehr gut, aber nicht ausreichende Leistung eben auch nicht ausreichend“, erklärte sie gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“. Lin-Klitzing sieht Fehler in der grundsätzlichen Ausrichtung. „Im Abitur zeigt sich die Frucht von kontinuierlichem Lernen und kontinuierlichem Leisten“, erklärte sie. Schülern werde diese Kontinuität aber nicht abgefordert, manche würden bereits ab der Unter- und Mittelstufe nur versetzt, weil sie schlechte Leistungen in einem Fach durch gute in einem anderen Fach ausgleichen könnten. „Nur im Abitur müssen Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache verbindlich bestanden werden, da hilft kein Ausgleich mehr“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin.
„Wir dürfen ein systematisches Scheitern nicht zulassen“, sagt Maike Finnern, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nord-rhein-Westfalen der „Rheinischen Post“. Die gestiegenen Durchfallquoten würden belegen, dass der Bildungserfolg auch vom Elternhaus abhänge. „Diejenigen mit Unterstützung von zu Hause schaffen es eher als die ohne.“ Deswegen müsse man gerade an den Gymnasien für mehr Fördermöglichkeiten sorgen. Da mache sich aber der Ressourcenmangel bemerkbar. „Schulen müssten besser ausgestattet, Lehrer mehr unterstützt und geschult werden. Der Druck für die Schüler und die Erwartungshaltung an sie sind sehr hoch“, sagt Finnern. Das dürfe nicht allein an ihnen hängen bleiben.
Dass immer mehr Schüler das Abitur nicht bestehen, liegt aber möglicherweise auch daran, dass es immer mehr versuchen. Laut dem Statistischem Bundesamt lag im Jahr 2017 der Anteil der 20- bis 24-Jährigen mit Abitur bei 53 Prozent. Unter den 60- bis 64-Jährigen verfügte laut der Statistikbehörde dagegen nur knapp ein Viertel über eine Fachhochschul- oder Hochschulreife.
Das grundsätzliche Problem könnte dabei im Schulsystem liegen. In Deutschland werden die Kinder sehr früh auf unterschiedliche Schulformen aufgeteilt. Die frühe Aufteilung führe dazu, dass viele Eltern ihr Kind um jeden Preis an einem Gymnasium anmelden oder die Schulen zu einer Gymnasialemfehlung drängen.
Doch nicht nur die Zahl der sehr schlechten Schüler, auch die der sehr guten scheint zuzunehmen. So wird bundesweit inzwischen häufiger die Note 1,0 vergeben. Fast jeder vierte Abiturient hatte 2017 eine 1 vor dem Komma.
Das verdeutliche die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus der Kinder, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beck­mann. Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen „durch den Rost“. „Die Schere öffnet sich immer weiter“, erklärte Beckmann.
Für Torsten Heil, Pressesprecher der Kultusministerkonferenz, lässt sich der Anstieg der Bestnoten nicht auf einen einzelnen Grund beschränken. Möglicherweise habe es etwas mit den neuen bundeseinheitlichen Standards zu tun. Der Anstieg der Bestnoten sei außerdem nur gering. „Es ist zwar eine Tendenz der Verbesserung zu erkennen, aber am Ende ist mal ein Land besser und mal ein Land schlechter“, sagte er dem „Mitteldeutschen Rundfunk“.
Auch andere Experten machen gesunkene Anforderungen für den Anstieg an Einser-Abiturienten verantwortlich. „Man braucht mittlerweile weniger als die Hälfte der Anforderungen in einem Test oder einer Klausur und hat bestanden. Auch für eine sehr gute Punktzahl braucht man mittlerweile weniger gute Ergebnisse, als beispielsweise in der achten oder neunten Klasse, um eine Eins zu bekommen“, sagte Thomas Langer, Chef des Philologen-Verbands Sachsen. „Wir müssen uns gegen den Bundestrend wenden, indem wir konsequent Leistung einfordern. Es muss nicht jeder das Gymnasium besuchen, es braucht nicht jeder Abitur“, erklärte Lange.    Dieter Barbian


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Kommentare

Siegfried Hermann:
10.04.2019, 11:54 Uhr

Warum ist das so???
Der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Meine Bekannte arbeitet an einer Hauptschule im Revier. Migrantenanteil 50% plus, steigend.
Wie bekommen die Migranten und "Flüchtlinge", "schutzsuchende Minderjährige" trotzdem einen Deutschen Hauptschulabschluss, obwohl sie nicht einen Satz vernünftiges Deutsch und einen einfachen Dreisatz auf die Reihe kriegen???
Das sieht so aus:
"Von oben"
wird bestimmt, dass nur noch in den Hauptfächern Deutsch, Mathe und Englisch pro Halbjahr 2-3 Klassenarbeiten anstehen ... mit großzügigen "pädagogisch erforderlichen Migrantenbonus" natürlich, gelle!?
ALLE anderen Fächer reicht ein voller Schnellhefter mit Kopien. Das reicht für ein befriedigend. Wer im Unterricht nicht sonderlich stört und aufzeigt, wobei die Antwort noch nicht mal richtig sein muss, es wird ja "pädagogisch antidiskriminierend" gearbeitet und bewertet bekommt, ein "gut" auf dem Zeugnis. Mit Sport, Kunst, oder Islamunterricht können Fünfen und sechsen in den Hauptfächern ausgeglichen werden.

Anderes Beispiel aus dem täglichen Wahnsinn.
Handelsschule, wo das Fachabitur für Wirtschaft "erworben" werden kann. "erworben" hat nix mit arbeiten zu tun und Bildung erst recht nicht!

Dank rotgrüner "Innovations-Wahnsinn-Inklusion"
dürfen die Eltern selbst bestimmen auf welcher Schulform sie ihre Migranten-Kinder schicken... auch wenn sie absolut völlig ungeignet und ebenso nicht qualifiziert sind.
Für o.g. Handelsschule wäre --eigentlich-- und für Deutsche Kinder 100% zwingend die Fachoberschulreife, heißt Realschulabschluss und oder eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung erforderlich.
Nicht so für "inklusierte" Migranten-Kinder und erst recht nicht für frisch importierte "Syrer".
Heißt: NULL Papiere.
-- Geistig-körperlich schwerst behindertes-- "syrisches" Mädchen mit min. 30% Unterrichtsausfall, dass eigentlich auf die Förderschule für Sonderpädagogik gehört, wo wie in diesen Fall Einzelfall-Betreuung aufgrund des Krankheitsbildes erforderlich ist, wird eben auf diese Handelschule gegen jeder Vernunft und Vorschriften von den Eltern geschickt. "In Deutschland machen ja "alle§ Abitur".
Betreut von einer Sonderpädagogin. Wir reden hier von einer 40.000 Euro !!! Stelle. Nach 3 Monaten und vielen Krankheitstagen wird das Kind auf Kosten des Deutschen Steuerzahlers in die USA verfrachtet, natürlich mit Mutter als Begleitung, um an einer obskuren Therapie teilzunehmen, die normaler kein Deutscher Kranker von der Krankenkasse bezahlt bekommt.
Ergo:
Hier werden mal eben ohne Sinn und Verstand mehr 200.000 Euro per anno dem Deutschen Leistungserbringer aus der Tasche geplündert... die ihm selbst niemals zugestanden werden würde. Wenn das nicht Rassismus in Reinkultur ist, ja wann denn sonst!?
Das hier mit Vorsatz Deutsches Steuergeld ohne Ende rassistisch verbrannt wird nenn ich mal ethnischer Holocaust am Deutschen Volk auf die perfide Art und Weise.

Und Gott ist mein Zeuge. Das ist kein
"bedauerlicher Einzelfall", sondern die alltägliche Wahnsinnsregel!!
Dabei macht die Schulform keinerlei Ausnahme!
Könnt ihr gerne nachprüfen!

So gesehen, wird aus der Bildungs-Schere ein Schuh draus!

Was zutun ist, liegt auf der Hand! Nur es muss endlich beim Namen genannt und richtig angepackt werden.

Mahlzeit!


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