Wer beendete den Flug MH17?

Peter Haisenko berichtet im Interview von der Konferenz »Quest for Justice« in Kuala Lumpur

12.09.19
Pilot, Verleger, Autor und Journalist: Peter Haisenko Bild: F. Stumfall

Der Pilot, Verleger und Autor Peter Haisenko war nach einer Ausbildung zum Verkehrspiloten an der Lufthansa-Flugschule drei Jahrzehnte im weltweiten Einsatz als Pilot und Copilot. Seit 2004 arbeitet der gebürtige Münchner als Autor und Journalist. Nach dem Besuch der Konferenz „Quest for Justice“ (Streben nach Gerechtigkeit) in Kuala Lumpur interviewte ihn Florian Stumfall für die PAZ.

PAZ: Herr Haisenko, Sie sind kürzlich von der Konferenz „Quest for Justice“ in Kuala Lumpur zurückgekommen. Das Thema dort war der Abschuss des Malaysia-Airlines-Fluges 17 (MH17) vor fünf Jahren über der Ukraine. Doch den untersucht seit Jahren das Joint Investigation Team (JIT) in den Niederlanden. Was hat das Treffen in Kuala Lumpur notwendig gemacht?
Peter Haisenko: Die neue Regierung in Malaysia mit Präsident Dr. Mahathir Mohamed hat in diesem Frühjahr beklagt, dass die Untersuchung des holländischen JIT von Anfang an nicht neutral ermittelt hat. Sie war fixiert darauf, Russland als Schuldigen hinzustellen und hat so Beweismaterial missachtet, neue „Beweisketten“ erfunden und als zuverlässige Quellen Bellingcat mit Elliot Higgins genannt ebenso wie den ukrainischen Geheimdienst SBU. Insbesondere die Quelle SBU muss als zweifelhaft gesehen werden, denn sie ist wahrscheinlich in die Abläufe um den Abschuss der MH17 verstrickt. Ich selbst habe mehrfach dargestellt, dass die frei erfundene Version eines Abschusses durch eine Buk-Rakete unmöglich ist, was sowohl das Erscheinungsbild der Trümmer als auch die mannigfaltigen Zeugenaussagen betrifft. Es ist folglich notwendig, die gesamte Untersuchung und ihre Ergebnisse neu aufzurollen, von einem neutralen Gremium.

PAZ: Warum wurde die malaysische Hauptstadt als Tagungsort gewählt?
Haisenko: Viele der Opfer sind Malaien und die MH17 war dort registriert. Dennoch wurde Malaysia von der Untersuchung praktisch ausgeschlossen, was internationalen Standards widerspricht. Holland und das JIT betrachten die Untersuchung als abgeschlossen und weigern sich, von dem deutschen Privatermittler Josef Resch Beweismaterial auch nur anzunehmen. Das Material des Herrn Resch beinhaltet solide Beweisdokumente, die belegen, dass MH17 nicht von einer Buk-Rakete abgeschossen worden ist, sondern von einer ukrainischen Suchoi Su-25. Nachdem also eine derartige Konferenz nicht in Europa stattfinden konnte, hat man sich entschieden, sie in Kuala Lumpur abzuhalten.

PAZ: Können Sie kurz umreißen, welcher Teilnehmerkreis eingeladen war?
Haisenko: Es war eine Versammlung von internationalen Spezialisten, vor allem Juristen. Im Einzelnen: Die Dokumentarfilmerin Yana Yerlashova, der IT-Experte Akash Rosen, Prof. Michel Chossudovsky, Dr. Kees Van der Pilj, Prof. Datin, Dr. Mary George, Mr. John Philpot – Anwalt beim International Criminal Court und für die UN, Dato Dr. Gurdial Singh Nijar – auch tätig für die UN, Colonel Haji Mohd Sakri Hussin – erfahren in internationalem Krisenmanagement, Dr. Chandra Muzaffar – Präsident des „International Movement for a Just World (JUST), Dr. Zulaiha Ismail – eine international anerkannte Kapazität für Friedensforschung und Aufdeckung von Kriegsverbrechen sowie Ms. Askiah Adam – eine Journalistin, die ihre Karriere bei der BBC gestartet hat und heute Geschäftsführerin von JUST ist.

PAZ: Sie wurden um ein Referat gebeten. Wie ist es dazu gekommen?
Haisenko: Ich bin 30 Jahre Pilot und Kapitän auf großen Verkehrsflugzeugen gewesen, habe solide Kenntnisse der Technik, und so war ich als Experte für die technischen Aspekte eingeladen. Auch weil ich derjenige war, der als erster erkannt und publiziert hat, was da tatsächlich geschehen ist. Ich habe im Lauf der Jahre mehrere Arbeiten dazu veröffentlicht, denen internationale Aufmerksamkeit zuteil geworden ist. So bin ich in Malaysia eine durchaus bekannte Persönlichkeit.

PAZ: Was ist der rote Faden Ihrer Argumentation?
Haisenko: An den Bildern der Wrackteile ist unzweifelhaft zu erkennen, dass ein direkter Beschuss durch ein Kampfflugzeug stattgefunden haben muss. Betrachtet man dazu den Report des JIT, insbesondere die darin gezeigten Bilder, so ist für einen Fachmann nicht zu übersehen, dass dieser Report in sich selbst den Nachweis bringt, dass seine Schlussfolgerungen falsch sind. Es muss mindestens eine Explosion innerhalb des Flugzeuges gegeben haben, denn ohne eine solche zerbricht ein großes Passagierflugzeug nicht im Flug. Deutlich sichtbar sind viele runde Einschusslöcher von etwa 30 Millimeter Durchmesser, die im JIT-Report mit keinem Wort erwähnt, geschweige denn erklärt werden. Diese Spuren können nicht mit einem Buk-Treffer erklärt werden. Genauer erkläre ich das hier: https://www.anderweltonline.com/wissenschaft-und-technik/luftfahrt-2019/mh-17-auf-der-suche-nach-der-wahrheit-in-kuala-lumpur/

PAZ: Zur Zeit des Abschusses kehrte durch den selben Luftraum Russlands Präsident Wladimir Putin aus Südamerika nach Moskau zurück. Sehen Sie da einen Zusammenhang?
Haisenko: Zunächst erschien es wie eine wilde Spekulation, dass eigentlich geplant war, die Maschine Präsident Putins mit ihm an Bord abzuschießen. Im Laufe der Zeit haben sich aber die Hinweise verdichtet, dass dem wahrscheinlich so war und der Abschuss der MH17 entweder ein Versehen war oder ein „Plan B“, nachdem Putins Maschine den Weg durch den polnischen Luftraum geflogen ist. Folgt man dieser Variante, wird auch verständlich, warum sich Russland so zurückhaltend zeigt, die offizielle Version des JIT zu kritisieren. Die russische Regierung um Putin hätte größte Probleme ihrem eigenen Volk zu erklären, warum sie die Ukraine nicht „bestraft“ für diesen kriegerischen Akt. Was im Lauf der Konferenz in Kuala Lumpur immer deutlicher wurde, ist, dass Russland mit dieser Aktion dazu verleitet werden sollte, einen Krieg zu beginnen. Wir können Putin dankbar sein, dass er so besonnen reagiert hat.

PAZ: Der deutsche Privatermittler Resch hat angekündigt, Beweise für die Schuld des ukrainischen Militärs an dem Abschuss vorzulegen. Wieso tat er das nicht in den Niederlanden, und was ist davon zu halten?
Haisenko: Josef Resch hat sehr wohl dem JIT, der holländischen Regierung und auch der deutschen seine Beweise angeboten, wurde aber von allen abgewiesen. Ja, es ging noch weiter. Die deutsche Regierung hat gegen ihn ermittelt und nicht nur eine Hausdurchsuchung durchgeführt, sondern auch sein Schließfach in der Schweiz öffnen lassen. Man muss also feststellen, dass nicht nur seine Beweise nicht einmal zur Sichtung angenommen worden sind, sondern noch dazu der Versuch unternommen worden ist, Herrn Resch zu kriminalisieren und mundtot zu machen. Das passt dann auch zu der Aktion der holländischen Botschaft in Kuala Lumpur, welche die malaiische Regierung zwei Tage vor der Konferenz aufgefordert hat, diese zu untersagen. Offensichtlich ist es also so, dass die Regierungen Europas und der USA von Anfang an genau wussten, wer die MH17 abgeschossen hat und wie es geschehen ist. Wie sonst wäre erklärbar, dass sich Holland einen derartigen diplomatischen Affront gegenüber Malaysia leistet, indem es sich in innere Angelegenheiten so offensichtlich einmischt?
Bei dieser Konferenz wurden auch die politischen Konsequenzen erörtert, wenn die Wahrheit über den Abschuss der MH17 ans Licht der Öffentlichkeit gebracht würde – nämlich dass es eine ukrainische Su-25 war, die mit Wissen zumindest der Regierung in Kiew die MH17 abgeschossen hat. So wird auch verständlich, warum diese grausame Wahrheit mit allen unlauteren Mitteln unter Verschluss gehalten wird. Nachdem in den westlichen Standardmedien nicht über diese Konferenz berichtet wird, bleibt zu hoffen, dass die malaiische Regierung jetzt mit dem Material der Konferenz genügend Druck auf Holland und das JIT ausüben kann, die Beweise von Herrn Resch zu sichten und zu bewerten ebenso wie den Schauprozess gegen die drei Russen und einen Ukrainer abzusagen. Wie gesagt, liegen die Beweise für die Unzulänglichkeit der bisherigen Untersuchung offen in dem JIT-Report selbst, sind aber nur für Fachleute zu erkennen.


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