Jahreswechsel in Königsberg

Positive Bilanz des vergangenen Jahres – 2019 wird jedoch vieles teurer

11.01.19
Hell erleuchtete Christbäume, Schlitten, Kugeln und Sterne: Mit großem Pomp werden in Königsberg das neue Jahr und das orthodoxe Weihnachtsfest

Das größte Ereignis des vergangenen Jahres für das Königsberger Gebiet war zweifelsohne die Fußballweltmeisterschaft. Was 2018 sonst noch positiv war und was sich 2019 ändert, zeigen die folgenden Einschätzungen.

Die Fußballweltmeisterschaft war für die Bewohner des Königsberger Gebiets das beeindruckendste Ereignis des Jahres. Zum ersten Mal waren russische Städte Austragungsort und Königsberg war unter den Städten, in denen Spiele stattfanden. Für diese wurde extra das ultramoderne Stadion „Kaliningrad“ gebaut, in dem vier WM-Spiele ausgetragen wurden. Die Zuschauer konnten starke Mannschaften der Welt sehen, darunter Spanien und England, sowie Belgien und den Vize-Meister der WM 2018, Kroatien.
Dank der WM konnte die Königsberger Exklave 130000 Touristen aus 90 Ländern begrüßen. Die meisten Gäste kamen aus dem benachbarten Polen und der Bundesrepublik. Die Tourismusbranche brach mit insgesamt
1,5 Millionen Besuchern 2018 einen Rekord.
Doch das war nicht der einzige Rekord des Jahres. Der Millionste Einwohner des Gebiets wurde am 18. September in Gumbinnen geboren. Die Regionalregierung hofft, dass diese symbolische Tatsache dazu führt, dass die Region für große Unternehmen und Investoren interessanter wird. Der Bevölkerungszuwachs im Gebiet ist mit der Übersiedlung aus russischen Regionen und mit der Immigration aus den ehemaligen nichtrussischen Sowjetrepubliken zu erklären.
Ein weiterer Jahresrekord betrifft die Bernsteingewinnung. Sie erreichte ein Jahresvolumen von 500 Tonnen. Nie zuvor wurde so viel „Gold der Ostsee“ in der Region abgebaut. Das verwundert nicht, da in den vergangenen Jahren der Export des Rohstoff-, aber auch des geschliffenen Bernsteins für die Schmuckherstellung ins Ausland rasant gestiegen ist. Besonders bei Chinesen ist Bernstein beliebt.
Weniger eindrucksvoll ist die Einkommenssituation der Bürger Nordostpreußens. Laut offizieller Statistik lebt ein Viertel der Bevölkerung des Gebiets von umgerechnet 193 Euro im Monat. Die Hälfte verdient zwischen 193 und 424 Euro im Monat. Über 1286 Euro verdienen nur zwei Prozent der Bevölkerung. In der offiziellen Rangliste der Einkommen wurde die Region von 85 Regionen der Russischen Föderation auf Rang 33 eingestuft. Der Rubel verlor gegenüber dem Euro seit Beginn des vergangenen Jahres 20 Prozent an Wert. Deshalb sank die Zahl derjenigen, die ins Ausland reisen wollten, um zwei Drittel. Doch das hatte auf die Besuche des benachbarten Polen keinen Einfluss. Wie bisher reisen Bewohner des Königsberger Gebiets gerne in die grenznahen polnischen Städte, um günstig einzukaufen.
Das Jahr 2018 war geprägt von einem massiven Wechsel der Gemeindeverwaltungen in der Region. Im Laufe des Jahres wurden zehn der 22 Gemeindevorsteher ausgewechselt, darunter auch Königsbergs Bürgermeister Alexander Jaroschuk, der die Stadt elf Jahre lang regiert hatte.
2019 erwartet die Königsberger eine Reihe von Veränderungen. Die neue Rentenreform tritt in Kraft, die Putins Regierung trotz stürmischer Bürgerproteste im vergangenen Jahr beschlossen hat. Bis zum Jahr 2028 erhöht sich das Renteneintrittsalter stufenweise auf 60 Jahre für Frauen und 65 für Männer. Für die Königsberger ist ab diesem Jahr der öffentliche Nahverkehr teurer. Die Fahrkartenpreise wurden um 20 Prozent erhöht. Die offizielle Inflationsrate liegt dagegen lediglich bei vier Prozent.
Ein weiterer Ausgabenposten sind Versorgungszahlungen, die in der Herbst-Winter-Saison tendenziell stark ansteigen. In diesem Winter entdeckten die Königsberger auf ihren Rechnungen unerwartet hohe Preise bei den Heizkosten. Nicht wenige, die sich die Mühe gemacht hatten, bei den städtischen Unternehmen nachzufragen, woher die hohen Kosten kommen, erhielten die Erklärung, dass sie „aus Versehen“ berechnet wurden. Doch solche „Versehen“ sind massenweise aufgetreten und aller Wahrscheinlichkeit nach hat man damit gerechnet, dass die meisten Bürger die Forderungen begleichen ohne nachzufragen.
Eine andere Neuerung betrifft die Mehrwertsteuer. Erstmals seit vielen Jahren wurde sie erhöht, von 18 auf 20 Prozent. Das wirkt sich unmittelbar auf die Kosten der meisten Waren und Dienstleistungen aus, deren Preise nicht um zwei Prozent wie die Mehrwertsteuer, sondern gleich um bis zu zehn Prozent erhöht wurden.
Doch es gibt auch positive Nachrichten: Im Sommer 2019 entfallen Roaming-Gebühren. Dann werden Anrufe in ganz Russland einheitlich kosten.
Am Vorabend der Neujahrsfeiertage in Königsberg gab es neue Beleuchtungen in der Nähe des Zoos und in der Fußgängerzone am Zentralmarkt, von der ein Teil vor einigen Monaten nach Erneuerungsarbeiten wieder eröffnet wurde. Auf dem Hansaplatz und im Zentrum der Pregelmetropole wurden viele Leuchtfiguren aufgestellt. Für die Weihnachtsbeleuchtung wurden in Königsberg in diesem Jahr rund 5700 Euro ausgegeben. An ihnen können sich die Städter und Reisende noch bis Mitte Januar erfreuen, wenn das „Alte neue Jahr“ gefeiert wird.
    Jurij Tschernyschew


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