Feuerwehr warnt vor Stromausfällen

Zusammenbruch der Energieversorgung: Nach 24 Stunden herrschen katastrophale Verhältnisse

05.01.20
Opfer des Blackouts vom Februar 2019: Das Bürgeramt Köpenick blieb wegen Stromausfalls geschlossen Foto: pa

Von Norman Hanert

Zumindest bislang ist die Versorgungssicherheit des deutschen Stromnetzes im internationalen Vergleich sehr hoch. Sicherheitsexperten warnen inzwischen allerdings immer eindringlicher vor den schwerwiegenden Folgen, die ein großflächiger und länger andauernder Stromausfall haben kann.
Der bisherige Chef des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, hat inzwischen mehrfach sehr deutlich gemacht, welche Sorgen ihm die Gefahr eines sogenannten Strom-Blackouts bereitet. Noch kurz bevor Broemme am 20. Dezember in den Ruhestand ging, benannte Broemme als eines der Hauptprobleme die mangelnde Vorbereitung der Bevölkerung auf einen längeren Stromausfall.
Christoph Unger, der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, hatte vor einigen Monaten in einem Interview den Ausfall der Stromversorgung sogar als „die zentrale Herausforderung“ bezeichnet und gewarnt: „Nach 24 Stunden ohne Strom hätten wir katastrophale Verhältnisse“.
Deutschlands oberster Katastrophenhelfer wies dabei ausdrücklich auf den Stromausfall hin, zu dem es im Februar des Vorjahres in Berlin-Köpenick gekommen war: In den Nachmittagsstunden des 19. Februar hatten Bauarbeiter bei einer Horizontalbohrung in Köpenick nicht nur ein 110-Kilovolt-Hauptkabel durchtrennt, sondern auch gleich das parallel laufende Ersatzkabel. Die Folge war der größte Stromausfall, den Berlin in den letzten Jahrzehnten erlebt hatte. Schlagartig waren im Berliner Südosten 30 000 private Haushalte, 2000 Gewerbebetriebe, zwei Blockheizkraftwerke und auch zwei Krankenhäuser von der Stromversorgung abgeschnitten. Obendrein dauerte es bis in die Abendstunden des Folgetages, bis der Netzbetreiber die Stromversorgung wiederherstellen konnte.
Feuerwehr nicht erreichbar
Bei ihrer nachträglichen Auswertung kam die Berliner Feuerwehr zu dem Schluss, dass die Arbeit der Behörden während des 31 Stunden andauernden Versorgungsausfalls im Großen und Ganzen funktioniert habe. Allein für die Bevölkerung in den betroffenen Ortsteilen Köpenicks waren 300 Feuerwehrleute und Helfer und 400 Einsatzkräfte der Berliner Polizei aufgeboten worden. In ihrem Abschlussbericht wies die Feuerwehr auch auf das besonnene Verhalten der Bevölkerung hin und lobte die nachbarschaftliche Hilfe.
Allerdings finden sich in der Einschätzung auch besorgniserregende Punkte. Offensichtlich wurde die mangelnde Vorbereitung vieler Bürger kritisiert, zudem fielen in Teilen Köpenicks auch das Telefonfestnetz und die Mobilfunknetze aus. Damit waren auch die Notrufnummern von Polizei und Feuerwehr nicht mehr erreichbar. Zur Abhilfe wurden alle Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr in den betroffenen Ortsteilen Köpenicks mit Feuerwehrleuten besetzt, zusätzlich richteten Feuerwehr und Polizei auch mobile Wachen an Straßenkreuzungen ein, die als Anlaufstellen für hilfesuchende Bürger dienten.
Berlins Innenverwaltung will bei künftigen Notfällen beispielsweise in Rathäusern sogenannte „Katastrophenschutzleuchttürme“ einrichten. Diese sollen mit einer Notstromversorgung ausgerüstet sein, um auch nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes als Anlaufpunkte für die Bürger bereitzustehen.
Dass die Situation im vergangenen Februar in Köpenick noch glimpflich endete, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass sich die Berliner Feuerwehr bereits seit Jahren intensiv mit der Blackout-Problematik beschäftigt. Schon seit dem Jahr 2013 beteiligt sich die Feuerwehr etwa an dem Forschungsprojekt „TankNotStrom“. Dabei geht es um die Entwicklung eines Systems, das wenigstens Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben weiter einsatzfähig hält, wenn das Stromnetz zusammenbricht.
Patienten wurden evakuiert
In Köpenick sichtbar wurde allerdings auch, wie extrem wichtig eine sichere Notstromversorgung für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser ist. Während im Alexianer-Krankenhaus Hedwigshöhe eine hauseigene Notstromversorgung reibungslos funktionierte, fiel in den DRK-Kliniken Köpenick ein Notstromaggregat nach sieben Stunden aus. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk verhinderten Schlimmeres, indem sie für das Krankenhaus schnell eine weitere Notstromversorgung installierten. Patienten, die sich in einem kritischen Zustand befanden, waren bereits zuvor in andere Krankenhäuser evakuiert worden.
Wie vor Kurzem bekannt wurde, will das Bundesinnenministerium dem Technischen Hilfswerk (THW) und auch dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zweistellige Millionenbeträge zur Verfügung stellen, um besser auf solche Gefahrenlagen vorbereitet zu sein. Demnach sind im aktuellen Haushaltsplan des Bundesinnenministeriums für das Technische Hilfswerk allein 33,5 Millionen Euro für die Beschaffung von 670 Notstromaggregaten vorgesehen. Ähnlich wie dies vergangenen Februar in Berlin-Köpenick geschehen ist, sollen die THW-Ortsverbände mit den Aggregaten im Notfall zum Beispiel Krankenhäuser mit Strom versorgen.


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Kommentare

sitra achra:
15.01.2020, 19:11 Uhr

Ich hatte letztes Jahr während meines Urlaubs in Polen zwei Stromausfälle. Die dauerten fast je einen Tag lang. Die Polen waren damit schon vertraut und beruhigten mich. Aber das muss man einmal erlebt haben, dann wir einem ganz anders zumute!


Michael Mehnert:
7.01.2020, 22:36 Uhr

Das neue IP-Telephonnetz kann bei Netzausfall nicht funktionieren, da der Router beim Teilnehmer nur mit Spannungsversorgung läuft (auch die Verteiler). Diese Tatsache ist allerdings bei der Zwangsumstellung durch die Telekom von den Verantwortlichen absichtlich verschwiegen worden.Die Erreichbarkeit ist bei Netzausfall auf ein Niveau von vor 1900 gefallen, als es noch kein Telephon gab


Michael Holz:
5.01.2020, 13:06 Uhr

Die Fantasie eines normalen Menschen reicht nicht aus, die Zustände zu erahnen, welche im Falle eines längeren Stromausfalls eintreten werden, nicht könnten. Lesen Sie den Roman "Rattentanz" von Michael Tietz oder den Roman "BlackOut" von Marc Elsberg. Beide haben diese Fantasie - sie ist schrecklich!


Siegfried Hermann:
5.01.2020, 12:32 Uhr

Der Grund für einen kommenden Blackout hat systemische Gründe!!!

Grundsätzlich ist die eingeführte europaweite private Vermarktung/ Gewinnmaximierung und Strombörse ein absolutes no-go für Netzstabilität.

Das Regelwerk funktioniert nur am EU-Schreibtisch.

Dabei gilt nicht nur die Spannung konstant zu halten, sondern entscheidender die Netzfrequenz!
Wenn jeder Marktteilnehmer praktisch nach belieben zu- und abschalten kann, funktioniert nix mehr.

Die Lage wird noch durch das schon kriminelle Verhalten (Stromklau) solcher kulturverbessernde Vorzeigeländer wie Albanien, respektive Kosovo deutlich verschärft, die zudem absolut nix zur infrastrukturellen Netzstabilität beitragen.

Das Wind- und Solarenergie zurecht als Flatterstrom, oder fake-Strom bezeichnet wird, weil nicht vorhersehbar dürfte mittlerweile jeden voll kommen klar sein. Für ein stabiles Netz dürfte das max. 15-25%
der Gesamterzeugung sein, je wie konstant der Fake-Strom liefert.
Wenn aber wie in Merkel-Buntland deutlich über dieser %-Grenze erzeugt wird, wird der ganze EU-Verbund instabil.
Und was passiert nachts???
Eben! Selbst Gas-Kraftwerke, nach Solar das teuerste überhaupt, brauchen Stunden um angefahren und wieder runter gefahren zu werden.
Heißt in der Summe.
Will man hohe Netzstabilität haben MÜSSEN die "alten" Atom- und Kohlekraftwerke trotzdem im Betrieb bleiben! Milchmädchenrechnung vom aller feinsten Göring-Kipping-Stern.

Das ist der nächste grüne- Fatima Roth hoax und Lüge. Von "alten" Kraftwerke kann gar keine Rede sein. JEDES Kraftwerk erhält in vorgeschrieben Abständen eine Revision. Alles was kaputt geht und selbst kaputt gehen könnte, wird ausgetauscht. Nach der Revision hat man praktisch ein off-frame- Restauration und quasi Neuzustand!
Wozu!? Greta- kaputt sparen reicht doch.

Was die ganze Sache jetzt aus der Bahn werfen wird und kommen wird wie das Amen in der Kirche,
ist das in D einige Atomkraftwerke vom Netz gehen, bzw. runter gefahren werden. Wenn jetzt die Wetterlage auch in Frankreich deutlich abkühlt und die Franzosen gerne mit billigen Atomstrom heizen, können die bei Engpässen in D nicht mehr aushelfen. Und im Nu ist die Katastrophe da.

Und wer jetzt wie die FdJ-Sekretärin meint, dass sei doch "Neuland" ist auch gelogen!!!
Hatten wird schon alles mal.
Fazit:
Unsere Bunt-Politiker/ linke Medien fahren unser Land mit vollen Bewusstsein und regelrecht krimineller fanatischer grün-linker ideologischer Energie gegen die Wand und in den Blackout.

Mahlzeit!


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