Pommern als Namenspate für deutsche Kriegsschiffe

… bedeutet doch jedes neue Schiff der deutschen Reichsmarine eine weitere Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens

13.02.19
Die Bugzier der „Pommern“ ist an exponierter Stelle im Marine-Ehrenmal Laboe platziert (Foto: Harald Rink)

Bei der Namensgebung in der kaiserlichen deutschen Marine gab es klare Regeln. Torpedo-, Minensuch- und Unterseeboote erhielten lediglich Nummern.

Linienschiffe wurden nach Monarchen, Herrscherhäusern und Provinzen benannt. Große Kreuzer trugen die Namen von Militärs und Feldherren. Kleine Kreuzer bekamen Städtenamen. Pommern selbst war Namensgeber eines Linienschiffes. SMS „Pommern“ war aber bei Kriegsausbruch 1914 veraltet. Zwischen 1902 und 1915 stellte die kaiserliche Marine 29 Kleine Kreuzer in Dienst. Mit drei Namen (SMS „Stettin“, SMS „Kolberg“ und SMS „Stralsund“) war Pommern daran überproportional vertreten. Gleich oft (SMS „Königsberg“, SMS „Elbing“ und SMS „Pillau“) war auch Ostpreußen berücksichtigt worden. Weitere drei Städte im früheren deutschen Osten (SMS „Danzig“, SMS „Graudenz“ und SMS „Breslau“) waren Namenspaten für Kleine Kreuzer. 

Nur Bayern war mit vier Namen (SMS „München“, SMS „Nürnberg“, SMS „Augsburg“ und SMS „Regensburg“) noch häufiger vertreten. Möglicherweise wollte man dabei auf die bayerische Befindlichkeit Rücksicht nehmen. Es hatte 1871 Bismarck einige Mühe gekostet, Bayern für den Beitritt zum Deutschen Reich zu gewinnen. Sachsen (SMS „Leipzig“ und SMS „Dresden“) war zweimal, Baden und Württemberg je einmal (SMS „Stuttgart“ und SMS „Karlsruhe“), Hessen zweimal (SMS „Frankfurt“ und SMS „Wiesbaden“) vertreten. Das preußische Kernland fand zweimal (SMS „Berlin“ und SMS „Magdeburg“) Verwendung. Auch das 1871 zum Reich zurückgekehrte Elsass (SMS „Straßburg“) wurde ebenso wie das Rheinland (SMS „Cöln“) nur einmal berücksichtigt. Seltsamerweise wurden zwar die Hafenstädte Emden, Bremen, Hamburg und Rostock Paten für Kleine Kreuzer, Kiel und Wilhelmshaven aber nicht. Dies lag möglicherweise am Kriegsausbruch 1914. Die nach 1914 vom Stapel gelaufenen Einheiten wurden nun nach im Gefecht gesunkenen Kreuzern benannt. 

Bei den pommerschen Kreuzern handelte es sich jedoch um „glückhafte“ Schiffe. Keines von ihnen geriet in Verlust. Das älteste von ihnen war SMS „Stettin“. Als letztes von vier Schiffen der SMS „Königsberg“-Klasse wurde der Kreuzer sinnigerweise bei der Vulcan-Werft in Stettin gebaut, lief am 7. März 1907 vom Stapel und konnte schon am 29. Oktober 1907 in Dienst gestellt werden. 1914 gehörte SMS „Stettin“ nicht mehr zu den modernen und kampfkräftigen Einheiten. Weil in der Marine aber ein Mangel an Kleinen Kreuzern herrschte, wurde das Schiff  bis 1917 zu allen größeren Operationen herangezogen und nahm am 31. Mai 1916 auch an der Skagerrak-Schlacht teil. Dabei erlitt das Schiff leichte Schäden. Später diente SMS „Stettin“ als Zielschiff für die U-Boote. Der geplante Umbau zum Flugzeugmutterschiff, wie das Schwesterschiff SMS „Stuttgart“, unterblieb. Nach dem Krieg musste der Kreuzer als Kriegsbeute ausgeliefert werden. Er fiel den Briten zu. Die hatten aber keine Verwendung für einen so betagten Kreuzer und ließen ihn von 1921 bis 1923 in Kopenhagen abwracken. 

Von 1908 bis 1911 entstanden die vier Kreuzer der „Kolberg“-Klasse. Das Typschiff SMS „Kolberg“ entstand auf der Schichau-Werft in Danzig. Es lief dort am 14. November 1908 vom Stapel und trat am 10. Juni 1910 zur Flotte. Aufgrund seiner etwas höheren Geschwindigkeit als SMS „Stettin“ konnte der Kreuzer zu den Beschießungsaktionen der schnellen Schlachtkreuzer 1914 gegen die westenglische Küste herangezogen werden. Dabei verlegte der Kreuzer 100 Minen vor Flamborough Head. Später wurde der Kreuzer in die Ostsee verlegt und nahm daher nicht an der Skagerrak-Schlacht teil. Bei Kriegsende wurde SMS „Kolberg“ französische Kriegsbeute. 

Dort war man über das relativ moderne Schiff hoch erfreut, denn die französische Marine besaß 1918 überhaupt keine brauchbaren Kreuzer. Neuer Namensträger wurde die elsässische Stadt Colmar, die 1919 ohne Volksabstimmung von den Franzosen annektiert worden war. Die frühere SMS „Kolberg“ diente noch bis 1927 in der französischen Marine und wurde 1929 verschrottet. 

Als letzte Einheit der „Magdeburg“-Klasse kam 1912 die in Bremen gebaute SMS „Stralsund“ in Dienst. Diese Kreuzer zählten bei Kriegsausbruch zu den modernsten und stärksten Kleinen Kreuzern der kaiserlichen Marine. Anlässlich des Stapellaufs am 4. November 1911 äußerte der Bürgermeister der Hansestadt: „Allzeit wird Stralsunds Bürgerschaft dieses stolze Schiff mit den besten Wünschen auf allen seinen Wegen begleiten, mögen es Wege des Friedens oder des Kampfes sein – wir hoffen des Friedens, bedeutet doch jedes neue Schiff der deutschen Reichsmarine eine weitere Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens.“

Als der Krieg ausbrach, war SMS „Stralsund“ fast immer „ganz vorn“ zu finden. Wie SMS „Kolberg“ diente der Kreuzer als Begleitung für die Beschießungsaktionen der schnellen Schlachtkreuzer 1914 gegen die westenglische Küste. Vom 21. Februar bis zum 17. Juni 1916 lag der Kreuzer in der Werft, um von 10,5 cm auf 15 cm Geschütze umgerüstet zu werden. Daher war SMS „Stralsund“ nicht an der Skagerrak-Schlacht beteiligt. Im Herbst 1916 wurde auf dem Kreuzer versuchsweise ein Aufklärungsflugzeug stationiert. SMS „Stralsund“ wurde später vornehmlich in der Ostsee gegen die Russen eingesetzt. 

Nach Kriegsende teilte SMS „Stralsund“ das Schicksal von SMS „Kolberg“ und wurde französische Kriegsbeute. Dort erhielt der Kreuzer den neuen Namen  „Mulhouse“ nach der elsässischen Stadt Mühlhausen, die ohne Volksabstimmung in Folge des Versailler Friedensdiktates an Frankreich gefallen war. Der damals moderne Kreuzer diente bis 1933 in der französischen Marine. 1940 lag die frühere SMS „Stralsund“ in Brest und wurde dann nach Lorient geschleppt, um als Wohnschiff zu dienen. 

Das Schicksal des Linienschiffes SMS „Pommern“ verlief weniger glückhaft. SMS „Pommern“ war die dritte Einheit der „Deutschland“-Klasse. Es waren die letzten Hauptkampfschiffe der Marine vor Einführung der Großkampfschiffe. (Siehe: „In Stettin entstand eines der ersten deutschen Schlachtschiffe“, Pommersche Zeitung vom 12. Oktober 2018). Als SMS „Pommern“ am 6. August 1907 in Dienst gestellt wurde, war sie bereits veraltet. Dennoch blieben einige der alten Linienschiffe Teil der Hochseeflotte, um die Unterzahl an Großkampfschiffe gegenüber der Royal Navy auszugleichen. Dabei waren die alten Linienschiffe langsamer als der Rest der Flotte und setzten die Geschwindigkeit des Verbandes herab. So nahmen sechs alte Linienschiffe an der Skagerrak Schlacht teil. Das Schicksal verschonte sie. Erst in der Nacht wurde SMS „Pommern“ von dem britischen Zerstörer HMS „Faulknor“ torpediert. Ein Torpedo traf die Munitionskammer. SMS „Pommern“ flog buchstäblich in die Luft. Alle 839 Besatzungsmitgliedern fielen. Trotzdem blieb etwas „übrig“. Bei Kriegsbeginn war die Bugzier des Linienschiffes abgebaut worden. Sie kann  noch heute im Marineehrenmal Laboe (an der Kieler Förde) besichtigt werden.

Klaus Gröbig

Klaus Gröbig ist Herausgeber der marine-historischen Monatszeitschrift Schiffe Menschen Schicksale 


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Kommentare

Gerhard Breyer:
13.02.2019, 13:27 Uhr

Die Stadt im Oberelsaß schreibt sich
im Deutschen "Mülhausen" (ohne "h")


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