Regenwald auf dem Teller

Streit um Brände im Amazonasgebiet – Der Westen könnte durch Fleischkonsum mitgezündelt haben

08.09.19
Wieder ein Stück brasilianischer Regenwald

Die Brände, die im südamerikanischen Amazonasgebiet wüten, sind wahrscheinlich die schlimmsten, seit solche Ereignisse überhaupt gezielt dokumentiert werden. Die wirtschaftlichen Folgen könnten gravierend sein.

Angesichts der Waldbrände stellen Deutschland und Frankreich das gerade ausgehandelte Freihandelsabkommen mit Brasilien und anderen südamerikanischen Staaten in Frage. „Ein Mercosur-Handelsabkommen ohne Schutzgarantien für den Regenwald ist nicht verantwortbar“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) dem „Tagesspiegel“. Von dem Handelsabkommen erhofft sich Brasilien, mehr Rindfleisch und mehr Soja in den Wirtschaftsraum der Europäischen Union exportieren zu können. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass zu diesem Zweck noch mehr Flächen im Amazonas-Gebiet abgeholzt zu werden drohen. Laut einer Statistik des US-Nachrichtensenders CNN ist die Anzahl der Waldbrände in Brasilien im Vergleich zum Vorjahr um 85 Prozent gestiegen. Die Zeitschrift „Globo Rural“ schrieb, dass sich im Bundesstaat Pará über 70 Personen in einer Whats­App-Gruppe dazu verabredet hatten, große Flächen in Brand zu stecken.
Ziel der Aktion sei es gewesen, den Präsidenten Jair Bolsonaro bei seinem Plan zu unterstützen, die Umweltkontrollen zu lockern, hieß es in dem Bericht. Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über.
Brasilianische Bauern kämpfen seit Langem darum, neue Weideflächen für Tiere, allem voran für Rinder, zu bekommen. Denn Brasilien ist der größte Rindfleisch-Exporteur der Welt. Außerdem will Bolsonaro die Sojaanbauflächen vergrößern, um so mehr Soja – hauptsächlich für Tierfutter – zu verkaufen und die Wirtschaft des Landes anzukurbeln.
Bolsonaro bestreitet die Vorwürfe, er habe zu illegalen Brandlegungen ermuntert, und hat stattdessen ein hartes Durchgreifen gegen die Brandstifter angekündigt. Der Staatspräsident hat unterdessen ein Dekret erlassen, mit dem seit der vergangenen Woche Soldaten in den betroffenen Bundesstaaten, Umweltschutzzonen und in indigenen Territorien einen Monat lang bei der Eindämmung des Feuers helfen sollen.
Wegen der dramatischen Ausmaße der Brände im Amazonas-Gebiet regte Finnland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, ein Einfuhrverbot für brasilianisches Rindfleisch in den EU-Raum an. Die Union sollte dringend die Möglichkeiten eines solchen Verbots prüfen, erklärte der finnische Finanzminister Mika Lintilä. „Jetzt wird von der EU effektives Handeln gebraucht.“
In Deutschland, wo derzeit ohnehin eine ziemlich aufgeregte Klimadebatte herrscht, plädieren Umweltaktivisten für einen Fleischverzicht, um den Regenwald zu retten. Wer Fleisch esse, schade dem Regenwald – auch wenn es sich nicht um ein brasilianisches Steak handele. „Natürlich hat auch unser Handeln in Deutschland viel mit dem Verlust des Regenwaldes zu tun“, erklärte beispielsweise der Professor für Welternährungswirtschaft an der Universität Göttingen, Matin Qaim, dem Internetportal „Heute.de“: „Zum Beispiel importieren wir große Mengen Soja als Futtermittel für unsere Rinder und Schweine, und der steigende Sojaanbau trägt in Brasilien mit zur Regenwaldrodung bei.“
Und Tom Kirschey vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) erklärte: „Wir haben, auch wenn wir regional produziertes Fleisch konsumieren, immer auch brasilianischen Regenwald mit auf dem Teller.“
Heute bedecken tropische Regenwälder knapp acht Prozent der Erdoberfläche mit zwölf Millionen Quadratkilometern, aber in diesen Wäldern leben mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten der Welt. Der größte ununterbrochene Waldblock ist im Amazonasbecken in Südamerika zu finden.
Neun Staaten haben Anteil daran, aber mehr als die Hälfte der Fläche liegt in Brasilien, wo insgesamt ein Drittel der weltweit verbliebenen tropischen Regenwälder beheimatet ist. Ein „Regenwald-Land“ ist dabei Französisch-Guyana – ein Überseedépartement und eine Region Frankreichs, das damit zum Einflussgebiet der Europäischen Union gehört.
Diese Tatsache erklärt beispielsweise auch den erbitterten Streit zwischen Bolsonaro und dem französischen Staatspräsidenten Macron. Der Brasilianer fordert, dass sich Macron bei ihm entschuldigt, erst dann sei er zu Gesprächen über die Hilfszahlungen bereit. „Zunächst sollte Macron die Beleidigungen gegen mich zurücknehmen“, sagte der Staatschef: „Er hat mich einen Lügner genannt. Und dann hat er nach meinen Informationen die Souveränität des Amazonasgebiets infrage gestellt.“ Macron bezeichnete die Amazonasregion in dem Zusammenhang wegen deren Bedeutung für den globalen Klimaschutz als „Gemeingut“.
Zu Beginn der Waldbrände hatte Macron ein Foto getwittert und mit dem Kommentar „unser Haus brennt“ versehen.
Der Konter aus Brasilien ließ nicht lange auf sich warten. Bolsonaros Kabinettschef Onyx Lorenzoni sagte: „Macron schafft es nicht mal, einen vorhersehbaren Brand in einer Kirche zu verhindern, die Teil des Welterbes ist, und er will uns Lektionen für unser Land erteilen?“, sagte Lorenzoni in Anspielung auf das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame im April.    Peter Entinger


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Gustav Freitag:
8.09.2019, 14:15 Uhr

Und während dessen brennt ein halber Kontinent. Die Brände in Afrika, sie haben sich verstärkt, intensiviert, sind mehr geworden. Es interessiert nach wie vor niemanden. Vielleicht wäre es an der Zeit, Félix Tshisekedi, den neuen Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, mit einem rechtsextremen und sprachgewandten Söldner auszutauschen, dessen Großvater im Verdacht steht, 1933 die Nazis gewählt zu haben.
Im Amazonas brennt es jährlich zwischen Juni und September, ebenso wie es jährlich in Afrika brennt, seit Jahrzehnten. In vergangenen Jahren waren die Brände dabei deutlich intensiver als dieses Jahr.

Was die Brände dieses Jahr besonders macht, ist die mediale Hysterie, die darum gesponnen wurde. Weil es mit dem Dürresommer und der heftigen Erwärmung nichts geworden ist, müssen nun neue Erzählungen erfunden werden, um den Mythos vom menschengemachten Klimawandel am Leben erhalten zu können.
Weder sind die diesjährigen Brände besonders schlimm noch sind sie durch die Trockenheit besonders intensiv noch hat die Trockenheit im Amazons mit Klimawandel zu tun. Das Klima im Amazonas ist massiv von Luftströmungen und der Oberflächentemperatur des Pazifischen Ozeans und des Nordatlantik abhängig. El Nino beeinflusst das Klima im Regenwald in besonders intensiver Weise.

Für einen Zusammenhang mit einem angeblich von Menschen gemachten Klimawandel gibt es keinerlei Belege.


Siegfried Hermann:
8.09.2019, 11:30 Uhr

Bei diesen ganzen "Greta-Hype" vom "brennenden Amazonas" ist jetzt raus gekommen, das viele Archivbilder aus vergangenen Jahren als aktuelle uns vorge-gauck-elt werden. Giftgas-Syrien und Kuhwait-Brutkastenmörder lassen grüßen.

TATSÄCHLICH gibt es seit 10 Jahren eine bras. Bundesbehörde, die traditionelle Brandrodung überwacht und nicht mehr und nicht weniger verbrannte Fläche als in den Vorjahren feststellt. Geraten die Brände außer Kontrolle wird die Feuerwehr bzw. das Militär eingesetzt.
Das riese Rinderherden-Problem besteht schon seit den 60zigern !!! Jahren und nicht erst seit Greta.
Und linken-Grünen E-10 Sprit frisst den Acker leer!!
Hier wollen global tätige Konzerne, Finanzhaie, kriminelle NGO´s und natürlich unsere Elitepolitiker mächtig mit sinnlosen Straf-Steuern abkassieren und mit bekloppter, stalinistischer Bevormundung die Bürger terrorisieren und Angst erzeugen.

Mahlzeit!

btw Rinderpreise
Seit wann können sich Deutsche Armutsrentner Südamerika-Steak bei einen Kilopreis von 25 Euro ++ leisten? Ich kennen keinen! Dafür einen Ego-Fußballer dem selbst 1000 Euro scheixxegal sind. Hauptsache Blöd ist dabei.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.