Von pommerschen Pfingstbräuchen

… und der Freude an der Pfingstrose

04.06.19
Bild: Stramm

Das dritte pommersche Brauchtumsfest im Jahreslauf war Pfingsten. Dieses Fest war für alle da, ob jung oder alt, arm oder reich. Neben der christlichen Botschaft war es ein Fest der gemeinsamen Freude und des Frohsinns. 

Die Hauseingänge, in den Dörfern ebenfalls die Ställe, wurden mit Birkengrün geschmückt, denn dem germanischen Gott Donar, dem Wettergott, war die Birke geweiht. Selbst die Lokomotive der Kleinbahn von Stettin-Finkenwalde nach Neumark trug grüne Zweige. Im Südosten Hinterpommerns trieb man an den Pfingsttagen Pferde, Kühe, Schafe und auch Gänse mit Birkengrün geputzt zur Weide.

Pfingsten fanden meistens auch die Schützenfeste statt. Es wurden Wettreiten und Tonnenschlagen zu Pferde auf dem Lande organisiert. Der Sieger beim Wettreiten wurde König – und Königin die Siegerin beim Wettlauf zum eingepflanzten Birkenbusch.

Zur Belustigung für die Jugend gehörte vor allem das Pfingsttaubenabwerfen. Die Taube war ein Prunkstück des Dorfdrechslers oder -stellmachers. Sie wurde in beträchtlicher Höhe auf einer Stange, die zuvor fest eingegraben worden war, angebracht. Trotz ihrer weit ausgebreiteten Flügel und ihren mächtigen Fängen, in denen sie Zepter und Reichsapfel hielt, war es sehr schwierig, den Körper des Vogels mit der Holzkeule zu treffen. Im Jahr 1939, es muss das letzte große Pfingstfest in Stettin-Hökendorf gewesen sein, habe ich es versucht und nicht einmal ihren Körper gestreift. Jeder Wurf aber, der die Taube traf und ihr ein Stück ihres Körpers raubte, wurde bejubelt und belohnt. Kronprinz oder Kronprinzessin wurde der- oder diejenige, die den Reichsapfel erwischte. Die Königswürde wurde dem Jugendlichen verliehen, der den Rumpf von der Stange schoss. 

Übrigens wurden zu Pfingsten auch die neuen Sonntagskleider der Kinder beim Pfingstausflug zur Schau gestellt. Bei Mädchen waren die Voile-Kleider sehr beliebt. Mein Vater sagte dann immer, wenn er seine Kinder neubekleidet sah: „Ihr seht ja wie Pfingstöchslein aus.“ 

Für Gartenfreunde in Pommern war Pfingsten vollkommen, wenn ihre Pfingstrose blühte oder wenigstens Knospen zeigte. Die Pfingstrose, botanisch Päonie, ist nach dem griechischen Arzt Paian benannt worden. Er heilte, der Sage nach, die Wunden des Gottes Pluton. Aus der ehemaligen Heilpflanze wurde in der heutigen Zeit eine Zierpflanze, da man ihr keine medizinische Wirksamkeit, auch nicht bei Gicht, nachweisen konnte.

In 30 Arten ist die Pfingstrose in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet. Sie ist ein langlebiges Hahnenfußgewächs und nicht zu vergessen, eine gern gekaufte, prächtige Schnittblume. In der katholischen Kirche gilt die „Rose ohne Dornen“ als Mariensymbol. 

Wie waren die Flüchtlinge aus Pommern erstaunt, als sie in ihrem Zufluchtsland Schleswig-Holstein  erfuhren, dass diese auffallende Pflanze hier Bauernrose genannt wurde.

Brigitte Klesczewski


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