Symbol für den Terror der Roten Armee

Vor 75 Jahren verübten Sowjetsoldaten in der ostpreußischen Ortschaft Nemmersdorf ein Massaker an deutschen Zivilisten

28.10.19
Nach der kurzfristigen Rückeroberung Nemmersdorfs: Ein Wehrmachtssoldat untersucht die Leiche eines getöteten Flüchtlings Bild: akg images

Das im Oktober 1944 von Rotarmisten in der ostpreußischen Ortschaft Nemmersdorf begangene Massaker an deutschen Zivilisten steht bis heute exemplarisch für die vielen Kriegsverbrechen der sowjetischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkrieges.

Im Sommer 1944 war die Rote Armee bis an die Grenze zu Ostpreußen vorgestoßen, verfügte dann aber über keine ausreichenden Ressourcen für weitere Angriffe mehr. Allerdings wollte der sowjetische Generalstab anlässlich des 27. Jahrestages der Oktoberrevolution am 7. November 1944 erneute Erfolgsmeldungen verkünden. Deshalb plante er für den Oktober eine Doppeloffensive der 1. Baltischen Front unter Armeegeneral Hovhannes Baghramjan und der 3. Weißrussischen Front unter Armeegeneral Iwan Tschernjachowski. Das Ziel der Doppeloffensive bestand in der Zerschlagung der 3. Panzerarmee der Wehrmacht unter Generaloberst Erhard Raus und der 4. deutschen Armee unter General der Infanterie Friedrich Hoßbach als Voraussetzung für die nachfolgende Eroberung Ostpreußens.
Die 1. Baltische Front stieß ab dem 5. Oktober 1944 in Richtung Memel und zur Ostseeküste vor. Dabei kam es zu ersten Begegnungen mit deutschen Zivilisten, die mit Plünderungen, Vergewaltigungen und Erschießungen endeten. Dass es sich hierbei um keine Einzelfälle handelte, zeigt die Offensive der 3. Weißrussischen Front ab dem 16. Oktober im Bereich zwischen Memel und Sudauen. Vier sowjetische Armeen, darunter auch die 11. Garde-Armee unter Generaloberst Kusma Galizki, traten auf 90 Kilometern Frontbreite zur Gumbinnen-Goldaper Operation an, in deren Verlauf der Durchbruch nach Königsberg erzwungen werden sollte. Das Vorhaben scheiterte indes an heftiger deutscher Gegenwehr. Jedoch gelang es der Roten Armee während der Doppeloffensive erstmals, deutsches Reichsgebiet zu besetzen – allein beim 60 Kilometer weit reichenden Vorstoß nach Ostpreußen hinein fielen 2000 Quadratkilometer in sowjetische Hand. Dazu kam die Eroberung der Städte Stallupönen (Ebenrode), Goldap und Sudauen.
Während der erbitterten Gefechte konzentrierte die 11. Garde-Armee am 20. Oktober 1944 starke Kräfte an einem Frontabschnitt zehn Kilometer südöstlich von Gumbinnen. Dadurch gelang es dem 2. Bataillon der 25. Panzerbrigade Galizkis am Morgen des 21. Oktober, die 600-Seelen-Gemeinde Nemmersdorf zu erreichen. Dort stand die weit und breit einzige für Panzer passierbare Brücke über den Fluss Angerapp, deren Inbesitznahme für die Angreifer damit von zentraler Bedeutung war. Allerdings befand sich Nemmersdorf ungeachtet dessen nur für anderthalb Tage in sowjetischer Hand. Die Rotarmisten mussten den Ort bereits am 23. Ok­tober 1944 gegen 2.30 Uhr wieder räumen, denn sie wurden nicht nur von der 5. deutschen Panzerdivision, sondern auch von Stoßtrupps des Panzergrenadier-Ersatzbataillons 413 und Einheiten der Fallschirm-Panzer-Divisi­on „Hermann Göring“ attackiert. Trotzdem hatte die Zeit ausgereicht, um unter den in Nemmersdorf verbliebenen Zivilisten und Flüchtlingen aus der Umgebung ein Blutbad anzurichten.
Zu den ersten Deutschen, die am Morgen des 23. Oktober auf die übel zugerichteten Leichen ihrer Landsleute stießen, gehörten der Panzergrenadier-Feldwebel Helmut Hoffmann und der Soldat Harry Thürk von der Division „Hermann Göring“. Später trafen dann noch zahlreiche weitere Personen am Ort des Geschehens ein, darunter der Kreisbauernführer Fritz Feller, Himmlers Leibarzt Karl Gebhardt, Major Hans Hinrichs vom Oberkommando der Wehrmacht, der Kriegsgerichtsrat Paul Groch und Hauptmann Karl Fricke vom Oberkommando der 4. Armee sowie einige Kriegsberichterstatter, Parteifunktionäre und höhere Chargen der SS beziehungsweise Geheimen Feldpolizei. Von diesen sind diverse Zeugenaussagen überliefert. So berichtete Thürk, der es später zu einem der meistgelesenen Schriftsteller in der DDR brachte und „Konsalik des Ostens“ genannt wurde: „Ich habe tote Zivilisten auf einem eingefriedeten Misthaufen gesehen. Da lag ein älterer Mann, der hatte eine Mistgabel im Brustkorb stecken … An einem Scheunentor, am rechten Torflügel, war eine Frau angenagelt.“ Andere berichteten, sie hätten die Leichen ermordeter Kinder und Frauen gefunden – wobei die weiblichen Deutschen ganz offensichtlich auch auf viehische Weise vergewaltigt worden seien.
Wie viele Menschen bei dem Massaker von Nemmersdorf starben, ist bis heute umstritten. Die Bandbreite der in der Literatur genannten Zahlen reicht von 19 bis etwa 100. Ebenso unklar bleiben zumeist auch die genauen Umstände des Todes der Opfer sowjetischer Mordlust. Daher wird von Seiten mancher Hobbyhistoriker wie Bernhard Fisch in Zweifel gezogen, dass es zu den geschilderten umfangreichen Vergewaltigungen und Leichenschändungen gekommen sei, und unterstellt Joseph Goebbels’ Propagandaapparat, die Körper der Toten vor dem Eintreffen der Pressefotografen entsprechend präpariert und zurechtgelegt zu haben. Tatsächlich nutzten die Nationalsozialisten den Fall Nemmersdorf, um den Durchhaltewillen der Deutschen zu stärken. Das heißt aber noch lange nicht, dass Augenzeugen wie Thürk gelogen oder übertrieben haben.
Jedenfalls verfügte die Siegermacht Sowjetunion nach der erneuten und diesmal endgültigen Eroberung des Tatorts Anfang 1945 über die Möglichkeit, sämtliche Beweise für die inzwischen weithin publik gewordenen Bluttaten von Nemmersdorf verschwinden zu lassen. So finden sich heute in und um den Ort keine Gräber der Ermordeten mehr. Das erleichterte es der russischen Seite, das Massaker schon während des Nürnberger Prozesses abzustreiten und zu suggerieren, die „Hitlerfaschisten“ hätten das alles selbst inszeniert – eine Haltung, von der Moskau nie abgerückt ist.
Doch unabhängig davon, welche Lügen das Land der Täter verbreitet, liegen akribischen Nachforschungen des Bundesarchivs aus der Mitte der 1970er Jahre zufolge östlich von Oder und Neiße noch um die 3300 weitere Tatorte, an denen Rotar-
misten 1944/45 deutsche Zivilisten abgeschlachtet haben. Das berechtigt zweifellos dazu, von systematischen sowjetischen Kriegsverbrechen zu sprechen, die nun schon ein Dreivierteljahrhundert lang ungesühnt geblieben sind.    Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

Ingo Angres:
17.11.2019, 12:56 Uhr

@Mueller:
>> ... in bombed and shelled
Leningrad, the worst thing for the starving population to bear was the
knowledge that the party elite were still eating well. <<
[Richard Overy, "The Bombing War", S. 624]
Leningrad war eine belagerte, dabei jedoch unablässig KÄMPFENDE FESTUNG, deren Kommandant aus politischen Gründen nicht kapitulieren durfte. Die hilflose Wut der Einwohnerschaft richtete sich weniger gegen die Wehrmacht und ihre Soldaten als gegen die in Saus und Braus lebenden Genossen der örtliichen Nomenklatura. Auch das können Sie bei Overy nachlesen.

Sie scheinen sich in Ihrer Ignoranz aber pudelwohl zu fühlen, so dass dieser Hinweis wohl als das Hinwerfen der bewussten Perlen zu werten ist.


Alex Weber:
2.11.2019, 19:08 Uhr

Herr Müller, darum geht es hier nicht. In dem Artikel geht es um ein konkretes Verbrechen. Und man kann dieses Verbrechen nicht mit Verweis auf vermeintlich andere Verbrechen legitimieren. Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen. Es gab damals die HLKO, die Genfer Konevention und und und ... da können nicht einfach so Zivilisten mit Mistgabeln im Brustkorb plötzlich herumliegen. Warum versuchen Sie diese Verbrechen hier zu "entschärfen"? Sind Sie Deutscher? Schämen Sie sich eigentlich nicht? Wie würden Sie reagieren, wenn es Ihre Verwandten gewesen wären? Mit solchen Kommentaren entlarven sich Leute wie Sie zusehends. Ich empfehle Ihnen, nach Russland zu gehen und Ihre persönliche Schuld abzuarbeiten. Haben Sie den Mut dazu und beschränken Sie sich nicht nur auf das Trollen in Kommentarspalten. Zeigen Sie Gesicht, gehen Sie voran.


Heinold Perkmann:
1.11.2019, 18:46 Uhr

@Klaus Mueller Verbrechen auf keinem Fall gegeneinander aufrechnen beschwören immer unsere linken Brüder. Für diese selbst gelten Verbrechen an Deutschen nur als mimimi!


Siegfried Hermann:
1.11.2019, 12:08 Uhr

Werter Herr Müller,
FAKT und wahrer historischer Geschichtsstand sollte doch mittlerweile sein, dass Stalin schon in den 20zigern !!! Jahren eine Invasion Westeuropas und nicht nur Deutschlands und Integration in den Komintern-Bund unter russisch/Stalinistischer Führung geplant und (erfolglos) durchgeführt hat. Um es mit Churchill-Redewendung zu sagen: Der Schweinehund (Hitler) ist uns 3 Monate zuvor gekommen. Geplant war der Überfall auf das Deutsche Reich zum Herbst 41/Frühjahr 42.
Die russische Hungerkatastrophen und Millionen (!) Tote dieser Jahre sind dem Umstand geschuldet, dass Stalin ganze Ernten gegen Devisen in den Westen verkauft hat, um militärisch gigantisch aufzurüsten. Hierzu die jahrelange akribische Arbeit von
Viktor Suworow. Der Mann war alles andere als ein Niemand. Obrist im Auslandsgeheimdienst des KGB mit höchster Geheimhaltungsstufe! Auf der tube gibt es ein sehr langes, sehen-wertes Interview dazu.
Die Hungertoten von Leningrad sind schlicht angloamerikanische un stalinistische Greuelpropaganda. Vielmehr hat Stalin jeden wehrfähigen Mann UND Frau bei Todesstrafe verboten die Stadt zu verlassen. Im OKW finden sich KEINE Anweisungen oder Absichten, die Leute tot hungern zu lassen.
Nach der HLKO sind Belagerungen sehr wohl legitim!
Nach dem Krieg hat Stalin die "Helden von Leningrad" kleinheimlich von seiner Beria-Gestapo-Truppe ermorden lassen oder im Gulag gesteckt, weil er ihre unglaubliche Popularität im Volk fürchtete.
Folgerichtig hätte man ein russisches Gesuch Zivilisten zu evakuieren vom OKW mit Sicherheit statt gegeben.
Ergo:
Das ist ++ mal wieder++ übelste bunt-linke Umerziehungspropaganda und schlechtes Gewissen einprogrammieren seit 70 Jahren und heute mehr denn je aktuell.

Zu Nemmersdorf:
Da kann ich aus persönlichen Gründen etwas zu sagen, weil Verwandtschaft meiner Großeltern in der Nähe gelebt haben.
Es gab sehr wohl unabhängige Beweise!
Dort waren für sehr kurze Zeit (die Russen eröffneten sehr bald nach Rückeroberung eine neue Offensive) Repräsentanten des Internationalen Roten Kreuzes anwesend. Und "bedauerliche Einzelfälle" waren das gewiss nicht!
Allgemein bekannt ist das der Armeegeneral Tschernjachowski genau solche Kriegsverbrechen wie in Nemmersdorf angeordnet hat. Und nach folgenden Sperrverbände, meist aus zentralasiatischen Völkern, sprich Moslems und Mongolen bestand, deren kulturelle Bereicherung darin besteht, bei eroberten Gebieten, vorzugsweise erst mal die fremden Frauen und Mädchen zu vergewaltigten und unvorstellbare grausame Verbrechen zu begehen. Siehe heute Irak.
Fazit:
Wir sollten unbedingt die WAHRHEIT unseren Kindern erhalten, damit künftig nie wieder solche widerlichen perversen Herrschenden unsere Kinder instrumentalisieren und missbrauchen wie aktuell den Greta-Hype oder "Flüchtlings"-Invasions-Krieg gegen unser Volk.

Mahlzeit!


Joachim Wiemann:
1.11.2019, 11:40 Uhr

K. Mueller, warum lesen Sie auch dieses Blatt? Es gibt doch eine Vielzahl an Presseerzeugnissen, die Ihrer Ansicht entsprechen.
Meine noch lebende Mutter (93J.) hat als noch Achtzehnjährige die Greueltaten der Rotarmisten über sich ergehen lassen müssen und sie hat mit eigenen Augen gesehen wie diese lebende Säuglinge an einem Scheunentor zerschmettert haben.
Nennen Sie mir einen ähnlichen Fall deutscherseits.


Klaus Mueller:
30.10.2019, 16:45 Uhr

Dass DEUTSCHE zuvor die Sowjetunion überfallen und dann in einem mörderischen Angriffskrieg etwe 20 Millionen Russen töteten ... steht auch das im Artikel?

Ich find da mimimi von Deutschen in der Sache heute nur jämmerlich.
.
Da fällt mir noch die Belagerung und das gewolte Aushungern der Bewohner von Leningrad (Petersburg) ein. Eine (?) Million Ermordete. Durch Deutsche.


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